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Deutscher Hängegleiterverband e.V.

DHV

Weltmeisterschaft in Valle de Bravo / Mexiko vom 25.01 - 06.02.2009

Abschluss
Feuerwerk
Hiraki Keiko JPN, Elisa Houdry F, Anja Kroll CH
Stefan Wyss CH, Andy Aebi CH, Aljaz Valic SLV
Italien, Tschechien, Slovenien
Ehrenmedaille Helmut Eichholzer A

News of the Day

Die aktuelle Weltmeisterin nach 10 Wertungsdurchgängen kommt aus Frankreich und heißt Elisa Houdry, mit ihrem Niviuk Icepeak 3, bei den Herren gewinnt der Worldcupgewinner 2008, Andy Aebi mit Advance Omega.
Die besten deutschen Piloten auf Platz sieben sind Torsten Siegel aus Tettnang, mit UP und Platz neun erreicht Ulrich Prinz aus Stuttgart mit Gin Boomerang 6. Ewa Wisnierska aus Fürstenfeldbruck wird neunte mit Swing WRC, obwohl sie nur sechs Durchgänge mitgeflogen ist.
Bei der Nationenwertung gewinnt Tschechien vor Italien, auf Platz drei ist Slowenien.
Wir Deutschen belegen den sechsten Platz in der Gesamtwertung.
Die weiteren Platzierungen der deutschen Teilnehmer: Platz 33 für Andreas Malecki aus Münster mit Aircross U4 und Platz 39 für Oliver Rössel aus Oberstdorf mit UP Edge. Die addierte Taskdistanz  beträgt 982,3 Kilometer, das zeigt,dass der Weltmeistertitel wirklich sportlich erflogen wurde wie selten zuvor, die Aufgaben an den 10 Wettbewerbstagen lagen zwischen 74 und 114 Kilometern Länge mit durchschnittlich 4 bis 5 Stunden Flugzeit.

Eine Weltmeisterschaft mit, aus meiner Sicht, einer fähigen und guten, dennoch strikten Organisation mit vielen herausragenden Persönlichkeiten. Das fängt beim Startmarshall an, der beim Start jedem Piloten Glück und einen guten Flug wünscht und freundschaftlich auf die Schulter klopft, bis zum Auswerter, der jeden glauben lässt, er sei die beste Zeit geflogen.
Die Herzlichkeit und die Menschlichkeit aller hier beteiligten Helfer und offiziellen Mitarbeiter lässt eine familiäre Stimmung entstehen, die ich selten bei Wettbewerben erlebt habe. Vielleicht liegt es an der mexikanischen Mentalität oder am strahlend blauen Himmel, den wir jeden Morgen zu Gesicht bekommen haben und den moderaten Temperaturen in der Nacht und den warmen sommerlichen Temperaturen tagsüber, die gute Thermik entstehen lassen. 
Unser Team war bis zu letzt guter Hoffnung und bester Motivation, um am Ergebnis zu arbeiten, obwohl die Tage in Folge dann doch sehr anstrengend waren und alle froh sind, wieder nach Hause zu kommen.
Ich wünsche allen eine schöne und unfallfreie Flugsaison 2009.
Hasta luego, viele Grüße
Harry Buntz, Teamchef der Deutschen Nationalmannschaft Gleitselgeln

P.S. Alle sind am Packen, bzw sitzen bald schon im Flieger, um in den deutschen Winter zurückzukehren.

 

Hallo,
 
zwischen Landung, 4 Tacos und der Siegerehrung kurz ein paar Zeilen. Da die WM zu Ende ist, fangen wir einfach auch am Ende an. Als ich mit Urban im Endanflug bin, der gut 10km lang ist und über den See führt, funke ich Harry an. Vorher hatte mein Mexiko-Handy schon mehrmals geklingelt und das kann während des Fluges nichts Gutes bedeuten. Und in der Tat: Über Funk bekam ich die Info, dass der Task gestoppt war. Ein japanischer Pilot benötigte Hilfe und die Organisation schickte einen Hubschrauber, der die Flugroute der anderen Piloten kreuzte (soweit die Infos die ich bisher habe, genaueres weiß ich nicht). Da kein Pilot im Ziel war, wurde der Durchgang nicht gewertet. Ansonsten hätte es die Ranglisten noch mal ordentlich durchgemischt, da eine ganze Menge an Piloten im Flachland landen musste, darunter auch Stefan Wyss und Luca Donini. Die Thermik war heute alles andere als gut und eine dicke Inversion lag über Valle, so dass man nur mit viel Glück zwischen den einzelnen Blasen hin- und herspringen konnte. Zumindest freute sich das ZDF über meine Zielankunft, wobei ich mit Urban nicht so richtig glücklich war. Aber die Sicherheit der Piloten hat natürlich Vorrang und wir freuen uns nach 11 Tasks und einer ziemlich aufreibenden WM auf die Abschlussfeier und die Heimreise.
Glückwunsch an der Stelle an die Schweizer, die mit Stefan Wyss und Andi Aebi einen Doppelsieg feiern. Bei den Damen gewinnt Elisa Houdry und mit dem Tschechischen Team werden wir heute Nacht ein wenig um die Häuser ziehen. Die Feier bei ihrem letzten WM-Sieg in Australien war legendär und die Jungs lassen es sicher auch heute wieder richtig krachen.
Damit endet dann auch die Berichterstattung aus Valle. Viele Grüße vom Deutschen Team an alle, die uns unterstützt und die Daumen gedrückt haben.
Gruß
Torsten Siegel

Noch ein Interessantes Post von Ulrich Prinz, aus dem DHV-Forum,
das hier gut dazu passt.

Meine Post hier geht darum auch nicht an ihn, sondern an die anderen,
die einer Antwort wert sind. Es ist auch keine Rechtfertigung, sondern
eine Erläuterung für die Nicht-Wettkampfflieger, die sich nicht so gut
auskennen, wie ein solches Rennen überhaupt abläuft.

Das Wort "Angsthasentaktik" passt auf niemand in den Top 20 der Wertung:
Das Niveau bei der WM ist sehr hoch, und ich war erstaunt darüber, dass man
kaum einen Unterschied zum PWC festellen kann. Die schlechteren Nationen
ab Platz 100 machen keinen Unterschied, da man sie ab dem Start eh nicht mehr sieht.
Wer einigermassen Punkten will, muss von Anfang an versuchen im ersten Pulk zu bleiben, denn in diesem Gelände kann dieser sich oft weit vom 2. Pulk
absetzen.

Die Top 20 Piloten sind also wann immer sie es schaffen im FührungsPulk und
treffen ständig Entscheidungen, die "mutig" sind, und sich manchmal als
Fehler entpuppen. Wenn ich komplett anders als die anderen fliegen würde,
würde ich den Anschluss an die Schnellen verlieren und mich dann Täglich auf
Platz 60 mit den langsamen Nachzüglern wiederfinden.

Als ich oben in dem Post schrieb, dass ich manchmal absichtlich erst andere
vorraus fliegen liess, bezog ich mich hauptsächlich auf Situationen, wo ich
dem Gelände misstraute, z.B. Flachland ohne Wolke mit unklarem Wind am
Boden. Da alleine vorraus zu fliegen ist einfach nur blöd.

Wenn ich mir recht sicher bin, dass ein Fehler nur Zeit kostet, aber nicht gleich
Landen bedeutet, dann fliege ich durchaus auch mal vorraus. Meist stehen aber
andere einfach mehr im Gas, als ich überhaupt fliegen mag in unruhiger Luft,
und schieben sich vor.

Und um nach einem Fehler oder "Pech" (Wolke löst sich auf, Thermikblase ist weg)
wieder Anschluss nach vorne zu bekommen, bedarf es einer Menge Mut und
schlauer Entscheidungen, den aktuellen Pulk zu verlassen und alleine aufzuschliessen: Ein Beispiel:
Gestern war ich z.B. mit Aebi (Fuehrend), Blondeau (Europameister), Lager und
Bottegal in einem kleinen Pulk im Mittelfeld am aufholen, als diese die Entscheidung
trafen, links zu den 3 Königen zu fliegen. Ich war mir sicher, dass es rechts rum Richtung
Start schneller ist, aber es kostet eine Menge Mut, diesen Pulk von schnellen
Top-Leuten tatsächlich zu verlassen und ganz alleine diesen Umweg anzutreten.
Meine Taktik ging auf, und obwohl ich die nächsten 10km komplett alleine flog
konnte ich bis an den 1. Pulk rankommen, leider eben nur ganz unten. Diese
Gruppe flog dann ab ins Ziel als ihr Bart versiegte und ich musste halt warten bis wieder
was kam. Immerhin hat mir diese Entscheidung dann 8Min und 20 Plätze gebracht.

Auf 116Km und über 4 Stunden Flugzeit (mit Warten vor dem Start) gibt es
Zahllose Entscheidungen zu treffen: wer da immer die Vorsichtigste wählt,
wird einfach nach hinten durchgereicht.

Wir diskutieren hier täglich um Strategien und Entscheidungen - ich könnte
noch viel drüber schreiben, zB. dass Disziplin oft viel schwerer ist als Mut,
aber ich denke dieser Einblick reicht, um zu verstehen, dass bei jedem
einzelnen Task weit mehr dahinter steckt, als man aus dem Lehnstuhl heraus
zu vermuten mag.

Warum ich hier auf eine sichere Gesamtplatzierung fliege und nicht jeden Tag
ein Glücksspiel wage und auf einen sehr unwahrscheinlichen Treppchenplatz
spekuliere hat mehrere Gründe:

Zum einen wollte ich zeigen, dass ich ein verlässlicher Kandiat für das Team
wäre. Dem DHV war die Teamwertung immer schon das Wichtigste. Und bei
den Teams sieht man, dass nur konstantes Ankommen die Teams nach vorne
bringt.

Zum anderen sind mir die Platzierungen in der Weltrangliste und der
Kaderrangliste dieses Jahr wichtig, und beide beruhen auf Event-Ergebnissen.

Und zu guter letzt fühlt man sich einfach besser, wenn man jeden Tag im Ziel
steht und nicht stundenlang staubige Feldwege zur Teerstrasse latschen muss ;-)

So, nun gehts los zum letzten Task: Ich wär happy wenn ich mich in den Top 10
halten könnte, aber das wird nicht ganz leicht. We'll see....

Bis Später dann,
Ulli Prinz

Hompage des Veranstalters

Ergebnisse

Pressemitteilung 25.01.2009
Pressemitteilung 09.02.2009

Pressefotos

Bilder von Martin Scheel  AZOOM CH
   

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The Germans in Valle de Bravo / Mexico

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Torsten Siegel
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Oliver Rössel
Robert Bernat
Ulrich Prinz