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Deutscher Hängegleiterverband e.V.

DHV
DHV- Sicherheitsvorstand Uli Schmottermeyer moderierte
Interessiertes Publikum
DHV-Sportvorstand Ralph Schlöffel im Gespräch mit Robert Kleinhans von Charly Produkte
Skywalks Reini Vollmert erklärt das System E-Walk
DHV-Sicherheitsreferent Karl Slezak bei Trockenübungen
Skywalk E-Walk
Skywalk E-Walk
Scott-E
Scott-E
E-Lift für Hängegleiter

Symposium E-Aufstiegshilfe auf dem Flugplatz Bamberg

Text und Fotos Hannes Weininger

Frühling auf dem Bamberger Flugplatz. Kein Zweitaktergetöse trotzdem startbereite Gleitschirme auf dem Vorfeld. Testpilot Arne Wehrlin von Skywalk zieht den Schirm rückwärts gegen den Wind auf bis die Kappe sauber steht. Ausdrehen und aufs Knöpfchen gedrückt. Der Propeller entfaltet sich, fängt an zu drehen und schiebt den Piloten sanft in die Luft. Bis zu 400 Höhenmeter und ca. 12 Minuten lang könnte der Antrieb surren. Zeit genug um in die Thermik einzusteigen. Und dann ohne Motor auf Strecke oder unter die Wolken  Bis auf das Propellergeräusch ist praktisch nichts zu hören. Sieht so die Zukunft des Gleitschirmfliegens im Flachland und Mittelgebirge aus?
Viele Piloten kamen von weit her, um sich die „fleischgewordenen Visionen“ in der Praxis anzusehen. Nach der Vorstellung der E-Aufstiegssysteme auf der Thermikmesse in Sindelfingen hatte der DHV am Wochenende 26. März zu einem weiteren Fachsymposium mit Praxisvorführung eingeladen. Der Bamberger Gleitschirmfliegerclub organisierte die Veranstaltung.  DHV –Vorsitzender Charlie Jöst und DHV Sicherheitsvorstand Uli Schmottermeyer moderierten und berichteten über die Vision der Aufstiegshilfe als weitere Startart.
Dr. Ing. Werner Eck und Joachim Geiger als treibende Entwickler von E-Motoren und Regelungstechnik erläuterten zusammen mit dem Hersteller des e-Lifts für Hängegleiter Toni Roth und Atos Entwickler Felix Rühle den aktuellen Stand des Erprobungsprogramms. Dieses Programm initiierte der DHV beim Verkehrsministerium, um Erfahrungen mit der Aufstiegshilfe zu sammeln. Gestartet wird auf DHV zugelassen Fluggeländen. Die Ausbildung beschränkt sich auf intensive theoretische und praktische Einweisung. Die Erkenntnisse während der Erprobung verlaufen so erfreulich, dass nun ein rascher Abschluss des Erprobungsprogramms angestrebt wird.  Regelungsvorschläge für das Bundesministerium für Verkehr sind inzwischen weitgehend ausgearbeitet. Der e-Lift hat sich in der Praxis eindeutig bewährt. Das zeigte auch die Flugvorführung in Bamberg. Souverän geht es nach wenigen Schritten in die Luft. Eigentlich unspektakulär und vor allem leise.

Manfred Kistler von Skywalk (System E-WALK) und Robert Kleinhans (System SCOTT-E) stellten die beiden neu entwickelten Aufstiegshilfen für Gleitsegel vor. Beide Systeme unterscheiden sich deutlich von einem UL. Die Antriebseinheiten sind in ein thermiktaugliches Gurtzeug integriert. Beim E-WALK klappt den Propeller nach dem Abschalten nach hinten, der Akku ist vor dem Piloten angebracht und ist damit schwerpunktneutral. In der bereits UL-mustergeprüften Version besitzt der E-WALK einen Segmentleinen- und einen Volleinenschutz. Durch Betätigung eines Beinstreckers wird die Propellerachse und damit der Schubvektor der Pilotensitzposition nach dem Start angepasst.
Der SCOTT-E klappt den Propeller nach dem Abschalten an seiner langen Propellerwelle nach vorne und arbeitet mit einem virtuellen Käfig. Über Lagesensoren wird die Neigung von Pilot und Schirm erfasst. Der Motor soll abschalten, wenn die Leinen dem Propeller zu nahe kommen. Beide Systeme sind im Vergleich zum Verbrenner extrem leise und umweltfreundlich. Dies war auch für die Zuschauer in Bamberg beeindruckend. Kein nerviger Sound der Menschen am Boden belästigt.

In Bamberg tagten auch die Ausbildungsexperten des DHV mit Fluglehrern und Herstellern, um praxistaugliche Vorschläge zu erarbeiten. Angedacht ist eine Einweisung der Piloten durch DHV Fluglehrer mit UL-Berechtigung. Zudem wird eine gerätebezogene Einweisung erforderlich sein. Klar ist schon jetzt: Piloten, die mit einer E-Aufstiegshilfe fliegen wollen, müssen das Groundhandling ihres Schirms souverän beherrschen. Der Schirm muss immer senkrecht über dem Piloten gehalten werden. Zudem wird zu frühes Reinsetzen bei der E-Aufstiegshilfe Gleitschirm immer mit einem geschrotteten Propeller belohnt. Das kostet bares Geld.
Uli Schmottermeyer vom DHV-Vorstand machte den Wunsch des DHV deutlich, die Aufstiegshilfen für Hängegleiter und Gleitschirme in den motorlosen Flugbetrieb als weitere Startart zu integrieren. Entscheidend ist der Unterschied zum UL als Voraussetzung für eine Zustimmung der Bundes- und Landesregierungen. Der DHV wird die Vorschläge demnächst dem Verkehrsministerium vorlegen. Die Zukunft wird im Bund-Länder-Fachausschuss entschieden.