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Deutscher Hängegleiterverband e.V.

DHV

Aero 2005

Ein Bericht von Charlie Jöst

„Die ganze Welt des Fliegens“

Der Slogan dieser europaweit größten Luftfahrtmesse ist tatsächlich nicht übertrieben. Alle 2 Jahre bietet Friedrichshafen so ziemlich alles, was in der Luft fliegt und „fährt“: Vom Modellflugzeug über Ballon und Segelflugzeug bis zum 12-sitzigen  Busines-Jet.
Auch unser Sport war wieder vertreten, allerdings in bescheidenem Umfang.
Das war nicht immer so. Vor rund 15 Jahren war der beginnende Gleitschirmboom auch auf der damaligen AERO zu erkennen. Viele Gleitschirmhersteller und Flugschulen hatten in den Folgejahren diese Plattform genutzt, ihren Kunden die neuesten Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Allerdings stellte sich nicht die erhoffte Nachfrage ein. Die typischen AERO-Besucher sind zwar meist Piloten, aber überwiegend aus der allgemeinen Luftfahrt. Erschwerend kam hinzu, dass die Drachen- und Gleitschirmszene aus Kostengründen die unattraktiven, aber preiswerteren Stellplätze in abgelegenen Hallen mieten musste.
Mit dem Beginn der „INDUGA“ in Augsburg, die ihre Fortsetzung in der „Free Flight“ Garmisch fand, verschwand unser Sport fast ganz von der AERO. Dafür boomt seitdem dort das Ultraleichtfliegen, ursprünglich aus dem Drachenfliegen entstanden, und belegt mittlerweile 3 Hallen allein.


Mit dem Umzug der AERO in die neuen Messehallen am Flughafen vor 4 Jahren hat sich die Situation deutlich verbessert. Die neue Messe hat eigentlich keine unattraktiven Standflächen mehr. in den 4 Tagen zählte die Messe rund 50.000 Besucher. Die Hallenkomplexe sind offen, hell und freundlich – und sie sind nur einen Steinwurf vom Flugplatz entfernt. Ideale Voraussetzungen für eine Luftfahrtmesse!


Der Deutsche Aeroclub, abgekürzt DAeC, ist seit Anbeginn der AERO dabei und vertritt die größte Besuchergruppe: Die Hobbypiloten aus nahezu allen Sparten der allgemeinen Luftfahrt.
Der Deutsche Hängegleiterverband zählt als außerordentliches Mitglied zu der großen Familie der Luftsportler und wurde wieder mit der eigens angefertigten Theke sehr gut in den großen Messestand integriert. Mit dem Umzug in die neuen Messehallen wurde ein wesentlich attraktiverer Standort als früher gefunden. Der Besucherstrom schien nicht abzureißen.
Am Samstag wurde das Standpersonal, darunter auch drei Mitarbeiterinnen aus der DHV-Geschäftsstelle, nahezu überrannt vom Ansturm ganzer Familien. Das Wochenende gehört am Bodensee traditionell dem Messe- Familienausflug.


Die DHV-Mitarbeiterinnen (v.l.n.r.) Kathrin Metzenroth (Öffentlichkeitsarbeit), Margit Wohlrab (Mitgliederservice) und Iris Mayer (Mitgliederverwaltung) mit den letzten Exemplaren des DHV-info. Bis Sonntag Mittag hatten sie rund 2000 infos an interessierte Besucher verschenkt. Genauso reißenden Absatz fanden die DHV-Wurfgleiter. Wenn Iris die Gleiter gekonnt auf die Reise schickte standen sofort einige Kinder Schlange, um einen Drachenflieger zu ergattern.
Neben vielen DHV-Mitgliedern, die sich über die Präsenz ihres Verbandes freuten, gab es einige interessierte Laien, aber auch viele Piloten anderer Luftsportarten, die sich Informationen über unseren Sport einholten.
Zudem erreichte der DHV viele aus der Generation zukünftiger Drachen- und Gleitschirmpiloten/innen.

       


DAeC-Vizepräsidentin Isolde Wördehoff (rechts) und Astrid Gerhardt, Vize-Weltmeisterin im Gasballon, präsentierten auf der AERO die DVD „Frauen im Luftsport“. Mediendesignerin Astrid Gerhardt stellt in dieser gelungenen Video- DVD die erfolgreichen Sportlerinnen 2004 vor.
Darin auch Drachenflug-Weltmeisterin Corinna Schwiegershausen und Team, sowie Vize-Europameisterin Ewa Cieslewicz im Gleitschirm. Mit weiteren Titeln im Segelflug, Motorflug, Ballon, Fallschirm, Hubschrauber und Modellflug haben die deutschen Luftsportlerinnen im vergangenen Jahr ihre männlichen Kollegen deutlich überflügelt.

Mit einer interessanten Installation verführte Astrid Gerhardt die Besucher zu tieferen Einblicken: Folgt man der in den Öffnungen fortgeführten Schrift steckt der Betrachter zwangsläufig seinen Kopf in die Röhre. Darin befinden sich LCD-Monitore, die dem Zuschauer die jeweils dargestellte Sportart in der typischen „Sichtweise“ präsentieren. Beim Drachenflug  z. B. schaut man über den liegenden Piloten auf die darunter vorbeiziehende Landschaft.


DHV-Referent für Flugbetrieb und Gelände, Björn Klaassen (rechts), freute sich über das Gespräch mit Günter Dorn, ehemals langjähriges Mitglied der DHV-Kommission und Dozent in der DHV-Fluglehrerausbildung im Fach Luftrecht / Luftraumgliederung.
Der gelernte Fluglotse und aktive Drachen- und Gleitschirmflieger bildet seit einigen Jahren den Nachwuchs der deutschen Flugsicherung (DFS) aus. Für den DHV ist er ein wichtiger Berater bei Kontakten und Verhandlungen mit den Flugsicherungsstellen.


Airwave Markus Villinger aus Österreich war die einzige  Firma auf der Messe, die sich uneingeschränkt dem Drachen- und Gleitschirmsport gewidmet hatte. Bei einigen Drachen und Gleitschirm fliegenden Messebesuchern spürte man förmlich die Erleichterung, endlich einen Vertreter ihres Luftsports gefunden zu haben.




Manche hielten die Meldung für einen verfrühten Aprilscherz: Bei Bränden im Hochhaus stürzt sich der Angestellte mit einem Rogallo-Rettungsschirm in die Tiefe. Im Demo-Video von e-vest („e“ steht für „escape“) zeigt eine junge Frau, wie schnell das gehen kann.
Chris Geist von Airwave Villinger berichtete von guten Verkäufen im asiatischen Raum.
Die Kappe basiert auf einem geprüften Gleitschirm-Rettungssystem und sei durch die Zwangsauslösung absolut unproblematisch zu bedienen. Ein Stau-Airbag sorgt für passive Sicherheit. Empfohlen wird das Rettungsgerät für Gebäudehöhen über 40 Meter. Kosten des Systems: 1.500 EUR



Stefan und Ulli Kurrle (Independence) präsentierten auf der AERO, neben ihrem revolutionären Rettungsschirm „SevenUp“, den besonders für  Drachen- und Gleitschirm-Doppelsitzer interessanten „Annular“, der in der fünften Modellgröße bei 68qm Fläche für bis zu 250 kg Anhängelast geprüft wurde. Damit wird dieser Schirm auch für kleinere Ultraleichtflugzeuge interessant und entsprechend groß war das Interesse am Independence-Stand.


Charmante Botschafterin von der Wasserkuppe: Nina von Schweinichen fühlte sich in den ersten beiden Tagen der Messe allein unter lauter Ultraleichten.
Erst am Samstag kam Leben in die Bude. Der aufgeblasene Lenkdrachen lockte so manchen Luftsportler der motorisierten Fraktion an den Stand und zum Gespräch. Nina ist dennoch skeptisch, ob sich die Präsenz der Flugschule wirklich gelohnt hat.


Auch Uli Münzing von der Flugschule Achensee sieht mehr Kosten als Nutzen.
Allerdings könnte er sich größere Wirkung vorstellen, wenn die Szene kompakt in einer Halle auftreten würde. Da könnte man so manchen Segelflieger und UL-Piloten für das Gleitschirmfliegen begeistern, ist er überzeugt.
Die zucken noch nicht einmal, wenn er ihnen die Kosten für die Ausbildung und eine neue Ausrüstung nennt. Warum auch. Auf dem Markt der hochgezüchteten Ultraleichten gibt es kaum noch ein Modell unter 50.000 Euro.




Michael Wagner von Sky-Team ist von der AERO überzeugt. Seit vielen Jahren ist er mit seiner Karlsruher Flugschule präsent. Hier findet er alle zwei Jahre die Schüler für mehrere Kurse. Er kann seine abwesenden Kollegen nicht verstehen.
Natürlich dürfe man sich nicht einfach an den Kaffeetisch setzen und hoffen, dass sich die Schüler von alleine melden, wie er es immer wieder bei anderen erlebt hat. Aktiv geht er daher auf die Messebesucher zu, sobald sie ein gewisses Interesse zeigen.


   



Für Familie Hörburger ist die AERO ein Heimspiel. Die Flugschule ist nur wenige Kilometer von der Messe zu Hause. Die Eltern Gerlinde und Klaus sind stolz auf ihre beiden Söhne, die beide in die Fußstapfen der Eltern getreten sind. Dominik (r.) ist bereits Fluglehrer für Drachen, Gleitschirm, 3-achs, und Trike-UL. Benjamin (18 J.) ist erfolgreicher Wettkampfpilot und wird wohl auch bald seine Fluglehrerausbildung starten. Klaus Hörburger ist von Anfang an auf der Messe und wundert sich, dass so wenige Mitbewerber diese Plattform nutzen.

Etwas einsam schwebte ein Atos V über der Masse der 3-Achs-ULs. Tatsächlich findet man den konventionellen Drachen auf der AERO fast nur noch in Verbindung mit einem Motor. Entweder als wirklich leichtes System wie dem Minimum, dem Klassiker von Norbert Schwarze, oder als Trike mit deutlich nachlassender Präsenz.


Vertreter einiger Drachenflugvereine nutzten die AERO zur Suche nach einem geeigneten Schlepptrike, waren aber enttäuscht über das nachlassende Angebot zu Gunsten der 3-Achser und erschrocken über die deutlich gestiegenen Anschaffungskosten.



 

Was beim Gleitschirm- und Drachenmarkt erst vor wenigen Jahren begann ist beim Segelflug schon länger zu beobachten: Aus osteuropäischen Ländern kommen preiswerte und gute Flugzeuge, wie z. B. diese SZD Junior aus Polen.




Die  Leistungsspitze wird jedoch immer noch von deutschen Konstruktionen vorgegeben, wie dieser DG 808 für die neue 18-Meter Wettbewerbsklasse.
Gleitzahl 50 zählt hier zum Standard, und der Trend geht klar zu eigenstartfähigen Modellen mit einklappbarem Triebwerk.








Während Gleitschirme immer mal wieder ein Werbeprospekt zieren freut es einen Drachenflieger umso mehr, wenn sein Fluggerät von renommierten Firmen beachtet wird – auch wenn das verwendete Foto aus den siebziger Jahren stammen dürfte. Der DHV wird diesen Hinweis als Chance begreifen, verstärkt Medien, Firmen und Institutionen kostenlos mit aktuellem Bildmaterial zu versorgen.

Natürlich hatte die AERO noch viel mehr zu bieten als das oben beschriebene. Neben den Fluggeräten gab es jede Menge Sekundäranbieter, vom Flugspielzeug über Pilotenbedarf  und Instrumente bis zum Flugsimulator für den Heimgebrauch. Nicht zu vergessen die Flugshows am Samstag und Sonntag, die allerdings von PS-strotzenden Motormaschinen dominiert wurden.