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Deutscher Hängegleiterverband e.V.

DHV

Sicherheit beim Gleitschirm- und Drachenfliegen

Jede Luftsportart birgt Risiken in sich. Wegen der vergleichsweise niedrigen Fluggeschwindigkeiten von Gleitschirmen und Drachen sind tödliche Unfälle seltener als in anderen Luftsportarten (Segelfliegen, Motorfliegen, Ultraleichtfliegen). Weil Gleitschirme und Drachen kein schützendes Cockpit haben, wie beispielsweise Segelflugzeuge, kommt es jedoch vergleichsweise häufiger zu Unfällen mit Verletzungen.

Im Mittel der letzten 10 Jahre wurden jährlich etwa 100 Gleitschirmunfälle mit Verletzten gemeldet und durchschnittlich neun tödliche Unfälle pro Jahr. Unfälle mit Drachen sind, wegen der geringeren Anzahl der Hängegleiterpiloten, seltener, ca. 20 Unfälle mit Verletzten und durchschnittlich zwei tödliche Unfälle pro Jahr. Diese Zahlen berücksichtigen alle gemeldeten Unfälle von deutschen Piloten im In- und Ausland. Derzeit gibt es etwa 25.000-30.000 aktive Gleitschirm- und Drachenflieger in Deutschland.

In wenigen anderen Sportarten ist jedoch so viel Eigenverantwortung erforderlich wie beim Gleitschirm- und Drachenfliegen. Gerade weil das Fliegen mit Gleitschirm und Drachen so einfach und praktisch von jedermann zu erlernen ist, sind Besonnenheit und Risikobewusstsein Grundvoraussetzungen für eine sichere Ausübung dieses Sports. Leichtsinn und Selbstüberschätzung können schnell in kritische Situationen führen. Besonders wichtig ist eine sichere Einschätzung des Flugwetters. Drachen und Gleitschirme sind nicht für Flüge in turbulenten Wetterbedingungen konstruiert. Die meisten schweren Unfälle mit Gleitschirmen und Drachen haben ihre Ursache in einer Fehleinschätzung des Flugwetters durch den Piloten.

Die Fluggeräte selbst sind außerordentlich sicher. Dem Laien erscheint die Konstruktion eines Gleitschirmes mit seinen dünnen Leinen und dem leichten Segel filigran und wenig stabil. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Bei den Musterprüfungstests des DHV müssen alle Bauteile eines Gleitschirms oder Drachens mindestens der achtfachen Belastung des Normalfluges standhalten. Gegenüber den im Flugbetrieb maximal auftretenden Extrembelastungen besteht eine dreifache Sicherheitsmarge. Das ist mehr als die in der Luftfahrt übliche doppelte Belastungsreserve. Unfälle durch Materialversagen sind demzufolge beim Gleitschirm- und Drachenfliegen praktisch unbekannt.

Seit Mitte der Neunziger Jahre hat sich die Entwicklung neuer Gleitschirme und Drachen sehr stark am wachsenden Sicherheitsbedürfnis der Piloten orientiert. Dies gilt auch für die Gurtzeuge und Rettungsfallschirme. Der DHV hat durch strenge Prüfvorschriften, die für alle Gleitschirme, Drachen, Gurtzeuge und Rettungsfallschirme gelten, dafür gesorgt, dass Gleitschirm- und Drachenfliegen heute sehr sichere Flugsportarten sind. Das Flugverhalten eines Standardgleitschirms ist sehr sicher, stabil und Fehler verzeihend. Unfälle aufgrund von Störungen oder Extremflugzuständen, die durch Pilotenfehler oder starke Turbulenzen verursacht wurden, sind stark zurückgegangen. Geprüfte Rückenschutzsysteme in den Gurtzeugen haben zu einem deutlichen Rückgang der - früher sehr häufigen - schweren Wirbelverletzungen geführt. Moderne Rettungsfallschirme, Pflichtausrüstung bei allen Flügen, sorgen dafür, dass der Pilot im Falle einer extremen Notsituation sicher und im Normalfall verletzungsfrei auf dem Boden landet.

Flugsicherheit ist ein Zusammenspiel von guter Ausbildung, guter Ausrüstung, die dem Können des Piloten angepasst sein muss und besonnenem Handeln des Fliegers. Der DHV setzt seine ganze Kraft und Kompetenz ein, um die beiden ersten Voraussetzungen ständig weiter zu verbessern. In enger Zusammenarbeit mit den Flugschulen, Fliegervereinen und Herstellern ist ein hohes Sicherheitsniveau erreicht worden. Wohl auch deshalb sind Gleitschirm- und Drachenfliegen die beliebtesten Luftsportarten in Deutschland geworden.

Kontakt: sicherheit@dhv.de