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Deutscher Hängegleiterverband e.V.

DHV

Vor-WM/EM Flex/Starr Mazedonien 2015

offizielle Seite mit Ergebnissen

Ein Bericht von Weltmeister Tim Grabowski:

Nach einer super geilen German Open in Altes Lager, einer tollen Siegerehrung mit langer Partynacht und vereinzelten Tanzausfällen, wurde es Zeit Richtung Süd-Osten aufzubrechen.

Eine Woche um 5 Länder und 4 Hauptstädte zu durchqueren, alle mit ihren eigenen Kulturen, Menschen und Landschaften. Eine lange aber kurzweilige Reise. 

Zunächst durchqueren wir Tschechien - Weizenfelder soweit das Auge reicht, eine wunderschöne Hauptstadt, Badetümpe,l die der Hitze trotzen und ein Lagerfeuer in geselliger Runde wie aus dem Bilderbuch.

An dem Tag an dem wir die Slowakei und Ungarn durchqueren, entwickeln sich hammer Flugbedingungen, nur leider ist weit und breit kein Startplatz und auch kein Dragonfly in Sicht. In der Luft wäre ich wohl kaum langsamer gewesen;) Jetzt verstehe ich was Top Meteo mit super Flugwetter meint und warum diese Regionen meist rot in der Thermikkarte aufleuchten!

...die Vorfreude auf Mazedonien steigt!

Serbien überrascht uns durch die hippe Haupstadt Belgrad mit Bademöglichkeiten direkt in der City und unerwartet guten Straßenverhältnissen (zumindest auf der scheinbar immer leeren Autobahn).

Wir entscheiden uns kurzfristig für die Route durch den Kosovo. Direkt an der Grenze fahren wir an einem wunderschönen glasklaren Stausee entlang und gönnen uns endlich eine Badepause. Die Gastfreundschaft lernen wir vor allem im Nachtleben von Prishtina kennen. (Vorsicht beim Raki!!!)

Schlussendlich erreichen wir unsere Zieldestination: Mazedonien- eine beeindruckende Landschaft, super nette Leute, gigantische Natur, aber mit einem offensichtlichen Müllproblem.

Krusovo der Austragungsort derPpre WM Starr und der Pre EM Flex ist ein hübsches Bergstädtchen, dass aus der Luft noch idyllischer aussieht als vom Boden. Es gibt eine Menge netter Cafes und Bars, die am Abend sogar nicht selten Livemusik bieten. Der Startplatz ist riesig und Landeplätze gibt es im Tal so gut wie überall.

Trainigstag

Am Trainingstag war Westwind und wir lernen den Weststart auf der anderen Talseite kennen, der sehr stark an Mt. Buffalo in Australien erinnert.

Leider hat es zu viel Westwind, so dass der Task abgesagt werden muss. Ein paar Piloten entscheiden sich dennoch frei zu fliegen. Für uns, da wir etwas später ankommen ist der Wind schon zu stark. Stattdessen bietet uns der Berg eine tolle Wanderung zu dem verlassenen Kloster Treskavec im Abendlicht. (Hier hätte Jörgi seine Kamera wohl kaum vor einem Orgasmus bewahren können)

Bei der Eröffnungsfeier und anschließendem Safetybriefing erklärt uns der Meetdirector super die Gegend und zeigt uns eine sehr interessante Talwindsystemkarte.

Task 1

145,6 km Dreick für uns Starrflügler

Die Flexiblen haben über den ganzen Wettbewerb eine ähnliche Streckenführung, die sich nur in der Länge meisten um ca. 20 km unterscheidet.

Die erste Wende liegt auf der anderen Talseite, so müssen wir über einen kleinen Pass fliegen, der von einem starken Wind überspült wird. Hier ist es wichtig genügend Höhe aus den Bergen mitzunehmen. Nach dem Pass geht es das ganze Tal hinunter bis fast an die griechische Grenze. Die vorletzte Wende liegt in den Bergen hinter dem Start. Während des ganzen Task wechseln die Bedingungen immer wieder von guter Thermik und schnellem Fliegen zu schwierigen Verhältnissen mit viel Schatten und selektiven Fliegen. Man kann sehr unterschiedliche Linien wählen. Toni versucht es über die höheren Berge und muss schattenbedingt vorzeitig laden. Ich wähle den Weg durch ein Tal in die Berge und kann kurz vor der Wende in starker Thermik von weit unten wieder Höhe machen. Die einzige Möglichkeit die Aufgabe zu beenden, für die am Ende nochmal die Ebene durchquert werden muss, führt für mich über einen Umweg. Mit viel Mühe schaffe ich es als einziger Starre happy im Goal anzukommen. Landschaftlich eine unglaublich beeindruckende Aufgabe.

Task 2

Eine 94,8 km Aufgabe durchs wunderschöne und toll gezeichnete Flachland. Die Basis reicht oftmals auf bis zu 3000 m und wir können eine gigantische Aussicht genießen. Der Task hätte bei diesen Bedingungen auch größer ausfallen können, doch so entwickelt sich ein spannendes Race, bei dem man viele glückliche Gesichter im Ziel sieht. 

Task 3

Am Morgen regnet es und keiner der Piloten glaubt wirklich an eine Aufgabe, doch die Einheimischen wissen es besser und setzen ein zweites Briefing an. Um 12 setzt sich der Drachenkonvoi in Richtung Weststartplatz in Bewegung und schon um 150 Uhr startet für uns Starre zwar eine späte aber spannende 97,3 km Aufgabe mit sehr viel Wind. Die Flexis sind bei Racebeginn durch wechselnde Startbedingungen zwar noch nicht alle in der Luft, doch Jochen Zeischka kann auch mit verspätetem Start den Task der Flexiblem noch gewinnen.

Bei uns ist der Rückflug besonders schwer und den letzten Schenkel fliege ich fast ausschließlich im Hangaufwind von Hügel zu Hügel – ein Kampf. Mein Landebier bekam ich an diesem Tag knapp 10min vor dem Franzosen gereicht. 

Task 4

Zwei Wenden mit großen Radien (7 und 10 km) machen es zu einem spannenden und abwechlungreichen Task. Es ist selbst an der sonst gut funktionierenden Startridge schwierig die zerrissene Thermik sauber zu zentrieren. Im Flachland ist viel Schatten, nur einmal kann ich eine Konvergenzlinie, die über das ganze Tal reicht ausnutzen und einige Meter Vorsprung herausfliegen. Nach der letzten Wende hinter der Stadt Bitola, muss ich mit wenig Höhe in den Endanflug gehen. Bei 1:16 ins Ziel und Seitenwind glaube ich lange nicht an den Zieleinflug, da alles im Schatten liegt. Doch dann erwische ich eine gute Linie und gleite sicher ins Goal ;-).

Patrick und Toniiii liefern sich hier ein Kopf an Kopf Rennen. Diesmal kann es der Tiroler mit seinem VQ knapp für sich entscheiden. Bei den Flexiblen kommt Jochen Zeischka nochmal als Erster mit einem super coolen Looping über die Ziellinie.

Auf dem Rückweg treffen sich einige Piloten im schönen Städtchen Bitola und genießen im Trubel des abendlichen Balkan das wohlverdiente Abendessen.

Task 5 fällt aus.

Eine Kaltfront zieht übers Land.

Die Veranstalter sind spontan und feiern mit uns schon um 11 die Siegerehrung.

Zurückblickend war die PreWM Starre und PreEM Flexi in Macedonien eine tolle Veranstaltung mit vielen neuen Erfahrungen und Eindrücken, sowohl fliegerisch wie auch kulturell. Am Ende gingen zwei super glückliche Sieger hervor: bei den Flexis der Europameister von 2008, Elio Cataldi und bei den Starren freue ich mich besonders mit einer sehr konstanten Leistung bei teils schweren Bedingungen gewonnen zu haben.

Wir durften eine gute Wettbewerbsorganisation und abwechslungsreiche Tasks vor einer atemberaubenden Kulisse erleben.

Außerdem hat mir die Atmosphäre in größerer Gruppe mit den Flexis gefallen. Bei gut gestellten Aufgaben sollte das auch nächstes Jahr mit insgesammt mehr Teilnehmern auf der WM super funktionieren.

Die Vorfreude wächst!

Viele luftige Grüße

Tim

Ergebnis Starr:
1.Tim Grabowski (GER)
2. Patrick Chopard (FRA)
3. Toni Raumauf (AUT)

Ergebnis Flex:
1. Elio Cataldi (ITA)
2. Suan Seleati (ITA)
3. Balasz Ujhelyi (HUN)
21. Primoz Gricar (GER)