X
Deutscher Hängegleiterverband e.V.

DHV

Güte mit Siegel

Die Bedeutung der DHV Gütesiegel-Plakette
Ein Beitrag von Hannes Weininger, Referatsleiter Technik

Es ist das Interesse jedes Piloten zu wissen, ob sein Gerät einem vom DHV geprüften Muster entspricht. Auch dient es der Flugsicherheit, wenn die exakten, bei der Musterprüfung festgestellten Daten und Betriebsgrenzen des Gerätes auf dem Gerät vermerkt sind. Der Gesetzgeber schreibt zwar nach erfolgreicher Prüfung durch die vom LBA anerkannte Prüfstelle des DHV lediglich eine eindeutige Kennzeichnung durch den Hersteller vor. Er fordert nicht zwingend die Stückprüfung und Kennzeichnung des einzelnen ausgelieferten Gerätes durch die Prüfstelle oder den Beauftragten, wie dies bei anderen Luftsportgeräten, beispielsweise den ULs, der Fall ist. Und weil die Stückprüfung und Kennzeichnung ohnehin vom Hersteller durchgeführt wird, läge es eigentlich nahe, statt des Gütesiegels eine herstellereigene Plakette zu verwenden.

Dennoch haben sich die Hersteller von Anfang an gegenüber der LBA-anerkannten Prüfstelle des DHV vertraglich zur Verwendung der DHV Gütesiegelplakette verpflichtet. Worin liegt der Vorteil einer Plakette mit Gütesiegel, die von einer zentralen Stelle für alle Hersteller geliefert wird?
Der Pilot kann sich sicher sein, dass die Musterprüfung in vollem Umfang
abgeschlossen ist und dass die Betriebsgrenzen und Daten des Geräts wirklich dem entsprechen, was bei der Prüfung festgestellt wurde. Die gelieferte Plakette schließt hier jeglichen Missbrauch aus. Dies wäre bei einer herstellereigenen Kennzeichnung nicht so. Die Erfahrung zeigt, dass manche Hersteller hemmungslos gegenüber dem Kunden behaupten, dass sämtliche Musterprüfverfahren bereits abgeschlossen seien, auch wenn dies keineswegs der Fall ist. Startgewichte wurden schon bestimmten Gerätgrößen zugeordnet, die nicht dem Prüfergebnis entsprachen. Ganz zu schweigen von der mangelnden Seriösität so mancher Werbeaussagen. Werbung mit Vermerk „bestandene Prüfung“ sieht man bereits für Geräte, die noch nicht einmal zur Prüfung angemeldet sind.


Müssten nicht – wie vertraglich vereinbart - die vom DHV gelieferten Gütesiegelplaketten verwendet werden, wären eine ordnungsgemäß abgeschlossene Musterprüfung und die Richtigkeit der Daten nicht mehr gewährleistet. Aus vielen anderen Bereichen, z.B. aus dem Bereich der
CE-Kennzeichnung, die vom Hersteller selbst vorgenommen wird, sind ausreichend negative Erfahrungen vorhanden. In Insiderkreisen bedeutet "CE“ kein Qualitätszeichen mehr, sondern „Chinese Export“. Das DHV Gütesiegel ist rechtlich geschützt. Die Gütesiegelplakette wird erst nach Abschluss der Gütesiegelprüfungen vom DHV an den Hersteller geliefert. Die ausgegebenen Gütesiegelplaketten sind mit der Prüfnummer sowie einer fortlaufenden Plakettennummer versehen und es kann eindeutig identifiziert werden, an welchen Hersteller sie geliefert wird. Dieser Umstand war besonders hilfreich, als in den Anfangszeiten die ersten gefälschten Plaketten auftauchten. Die Fälscher wurden identifiziert und es sind seitdem keine Fälle von Fälschungen mehr aufgetreten. Ein weiterer Vorteil der Ausgabe registrierter Plaketten durch den DHV ist die Dokumentation, an welchen Hersteller wann welche einzelne Plakette ausgegeben wurde. Würde stattdessen eine Vielzahl von „Eigenplaketten“ verwendet, könnte der Pilot gar nicht mehr erkennen, ob er wirklich ein Gerät dieses Herstellers in Händen hält, oder ob es sich um ein Plagiat handelt, das der tatsächliche Hersteller nie gesehen hat. Dies ist auch der Hintergrund, warum zur Zeit ein, von einzelnen Herstellern beauftragter Produktionsbetrieb sich stark gegen die Verwendung einer eindeutigen, von einer zentralen Stelle gelieferten Plakette ausspricht. Die vorgeschobene Argumentation ist zwar die angebliche Unhandlichkeit des Verfahrens, man kann nicht vorproduzieren, weil noch keine Plaketten da sind usw., aber gerade das soll ja vermieden werden. Es soll produziert werden, was geprüft ist und nichts anderes.
Ein weiteres Argument für die eindeutige, einheitliche Kennzeichnung ist
der Gebrauchtmarkt. Jeder kann heute bei einem Gütesiegelgerät sicher
sein, tatsächlich ein geprüftes Gerät zu haben, ohne recherchieren zu
müssen, wie die Originalplakette von Gerät XY und Hersteller Z
ausgesehen hat.

Vom DHV gelieferte Plaketten verteuern die Geräte. Dies ist ein immer wieder vom Hersteller benutztes Argument gegen diese Praxis. Eine Plakette kostet den Hersteller 3,50 €, soviel zu den Fakten. Würde die DHV-Plakette nicht verwendet, käme es dennoch für den Hersteller nicht zu Einsparungen bei den Gesamtkosten für die Musterprüfung. (Ganz abgesehen vom Umstand, dass der Hersteller eine eigene Plakette herstellen muss.) Die Musterprüfkosten für ein Gerät sind derzeit eine Mischkalkulation der Einnahmen aus Prüfgebühren und den Plaketten. Beide Einnahmenarten gemeinsam decken die Kosten des Prüfbetriebes. Würden keine Plaketten mehr vom DHV bezogen, müssten die Prüfkosten angehoben werden. Der DHV hat diese Mischkalkulation eingeführt, weil damit Hersteller, die viele Geräte verkaufen, auch insgesamt höhere Kosten haben. Positiv gesagt: Die Geräte mit geringem Marktanteil, wie Doppelsitzer oder kleine Größen zahlen effektiv weniger für die Musterprüfung. Dies fördert indirekt eine hohe Geräteauswahl, die Innovation und kommt kleineren Herstellern entgegen. Wollte der DHV den gleichen Effekt bei den direkten Prüfgebühren erreichen, müssten komplizierte Zuschussregelungen mit hohem Verwaltungsaufwand eingeführt werden. Bei den allgemeinen Erfahrungen mit Subventionen ist dies nach Meinung des DHV kontraproduktiv. Ein weiterer Punkt für die Verwendung von ausschließlich vom DHV gelieferten Plaketten ist die herausragende Marktübersicht, die sich dadurch für den DHV als Pilotenverband ergibt. Wir erhalten so statistisches Material, das gewährleistet, dass uns hinsichtlich der Marktsituation niemand ein X für ein U vormachen kann. Einigen Herstellern gefällt diese Transparenz nicht, obwohl andererseits viele Hersteller auf die Analysen der Daten gerne zurückgreifen, z. B. der Verteilung der Kategorien am Markt über die Jahre oder das Verhältnis Starrflügler zu flexiblen Hängegleitern. Macht es also Sinn für die Piloten, ausschließlich Geräte mit Gütesiegelplakette zu kaufen? Der Pilot kann sich sicher sein, tatsächlich ein geprüftes Gerät zu haben. Er muss nicht selbst kontrollieren, ob die Musterprüfung tatsächlich schon abgeschlossen ist und er somit wirklich Versicherungsschutz genießt. Der DHV kontrolliert die Verwendung der DHV Gütesiegelplaketten, bei Zweifel auch die Konformität des einzelnen Gerätes mit dem Muster kostenlos für den Piloten.
Die Vorteile für die Piloten überwiegen eindeutig den geringen Nachteil von 3,50 € Plakettenkosten je Gerät, selbst wenn dieser Betrag jedem Gerät nachträglich auf den Kaufpreis aufgeschlagen würde (was eigentlich ja ohnehin der Fall ist, oder hat schon mal einer sein Gerät um 3,50 € billiger bekommen, weil er auf die Plakette verzichtet hat?). Wer dies genauso sieht, sollte deshalb wie bisher darauf achten, dass sein Gurtzeug, Rettungsgerät, Hängegleiter und Gleitschirm mit einer Plakette gekennzeichnet ist, die das HV-Gütesiegel trägt.

Weitere Informationen zu Hintergründen und Details:

DHV-Gütesiegel, Typenschild, Musterzulassungsplakette, Musterprüfplakette, Stückprüfplakette, Kennzeichnung zum Nachweis des Ursprungs.

Gütesiegelplakette

Historisches und Begriffsklärung

DHV-Gütesiegel

Bereits mit Beginn der Sicherheitsarbeit an den Luftsportgeräten des DHV stellte sich sehr schnell die Frage, wie erkennt der Pilot, ob es sich um ein geprüftes Gerät handelt. Es wurde deshalb das DHV Gütesiegel eingeführt und vom DHV rechtlich geschützt.

Diese Gütesiegelplakette wurde nach Abschluss der Gütesiegelprüfungen vom DHV an den Hersteller geliefert. Die ausgegebenen Gütesiegelplaketten waren mit der Jahreszahl der Ausgabe, der Prüfnummer sowie einer fortlaufenden Plakettennummer versehen und es konnte eindeutig identifiziert werden, an welchen Hersteller sie geliefert wurde. Dieser Umstand war besonders hilfreich, da sehr bald die ersten gefälschten Plaketten auftauchten. Die Fälscher wurden identifiziert und es sind seitdem keine Fälle von Fälschungen mehr aufgetreten.

Typenschild

Etwas später sah man die Notwendigkeit Gerätedaten am Gerät anzubringen; auch diese Typenschilder wurden einheitlich vom DHV geliefert. Diese Art der Kennzeichnung wurde bis 1996 durchgeführt.

Typenschild

Musterzulassungsplakette und Stückprüfplakette

Ab 1993 wurde für die nach dem damaligen neuen Luftrecht musterzugelassenen Geräten eine Musterzulassungsplakette zur Kennzeichnung der Stückprüfung eingeführt. Sie war gesetzlich vorgeschrieben vom Beauftragten für Musterzulassung, dem DHV, zu liefern und vom Hersteller zur Kennzeichnung zu verwenden. Für nach altem Recht geprüfte und nicht in eine Musterzulassung umgeschriebenen Geräte wurde weiterhin die alte Form ausgegeben.

Musterzulassungsplakette

Gemeinsame Deutsch/Österreichische Musterzulassungsplakette

Als 1995 in Österreich ein sehr ähnliches Luftrecht verabschiedet wurde, sind beide Länder übereingekommen eine gemeinsame Plakette zur Kennzeichnung der stückgeprüften Geräte zu verwenden.

Erste gemeinsame Deutsch/Österreichische Musterzulassungsplakette

Musterprüfplakette und Kennzeichnung des Nachweis des Ursprungs

Mit der Luftrechts Novellierung 2001 in Deutschland wurde eine Kennzeichnung des Nachweis des Ursprungs mit einem bestimmten Inhalt vorgeschrieben und damit die zwingende Verwendung einer von der Musterprüf- und Musterzulassungsstelle ausgegebenen Plakette zur Dokumentation der Stückprüfung für Deutschland abgeschafft. Trotzdem verwenden die Hersteller weiterhin die gemeinsame Deutsch/Österreichische Musterzulassungsplakette; dies stellt weiterhin die freie Verwendbarkeit der so gekennzeichneten Geräte in beiden Ländern auch nach einem Verkauf über die Ländergrenze sicher. Außerdem haben sich die Hersteller gegenüber der anerkannten Prüfstelle DHV vertraglich zur Verwendung dieser gemeinsamen Plakette verpflichtet.

Zweite gemeinsame Deutsch/Österreichische Musterprüfplakette

Österreichische Prüfplakette

Ende des Jahres 2005 wird in Österreich eine neue Zivilluftfahrzeug- und Luftfahrtgerät-Verordnung in Kraft gesetzt, in der für Österreich zwingend eine eigene Plakette zur Kennzeichnung vorgeschrieben wird. Form und Aufbau der Plakette bleiben gleich, lediglich ist hier ein ausschließlicher Bezug auf die österreichische Zulassung enthalten und das geschützte DHV-Gütesiegel fehlt.

Österreichische Prüfplakette

Gleichzeitig musste eine eigene deutsche Musterprüfplakette eingeführt werden, auf der alle Hinweise auf eine Gültigkeit für Österreicher in Österreich fehlen, aber das geschützte DHV-Gütesiegel enthalten ist.
Diese Plakette wird auf Wunsch der Hersteller weiterhin vom DHV gedruckt und geliefert.

Aktuelle deutsche Musterprüfplakette

Die Plakette heute

Unsere heutige Plakette ist der Nachweis des Ursprungs eines mustergeprüften Luftsportgerätes, der vom Hersteller zur Dokumentation der Stückprüfung verwendet wird; sie trägt als Qualitätszeichen das Gütesiegel des DHV und beinhaltetet die Daten eines Typenschildes. Wir nennen diese Plakette Musterprüfplakette.

Eine legale Kennzeichnung in Deutschland ist:

Jede eindeutige Plakette, die alle gemäß den Lufttüchtigkeitsforderungen vorgeschriebenen Aufschriften enthält. Die Plakette muss nicht vom DHV sein und auch kein Gütesiegel enthalten.

Alle Geräte:

Art des Gerätes
- Muster des Gerätes
- Name und Adresse der Prüfstelle
- Bezeichnung und Ausgabe der angewandten Luftüchtigkeitsforderung und gegebenenfalls der Norm
- Nummer der Musterprüfung
- Name des Herstellers
- Werknummer des Gerätes
- Jahr und Monat der Herstellung
- Datum der Stückprüfung mit Unterschrift des Herstellers
- Zeitabstände für regelmäßige Nachprüfungen
- folgende Aufschrift: „Dieses Luftsportgerät wurde gemäß den rechtlichen Vorschriften stückgeprüft. Es stimmt mit dem geprüften Muster überein und ist lufttüchtig.“
- folgender Warnhinweis: „Vor Gebrauch Betriebsanweisung lesen.“

Zusatzangaben z. B. für Hängegleiter

- Zahl der Sitze
- Klasse des Gerätes für die Anforderungen an den Piloten
- minimales und maximales Startgewicht in Kg
- Gewicht des Hängegleiters in Kg (ca.)
- projizierte Fläche (ca.)
- höchstzulässige Geschwindigkeit (V Max)