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Deutscher Hängegleiterverband e.V.

DHV

Piloten Report: Die passende Berufsunfähigkeitsversicherung für Flieger

Etwas Glück im Unglück

Von: Thomas Ingerl/Diplom-Kaufmann

Weit mehr als 200.000 Deutsche verlieren Jahr für Jahr wegen ihrer angeschlagenen Gesundheit ihren Job und werden berufsunfähig. In der Praxis bedeutet dies meist den finanziellen und sozialen Absturz ganz besonders für Berufsanfänger oder den jungen Familienvater. Dagegen kann man sich mit einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung schützen, die das Flugrisiko mit abdeckt. 

Welche Berufsunfähigkeitsversicherung ist für uns Flieger geeignet? Welche Fallstricke stecken im Kleingedruckten der Verträge? Wozu brauche ich überhaupt solch eine Versicherung, die viel Geld kostet und ich doch jeden Monat in die Rentenkasse einen Batzen Euros überweise? Diese Fragen beschäftigen jeden Piloten spätestens dann, wenn er seinen verletzten Fliegerkameraden im Krankenhaus besuchen muss. Dass unsere staatliche Rentenkasse knapp bei Kasse ist, wissen wir. Schon zum 1. Januar 2001 wurden die Bedingungen der staatlichen Rentenversicherung ganz entscheidend zum Nachteil der jüngeren Versicherten geändert. Wer nach dem 1. Januar 1961 geboren wurde, erhält nur noch eine geringe Erwerbsminderungsrente ausbezahlt. Diese Rentenleistung erhalten wiederum nur diejenigen, die am Tag weniger als sechs Stunden irgendeine Tätigkeit ausüben können. Im Klartext bedeutet dies für alle jüngeren Versicherte: Der Aushilfsjob als Pförtner muss angenommen werden trotz akademischer Titel oder anderer beruflicher Qualifikationen. Der bisherige Berufsstand spielt nur für Versicherte über 40 Jahren  bei der Leistungsprüfung der Rentenanstalt noch eine Rolle. Für diese Altersgruppe ist nicht jeder neue Job zumutbar. Für Selbstständige, Studenten, Schüler, Auszubildende, aber auch Hausfrauen/-männer gilt, sie erhalten von der Rentenkasse kein Geld, wenn sie berufsunfähig werden. Über berufsständische Versorgungswerke lässt sich für Auszubildende diese Lücke zum Teil schließen.

Achtung Fallstrick: Das Flugrisiko muss mit versichert sein
Was nutzt die beste Berufsunfähigkeitsversicherung, wenn im Ernstfall nicht gezahlt wird. Die staatliche Rentenversicherung ist nur für die Erwerbsminderungsrente zuständig und bietet lediglich eine minimale Grundsicherung. Die privat abgeschlossene Berufsunfähigkeitsversicherung lässt uns mit dem Ablehnungsgrund: Bedingungsgemäßer Leistungsausschluss auf Grund des Flugrisikos im Regen stehen. Es gibt kein Geld von der Versicherung, obwohl jahrelang tüchtig Beiträge gezahlt wurden. Für uns Flieger muss das Flugrisiko bei Berufsunfähigkeit mit versichert sein, alles andere ist Augenwischerei.

Die HDI Lebensversicherung ist seit fast 30 Jahren der bewährte Vertragspartner des DHV und seiner Mitglieder. Für DHV- Mitglieder ist das Flugrisiko garantiert mitversichert.
Der Fairness halber sei vermerkt, dass auch andere Versicherungen das Flugrisiko gegen Zahlung hoher Zuschläge unter gewissen Bedingungen übernehmen. Nicht die Höhe der Prämien entscheidet aber über die Leistung, die wir von unserer Versicherung erwarten können. Die Höhe der Risikozuschläge ist nur ein Punkt. Der „gefährlichste“ Punkt ist der kleine Hinweis im Kleingedruckten, dass der Versicherte nur als Fluggast in einer Propellermaschine oder in einem Passagierflugzeug mit Jet-Antrieb versichert ist. Eine solche Versicherung ist für uns Gleitschirm- und Drachenflieger nicht ausreichend oder akzeptabel. Nicht zuletzt verlangen einige Versicherer von ihrer bisherigen Kundschaft, den sogenannten Altkunden auch inzwischen  Risikozuschläge, wenn der Kunde mit dem Drachen- oder Gleitschirmfliegen neu beginnt. An Neukunden mit einem „gefährlichen Hobby“ ist man nicht interessiert, oder schreckt sie mit hohen Risikozuschlägen ganz ab.
     
TIPP: Verlasst Euch nicht auf mündliche Zusagen von Mitarbeitern oder Agenten Eurer Versicherung zum Thema Flugrisiko von Drachen- und Gleitschirmen, Prämienzuschlag etc. Bestätigung der Absprachen nur schriftlich mit Einschreiben und Rückschein. Emails und Einschreibebriefe ohne Rückschein werden laut geltendem Recht als nicht zugestellt bewertet. 

Achtung Fallstrick: die berufliche Tätigkeit
Die berufliche Tätigkeit spielt eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, ob man nach einer schweren Krankheit, einem Unfall oder anderer Beschwerden eine Berufsunfähigkeitsrente erhält oder nicht. Schließlich ist jede Versicherung wertlos, wenn der Versicherer mit einem Hinweis auf seine Bedingungen im Ernstfall keine Leistung erbringt. Hier ein Beispiel aus der Praxis. Im Kleingedruckten der Verträge wird meist auf die Definition „maßgeblicher Beruf“ verwiesen. Ein gelernter Automechaniker, der auf einen „Zweiten Beruf“ als selbstständiger Kleintransport-Unternehmer umsteigt, ist  weder bei der staatlichen Rentenanstalt, noch bei seiner privaten Berufsunfähigkeitsversicherung abgesichert, wenn er versäumt, seiner privaten Berufsunfähigkeitsversicherung schriftlich per Einschreiben und Rückschein mitzuteilen, dass sein Beruf sich geändert hat. Die Versicherung behält sich vor, den Vertrag entsprechend zu ändern. Dies gilt für alle Versicherungen. 

Kundenfreundliche Versicherungen, wie z.B. die HDI Lebensversicherung, nehmen den derzeitigen Gesundheitszustand als Maß heran, definieren klar welcher Beruf versichert ist und entsprechend ist die Formulierung im Vertrag. Zitat: „... dass die versicherte Person außerstande sein wird, ihren zuletzt bei Eintritt des Versicherungsfalles ausgeübten Beruf- so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war- nachzugehen.“ Zitat Ende. Dass man bis zum Unfall oder Eintritt der schweren Krankheit voll berufsfähig war, wird in kundenfreundlichen  Versicherungsbedingungen präzisiert. Fachleute empfehlen deshalb folgende Formulierung im Vertrag zum jeweiligen Beruf, der derzeit ausgeübt wird: Zitat....“ der zuletzt bei Eintritt der Berufsunfähigkeit ausgeübte Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war und ausgeübt wurde.“ Zitat Ende.

TIPP: Lasst Euch auf keinen Fall auf nur einen Beruf im Vertrag festlegen. Wer heute noch nicht mit absoluter Gewissheit sagen kann, wie sein weiterer beruflicher Werdegang aussieht, sollte keine beruflichen Verweisklauseln akzeptieren.

Achtung Fallstrick: Abstrakte und konkrete Verweisung
Wer im Fall eines Falles nicht „in der Luft hängen“ möchte, sollte bei der Wahl seiner privaten Absicherung noch auf die Begriffe „Abstrakte Verweisung“ und „Konkrete Verweisung“ im Vertrag achten. Bei einer abstrakten Verweisung hat ein Versicherer das Recht, den Betroffenen unter bestimmten undefinierten Voraussetzungen (was bedeutet Ausbildung, Erfahrung, Kenntnisse, Fähigkeiten?) auf einen anderen Beruf als den bisherigen zu verweisen. Beispiel: Ein Schreinermeister kann aus gesundheitlichen Gründen seinen bisherigen Beruf nicht mehr ausüben, ist aber theoretisch noch als Verkäufer in einem Baumarkt einsetzbar. Dies hat zur Folge, dass der entsprechende Versicherer, unabhängig davon, ob der Schreiner auch eine Arbeitsstelle in einem Baumarkt findet, keine Leistung erbringen muss!

Bei der konkreten Verweisung ist eine neue und zumutbare Tätigkeit gemeint, die der Versicherte bereits aus eigenem Entschluss ausübt. Auch in diesem Fall braucht die Versicherung nicht zu bezahlen, wenn die neue Tätigkeit z.B. den "Fähigkeiten" und der "Erfahrung" entspricht. Je nachdem wie die Versicherung diese Begriffe auslegt, kann dies zu juristischen Streitigkeiten, im schlimmsten Fall zu Leistungsverweigerung führen.

Bitte lest wirklich die Bedingungen nach und vertraut nicht blind auf  mündliche Aussagen des Vertreters, dass die Versicherung keine Verweisung hat. Oft ist damit nur die abstrakte Verweisung gemeint. Konkret darf der Versicherer aber doch verweisen.

TIPP: Kundenfreundliche Versicherungsgesellschaften verzichten vollständig –d.h. abstrakt und konkret- auf die Verweisung bei Eintritt der Berufsunfähigkeit, unabhängig von Alter oder Beruf.

Wenn ein Versicherter bereits eine Leistung wegen Berufsunfähigkeit erhält, kann das Versicherungsunternehmen bei einer Nachprüfung den Betroffenen konkret auf eine neue Tätigkeit verweisen. Nach einer erfolgreichen Umschulung kann dieses Problem leicht zu Irritationen beider Seiten führen. Die Versicherung kann die Zahlungen einstellen oder aussetzen, und damit bricht vielleicht der mühsam erkämpfte Wiedereinstieg in ein neues Berufsleben in sich zusammen. Kundenfreundliche Versicherungsverträge enthalten deshalb folgende klare Kriterien für die Nachprüfung, ob noch eine Berufsunfähigkeit besteht:
Diese müssen alle zusammen zutreffen - wenn nur eines nicht zutrifft, erhält der Versicherte weiterhin Rente:
- Der Versicherte übt auf der Grundlage von nach dem Berufsunfähigkeitseintritt neu erworbenen Fähigkeiten und Kenntnissen
- einen neuen Beruf tatsächlich aus.
- Die tatsächlich ausgeübte neue berufliche Tätigkeit muss vom Versicherten gesundheitsbedingt mit über 50% auch ausgeübt werden können
- Das neue Einkommen muss mit dem im zuletzt ausgeübten Beruf vergleichbar sein.
- Eine vergleichbare soziale Wertschätzung der neuen Tätigkeit, das heißt, das Ansehen des Berufs sollte dem des bisherigen entsprechen.

TIPP: Passt hier vor allem darauf auf, dass die Nachprüfung nicht entsprechend der Erstprüfung einer Berufsunfähigkeit ablaufen darf, da dann wieder Problematik mit der Verweisung auftreten kann.