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Deutscher Hängegleiterverband e.V.

DHV

Ludesch Open 2016 (26. - 28. Mai 2016)

Ludesch International Open 2016 in Vorarlberg,
4 Deutsche am Start

Offizielle Webseite mit Ergebnissen

 
Für die Drachenflieger und für viele andere Flugsportler wird das Jahr 2016 nicht gerade einen Ehrenplatz einnehmen. Die unvorhersehbaren Wetterkapriolen haben so manchen europäischen Wettbewerb jäh platzen lassen. Umso schöner, wenn sich die Natur pünktlich zu einem Geheimtipp in der Wettkampfszene - den Ludesch Open - für 4 Tage beruhigt.
An drei von vier Tagen konnten 50 Piloten aus 9 Nationen die Fliegermuskeln spielen lassen und kürten am Ende gleich 3 Schweizer auf dem Podest, gefolgt von einer Abschlussparty der Spitzenklasse.
 
Ludesch liegt auf dem Weg zum Arlbergtunnel, am Eingang zum Großen Walsertal.
Den Landeplatz des austragenden Drachenflieger-Clubs Blumenegg findet man gleich am Ortseingang. Der kleine Club verfügt über eine sehr gute Landeplatzinfrastruktur mit eigenem Betriebsgebäude und einem sehenswerten Anbau zur Aufbewahrung von über fünfzig Drachen im Bienenwabenformat.
 
Donnerstag Morgen begann das für Ludesch normale Wohlfühlprogramm: ausreichend Transportkapazität für die Drachen auf zahlreichen Pritschenwagen mit gepolsterter Auflagefläche, für die Piloten per Reisebus mit Klimaanlage, Live-Tracking mit Übertragung auf Breitbild-TV ins Red-Bull-Zelt, am Aufbauplatz ausreichend Früchte, Landjäger, Brot, Schoko- und Müsliriegel, welche mit verschiedenen Getränken heruntergespült werden können und das alles im geringen Startgeld enthalten. Unglaublich!
Wenn es in Ludesch überhaupt etwas zu bemängeln gibt, dann höchstens die Startmöglichkeiten. Der höchst gelegene Startplatz am Thüringerberg ist auf knapp 1300 Meter NN gelegen und damit gerade mal 750 Meter über dem Talgrund.

Weil es in seiner Nähe keine Thermikquelle gibt, die ein komfortables Aufsteigen ermöglicht, muss gleich zu Beginn in die fliegerische Trickkiste gegriffen werden, um nicht nach 10 Minuten schon entnervt am 4 km entfernten Landeplatz zu stehen. Auf engstem Luftraum versuchten 50 Piloten bei zäher Thermikgüte die ersten Höhenmeter zu erklimmen, bevor es überhaupt auf die vorgegebene Strecke gehen konnte. Nassgeschwitzt erreichte man dann das im GPS aufblinkende virtuelle Startgate und der Arlbergpass lockte als erster Wendepunkt. Als die Wolkenbasis auf 3300 m erreicht war, kam man bei der glasklaren Sicht aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es hatte in den letzten Tagen nochmals heftig geschneit und die Bergwelt war entsprechend dekoriert. Der Flug über verschneite Gipfel und zugefrorene Seen mit den gefiederten Kollegen, den Adlern und Bussarden wird zum Erlebnis für sich. Man vergaß glatt die 130-km-Aufgabe, von der mal gerade 30 km im Kasten war. Viele lange Talquerungen waren zur Bewältigung der Aufgabe notwendig. Und nur selten flog man mal länger mit den anderen Kollegen zusammen, da unterschiedliche flugtaktische Überlegungen das Feld immer wieder trennten. Die beim Briefing am Startplatz besprochene Talquerung ins Brandnertal erweist sich als Fehler: Große aufziehende Quellwolken versperren der Sonne den Weg, was die Thermikentwicklung zum Erliegen bringt. Große Umwege zu den Restbeständen der sonnenbeschienenen Berghängen waren von Nöten, um überhaupt etwas weiter als die Konkurrenz zu kommen. Viele standen bereits mangels Thermik am Boden, so dass jeder Kilometer mehr auf dem aufzeichnenden GPS zählte. Mein Flug ist nach fast 4 h vor dem Rheintal zu Ende. Bin dennoch zufrieden.
Nur zwölf Piloten queren das Rheintal, neun davon umrunden auch noch die Boje in Walenstadt in der Schweiz. Aber den Heimweg ins Ziel schaffen nur drei Schweizer: allen voran fliegt Petsch Neuenschwander über die Ziellinie, eine gute halbe Stunde später folgen noch Fredi Bircher und Didu Bärtschi.
Leider war es das - was den sportlichen Teil der Ludesch Open betrifft - bereits mehr oder weniger gewesen.

Am Freitag setzte der Meetdirektor einen optimistischen Task von 95 Kilometern an. Doch eine hartnäckige Inversionsschicht in 1500 m NN konnte zwar nach längerem Murksen überwunden werden, aber schon am ersten Wendepunkt, dem Faschinajoch im engen Groß-Walsertal, bissen sich die meisten vergeblich die Zähne aus. Nicht wenige schätzten den Tag realistisch ein und landeten am Headquarter. Der Abbauplatz neben dem Red-Bull-Zelt war bald ziemlich überfüllt, während die dazugehörigen Piloten bei einem kühlen Bier am TV-Live-Tracking verfolgten, wie sich ein paar Verrückte - so auch ich - noch stundenlang quälten, ein paar Meter weiter für eine sehr geringe Punkteausbeute zu fliegen. Zumindest gab es abends den ein oder anderen Schulterklopfer für den Gewinn der goldenen Ananas im Dauerfliegen.
Der Samstag begann bedeckt, aber für nachmittags war Wetterbesserung angesagt, weshalb zum Startplatz aufgebrochen wurde. Am Startplatz nieselte es in stündlichen  Intervallen, doch die Wettkampfleitung blieb zuversichtlich und setzte einen kurzen Task mit knapp 50 km - eine Zickzack-Aufgabe mit vielen Bojen im Tal gelegen. Da sich mangels Sonneneinstrahlung aber kaum ein Lüftchen am Startplatz regte, wurde die Startzeit immer wieder nach hinten verschoben. Erst nach vier Uhr riss es dann richtig auf und es reichte für einen lässigen Abendflug, nicht aber für den Task: 19 Kilometer flog der Tagessieger, dafür gab es ganze 46 Punkte (von 1000 möglichen) und eine Aussenlandung fern ab von Bier und Spanferkel am Partygelände Landeplatz. Der Veranstalter war mehr als zufrieden, hatte er doch mit 3 Durchgängen eine vollständige FAI-Wertung im Sack.
 
Da der Wetterbericht für den Sonntag eindeutig schlecht war, wurden die Ludesch-Open bereits am Samstag Abend mit der Siegerehrung beendet. An der Rangliste des ersten Tages hatte sich wegen der mässigen Wertung der zwei Folgetage an der Spitze nichts mehr geändert, das Podest blieb verdient und fest in Schweizer Hand. Die nachfolgenden Piloten tummelten sich punktemäßig enggestaffelt auf den Plätzen 9 bis 30. Das Spanferkel wurde rechtzeitig zum anschließenden Dorffliegerfest gar und als dann im Partyzelt noch das Discolicht und die Musik angedreht wurden, konnte der Wettkampf ohne Rücksicht auf den anderen Morgen würdig abgeschlossen werden.

Der DFC Blumenegg stellt alljährlich einen Wettkampf auf die Beine, wie er kaum besser organisiert werden kann. Falls es im nächsten Jahr wieder gutes - oder hoffentlich noch besseres - Flugwetter gibt, bin ich sicher nicht der einzige Germane, der gerne wiederkommt.
 
 
LG Jörg