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Deutscher Hängegleiterverband e.V.

DHV

Vor-WM Brasilien 2016

Brasilianische Drachenflug-Meisterschaft in Brasilia

Ergebnisse sind hier: https://www.cvlb.com.br/compes/competicao-42/RESULTADOS/General/open-international.html

Vor-WM Tag 7: 67 km/h Wind am Start!

Noch einmal fuhren wir die eineinhalb Stunden raus zum Start - Wetterbedingungen sollten ähnlich wie am Vortag sein, bloss blauer und etwas stärkerer Wind. "Etwas" war etwas untertrieben, denn es hat uns fast weggepustet, als wir ankamen. Trotzdem brachte ich brav meinen Drachen zum Aufbauplatz und versuchte, mit Hilfe des französischen Teamarztes Jean-François, meinen Drachen aufzustellen. Bei dem Sturm konnte ich ihn keinen Moment aus den Augen lassen, deshalb faltete ich das Segel nach kurzer Zeit wieder zusammen. Zwei Briefings und Stunden später wurde der Tag dann endgültig abgesagt, allein der Start wäre nicht sicher gewesen.

Ein paar Brasilianer sind trotzdem geflogen und haben später von starker Turbulenz und unangenehmen Flugbedingungen berichtet. Schade, wir hätten noch einmal auf der Esplanada landen dürfen! Ich hoffe, der Organisator Betinho Schmitz nimmt diesen Tag als "Guthaben" mit ins nächste Jahr für die WM!

Ab Sonnenuntergang fand dann am Headquarter auf der Esplanada die Siegerehrung statt, für die der Boss des brasilianischen Drachen-und Gleitschirmsportverbandes ABVL, Chico Santos, extra aus Rio nach Brasilia angereist war.

Großer Applaus für das Siegerteam der Italiener - und das, obwohl sie ohne Alex und Christian, sozusagen "nur" mit ihrer B-Mannschaft hier waren... sie sind unschlagbar! Auch die Brasilianer auf Platz 2 und Australier auf dem 3. Platz haben sich ein sauberes Rennen geliefert.

Gesamtsieger wurde Jonny Durand aus Australien, sein wie er sagt bisher größter Erfolg seiner Drachenflugkarriere. Auf Platz zwei der Brasilianer Carlinhos Niemeyer aus Rio, ein Altmeister der Wettbewerbe, und auf dem dritten ein glücklicher Davide Guiducci aus Italien.

Françoise Dieuzede aus Frankreich gewann die Damenwertung, bei mir hat es diesmal, ebenso wie für Primoz, diesmal nur für den vierten Platz gereicht, den Tomas Suchanek immer liebevoll grinsend "Potato Medal" genannt hat. Also dann, trainieren wir fürs nächste Jahr, wenn es zur WM dann zwei Wochen lang wieder nach Brasilia geht!

Während ich diesen Bericht beende, sind Jörg, Tom und Tiefi schon wieder aufgebrochen zur 13stündigen Fahrt nach Rio. Primoz und ich können zum Glück ab Brasilia nach Hause fliegen.

Herzliche Grüße, ein letztes Mal aus Brasilien,

Corinna

Vor-WM Tag 6: 80km um 2 Wendepunkte

In Böen 50km/h begrüßten uns heute am Start. Trotzdem bauten wir brav unsere Drachen im Staubsturm auf, denn die Vorhersage war für nachlassende Winde. Eine optimistische 105km Aufgabe wurde gesetzt, doch schon nach kurzer Zeit war klar, dass der Start nach hinten verschoben werden musste, weil es einfach zu starkwindig war. Kurzerhand wurde die erste Wende gestrichen. Um 13.30 Uhr ließ der Wind soweit nach, dass wir tatsächlich in die Luft konnten!

Mit einem 30er Cross-Gegenwind war schon die erste Wende ein Knackpunkt. Ewig haben wir Jojo gespielt. Tom ist leider schon hier gelandet, während Jörg und ich uns weiterkämpfen konnten Richtung Brasilia. Primoz war wie immer im Führungspulk unterwegs und hat von einer Wolkenstrasse geschwärmt, unter der er mit 80-90 km/h unterwegs war. Davon konnten Jörg und ich nur träumen, während wir die Kartoffeln umgegraben haben... Knapp 10km vorm Ziel musste Jörg einlanden und hat sich dafür ein Wäldchen ausgesucht, in das er seinen Drachen geschickt eingefädelt hat!

Ich hatte endlich mehr Glück und habe mit einer weiteren Thermik tatsächlich den aufregenden Endanflug durch die Ministerien auf die Esplanada starten dürfen! Nachmittags um 17.00 Uhr, Rushhour, tausende Autos und Busse auf dem Stadtautobahnring - und mittendrin schweben wir ein! Ich war froh, dass der Wind optimal stand und ich eine perfekte Landung hinlegt. Endlich im Goal!

Unseren Tom hat es leider wieder hart gebeutelt. Nachdem erst sein Compeo beim Download der Wendepunkte abgeschossen worden war, er danach Probleme mit dem Drachen hatte, wurde er heute mit einem Nuller bestraft, weil er um 5 Meter zu hoch geflogen sein soll - einen Tracker hatte er nicht bekommen, als er ihn abholen wollte, sei keiner mit seiner Nummer mehr dagewesen.

Ich hoffe, dass wir wenigstens am letzten Tag des Bewerbes, der uns allen einiges abverlangt, einen tollen, letzten Flug haben und zusammen im Team in Brasilia einschweben werden! Primoz liegt in der Gesamtwertung nun auf Platz 4 mit guten Aussichten auf die Top 3, wir drücken ihm die Daumen!

Vor-WM Tag 5: 107km um 4 Wendepunkte

Nachdem die brasilianische Präsidentin Dilma Roussef ihre Koffer gepackt hat, steht nun uns Drachenfliegern die Esplanada, die Hauptachse Brasilias, endlich als Ziel zur Verfügung. Ein absolutes Highlight, mitten in der Hauptstadt eines Landes einen Wettbewerbsflug zu beenden!

Leider hat es auch heute wieder bei Jörg, Tom und mir mit dem Timing nicht geklappt. Jörg und ich sind kurz vor der zweiten Wende mit einem hochkarätigen Pulk von lauter Top-Ten-Fliegern im Regen gelandet. Donner und Blitz kamen auch aus einer "größeren Wolke", wie CIVL-Offizieller Mitch Shipley es ausdrückte. Es wurde allerdings nicht gestoppt, da die Wolke als umfliegbar angesehen wurde.

Wir waren eh nicht so gut positioniert, richtig hart dagegen hat es den Brasilianer Glauco Pinto erwischt, der bis dahin auf Platz 2 lag. Er ist nicht nur aus den Top 10 rausgeflogen, sondern hat sich bei seiner Rückenwindlandung im Feld überschlagen. Ich kreiste direkt darüber und war erleichtert, dass weder ihm noch dem Drachen was passiert war! Also bin ich lieber in ein etwas einladenderes Feld geflogen... Zum Glück hat Glauco den Humor nicht verloren - mein Rückholauto war total überladen, deshalb durfte ich bei ihm mit heim nach Brasilia fahren. Grinsend meinte Glauco, er hätte ein Geschenk für mich. In einer Tüte hatte er frischesten Broccoli gesammelt, den er bei der Landung abgefräst hatte ;)

Primoz flog schnell ins Ziel, ihm liegt diese Gegend! Stück für Stück arbeitet er sich auf die Top 3 vor, während wir anderen schon fast Suizidgedanken bekommen, weil es einfach nicht laufen will, obwohl wir gut zusammenarbeiten und eigentlich alles passen sollte.

Vor-WM Tag 4: abgesagt wegen Seitenwind

Wie immer wurde Briefing am Startplatz angeordnet, obwohl die Vorhersage für Seitenwind (NNO) war. Es sah dann besser aus als erwartet, also haben alle hoffnungsvoll aufgebaut, die 88km Aufgabe programmiert und sich mental auf eine eventuell längere Rückholaktion heute vorbereitet, denn eine größere Abschattung zog immer weiter in unsere Richtung.

Als ich startfertig und pflichtbewusst als "Early Bird" in meiner Startreihe stand, kam Jörg zu mir rüber und meinte, er würde heute nicht fliegen, und auch die Brasilianer diskutierten gerade über eine Absage. Der Wind kam tatsächlich 95% der Zeit stark von der Seite, und ich war erleichtert, als dann 20 Minuten später endlich abgesagt wurde. Keiner flog, alle haben zusammengebaut, und es ging diesmal am Boden zu den Wasserfällen. Ausser uns Piloten war heute niemand in der privaten Lagune. Wolfi Siess zeigte beeindruckendes Cliffdiver-Können - auch ohne Flügel macht er eine gute Figur in der Luft!

Mittlerweile ist ein neues, deutsches Teamauto am Start, da das alte Probleme mit den Reifen hatte. Es kann nur besser werden! Ab morgen dürfen wir auf der Esplanada, der Hauptachse von Brasilia, landen. Bisher war die Stadt für uns gesperrt, da viele Demonstrationen liefen wegen des Impeachment Prozesses gegen die brasilianische Präsidentin Dilma Roussef. Heute wurde sie nun abgewählt, und ab morgen hoffen wir, dass das Wetter für den aufregenden Flug in die Stadt passt!

Vor-WM Task 3: 105km um 3 Wenden

Am 3. Tag der Vor-WM sind Jörg und ich als „Early Birds“ gestartet, vor dem eigentlichen Feld. Es war stärker werdender Seitenwind am Start angesagt, also wollten wir möglichst schnell in die Luft! Zusammen mit Primoz konnten wir uns alle gut für den Start platzieren und sausten los, diesmal hauptsächlich über die Talebene.
Erst nach der zweiten Wende weit draussen im Tal gingen die Wege auseinander. Primoz nahm den direkteren Weg und erwischte ein Super-Timing, während ich die Waschmaschine-Schleudergang an den Wasserfällen ausprobierte. Jörg war zum Glück eine Etage höher. Primoz funkte uns dann aus dem Ziel zu, als Jörg und ich noch auf dem Weg zur letzten Wende waren. Wir schossen auf zwei gut aussehende Wolken zu, die leider nicht mehr funktionierten, weshalb wir eine Ewigkeit in tiefsten Tiefen herumschruppen mussten. Der Tag hat sich mal wieder zu früh abgeschaltet!
Jörg erwischte es besser gegen den starken Wind und konnte immerhin noch bis 5km zum Ziel vorfliegen, während ich an der letzten Wende, 17km vorm Ziel, landete. Zum Ziel hin versperrte mir leider ein grosser Wald und 25km/h Gegenwind den Weg.
Umso schöner war es dann später zu erfahren dass unser Primoz der Tagessieger wurde und satte 1000 Punkte für den Tag kassierte! So kann es weitergehen!

Vor-WM Task 2
104 km um 2 Wendepunkte

Mehr Wind, keine Wolken, stabilere Bedingungen - der Tag sah nicht gerade einladend aus. Noch dazu eine weitere Herausforderung: Das deutsche Teamauto hat einen Plattfuss! Da die Jungs im Hotel wohnen und ich privat bei unserer Fahrerin Claudinha, hab ich sie vorgeschickt, um den Rest vom Team mit einem anderen Auto abzuholen, während ich mich um den Reifenwechsel gekümmert habe. Mit etwas mehr Stress und Verspätung als geplant ging es dann zum Startplatz.

Für die Bedingungen erschien uns die 104 km Aufgabe recht gewagt, aber es ging ganz gut los. Leider verließ  mich heute schon zu früh die Konzentration, und ich landete weit vor der ersten Wende. Zwar auf dem Hochplateau (wenn man im Tal landet, dauert die Rückholaktion gerne mal 3 Stunden oder mehr…), aber fern der Straße. Das erste Farmhaus schien zwar bewohnt, aber außer vielen Hühnern und einem Pfau war niemand zu finden. Also weitergewandert zur nächstgelegenen Hütte - auch hier war niemand zu Hause, dafür konnte ich das Gebell schon von weitem hören. Zum Glück mag ich Hunde, so dass ich schnell einige Begleiter hatte, die mich zum dritten Haus führten, wo ich endlich auf ein Mädel mit zwei kleinen Kindern traf.

Ich erklärte ihr, dass ich oben auf dem Feld mit Drachen gelandet bin und leider keinen Handyempfang habe, aber mit meinem Rückholer telefonieren müsste. Zum Glück gab es in diesem Haus Strom und Telefon, was keine Selbstverständlichkeit in den ländlichen Gegenden ist! Alles organisiert, und mein Rückholer traf eine Viertelstunde vor Sonnenuntergang ein, um meinen Drachen und mich einzusammeln. Wenig Punkte, aber viel Abenteuer!

Leider hat es auch Jörg in der stabilen Luft nicht ganz ins Ziel geschafft, während Primoz als Tagesvierter richtig gut punkten konnte! Tagessieger wurde Pedro Garcia (Spanien) vor dem jungen Italiener Marco Laurenzi.

Ergebnisse:
https://www.cvlb.com.br/compes/competicao-43/#

Liebe Grüße von Corinna, drückt uns weiterhin die Daumen!

Brasilia Vor-WM Task 1:
109 km um 4 Wenden

Endlich sind mal Wolken am Himmel! Der Wind ist wie gewohnt stark aus östlichen Richtungen, als wir zum Startplatz, 60 km nordöstlich von Brasilia, aufbrechen. Fast alle der 98 Teilnehmer wohnen in Brasilia, so dass uns jeden Morgen eine Fahrt von ca. 1,5 Stunden bevorsteht, je nach Verkehr auch länger. Mittlerweile hat sich Team D aber schon gut organisiert und eingelebt, pünktlich um 8 Uhr geht es vom Hotel neben dem Headquarter mit Fahrerin Claudinha los.
Die Aufgabe von 109 km um 4 Wenden scheint uns optimistisch, denn die kompletten Tage hier hatten wir mit schwierigen Flugbedingungen zu kämpfen - stabile Inversionen, zerrissene Thermik und Abschattungen. Heute sollte es endlich eine Weile an das gewohnte Winterwetter Brasilias erinnern, 30 Grad im Schatten und geringste Luftfeuchtigkeit. So macht das Fliegen Spass! Auf dem Rückflug von der ersten Wende und Sprung auf die Hochebene haben wir dennoch eingebremst, denn der starke Wind schneidet gern mal alle Thermikquellen ab. Jörg, Primoz und ich haben es dennoch um die nächste Wende geschafft, aber eine Abschattung war uns schon auf den Fersen.
Leider haben wir dann alle etwas zu viel Gas gegeben, da wir das Ende der Thermikzeit schon kommen sahen, und standen ein paar Kilometer bis ganz ganz knapp (Primoz) vorm Ziel. Tagessieger wurde Jonny Durand, 26 Piloten waren insgesamt im Ziel.

Ergebnisse hier:
https://www.cvlb.com.br/compes/competicao-43/

Liebe Grüße
Corinna

5. Task Brazilian Nationals: 85 km um 5 Wenden Zickzack

Ausser dem starken Wind war der Tag leider alles andere als Zack. Mit in Böen 45 km/h blies der Wind die Startridge rauf und sorgte für einige spektakuläre Einlagen. Auch ich war vollgepumpt mit Adrenalin, nachdem ein Starthelfer meine rechte Unterverspannung nicht loslassen wollte und ich fast wieder in den Hang gedreht wäre. Dank des Starkwindcoachings meiner australischen Freunde konnte ich kühlen Kopf bewahren und bin gerade nochmal davongekommen, mit reichlich Herzklopfen.

In der Luft war es angenehm, leider war die Basis nicht besonders hoch über Grund, und es waren nur wenige Wolken unterwegs. Mit dem starken Wind konnten wir die erste Wende im Direktflug nehmen und wieder zurück an den Start rauschen, doch ab dort war Einbremsen angesagt. Ich konnte nochmal bis knapp 1.900 m aufdrehen (ca 700 m über Grund), bevor es mich auf der Hochebene abgesetzt hat, wie die meisten anderen Piloten, die es bis dorthin geschafft haben. Auf den riesigen Feldern macht der starke Wind wenigstens nicht viel Turbulenz. Eine neugierige Kuhherde kam mich besuchen, als ich fast fertig abgebaut hatte. Da der Wind am Start immer noch stetig zunahm, sind gar nicht mehr alle Piloten in die letzte Aufgabe gestartet. Am weitesten kam der Brasilianer Glauco Pinto mit 51 km, ich belegte Platz 10 der Tageswertung mit 44 km. Jonny Durand aus Australien konnte die Gesamtwertung für sich entscheiden, gefolgt von den Brasilianern Andre Wolf und Nene Rotor. Als beste Frau hab ich mich ausserdem über meinen 16. Platz in der gemischten Rangliste gefreut!

Abends wurde ein riesiges Barbecue mit Musik, Tanz und Siegerehrung im Haus eines Piloten organisiert, zu dem auch alle anderen schon angekommenen internationalen Piloten eingeladen waren! Feiern können sie, die Brasilianer :)

Morgen bin ich zu einer Pressekonferenz für die Vor-WM eingeladen, am Samstag ist auch schon Einschreibung für die Vor-WM, ab Sonntag wird geflogen. Jörg und ich werden weiterhin von Team D in Brasilien für Euch berichten!

Herzliche Grüße und „Beijinhos“
Corinna (26.08.2016)

4. Task Brasilianische Meisterschaft: 85km um 3 Wenden
Endlich das „normale“, erwartete Brasilia-Wetter: zuverlässige Thermik und ein paar Wolken in adäquater Höhe! Nach und nach treffen immer mehr Nationalteams hier ein, die Franzosen sind gestern unseren Task mitgeflogen. Mit großen Pulks ging es schnell auf der Hochebene dahin. Tom Weissenberger stand als erster im Ziel, danach eine Reihe hochmotivierter Brasilianer, für die diese Meisterschaft die letzte Qualifikation für ihr Nationalteam für die kommende WM ist!

Jonny Durand segelte als Achter über die Ziellinie und gab damit seine Gesamtführung an Nene Rotor (BRA) ab, ist ihm aber knapp auf den Fersen. Ich landete 18 Minuten nach dem Ersten und kassierte dafür immerhin noch über 700 Punkte. Jörg stand schon breit grinsend im Ziel und freute sich, dass bis auf Tom Halter „unser“ Team die Aufgabe geschafft hat.

Drei Piloten sind oberhalb der gegebenen, maximalen Luftraumgrenze von 2770m geflogen und haben dafür einen Nuller kassiert. Hier wird übrigens mit GPS-Höhe geflogen, nicht mit barographischer Höhe, daran mussten wir Europäer uns erstmal gewöhnen.

Tony Armstrong und Josh Woods (AUS) sind etwas zu ambitioniert auf die Hochebene losgezogen und standen früh am Boden, was sie sofort aus den Top 15 rausgefeuert hat. Die Leistungsdichte ist hier unheimlich hoch, wenn man einmal kurz nicht aufpasst, ist man weg vom Fenster bzw. Pulk!

Ergebnisse sind hier: https://www.cvlb.com.br/compes/competicao-42/RESULTADOS/General/open-international.html

In der Nacht gab es starke Gewitter und Regen, es hat endlich mal den roten Staub aus der Luft gewaschen! Heute sieht es wieder schön aus, es wird ein spannendes Finale!
Corinna

3. Durchgang Brasilianische Meisterschaft: 119 km über 3 Wenden

Es war schön, dass heute mit Tom Halter und Jörg Bajewski endlich auch ein paar meiner Teamkollegen oben am Startplatz waren. Sie hatten eine Höllenreise von Rio nach Brasilia hinter sich und waren froh, endlich mitsamt ihrer Ausrüstung angekommen zu sein!

Deutlich weniger Wind am Start und eine recht gute Thermikvorhersage verleiteten das Task Committee zu einer weiteren großen Aufgabe. 119 km klingt nach nicht viel, aber die Tage sind kurz, um 18.00 Uhr abends wird es stockdunkel, der Thermikofen geht meist gegen 17.00 Uhr aus.

Der Tag sollte meistens blau bleiben, und da wir keinen Wind-Dummie hatten heute, bin ich mutig als erste gestartet. Richtig rauf wollte es nicht gehen, also war ich eine ganze Weile allein in der Luft, bis ich mich wieder auf Starthöhe raufgekämpft hatte und sich ein paar weitere Piloten dazugesellten. Doch auch mit dem Warten auf das zweite Startgate um 14.00 Uhr wollte die Inversion einfach nicht verschwinden. Maximal 1500m waren drin, und das sind kaum 250m Arbeitshöhe über dem Plateau! Wir hungerten und an der Ridge entlang in immer wilderes Gelände - es sah mehr nach Bäumen als nach Wiesen aus, und zum Rückholen wäre es sicher die wahre Hölle! Ich war zwar im Führungspulk mit dabei, habe an diesem Punkt aber beschlossen, auf die Hochebene zu fliegen, direkt in Richtung Wende, und einfach dort weiter nach Thermik zu suchen. Entweder geht es weiter, oder ich lande. Es ging leider nur wenige Kilometer weiter, aber immerhin bin ich an einer Farm gelandet.

Etwa eine Stunde später landeten zwei Brasilianer und Pedro Garcia auf meinem Feld, während Jonny Durand und Olav Olssen in tiefsten Tiefen über unsere Köpfe schwebten. Ich hatte riesiges Glück, dass mich eine Rückholerin mit bis zum Treffpunkt Tankstelle mitnahm, von wo mich, Pedro und seine Freundin Claudia der Meetdirector mit nach Brasilia nahm. Auf diese Weise war ich um 20.30 „schon“ zurückgemeldet. Zweitschnellste. Der Rest meines brasilianischen Teams ist immer noch unterwegs. Zum Glück nehmen Jörg und Tom meinen Drachen morgen mit an den Start, dafür nehmen wir ihre Rückholerin mit. Ohne Improvisation wird es hier sonst zu kompliziert!

Für morgen ist zum Glück besseres Wetter angekündigt, denn heute haben alle nur mit dem Kopf geschüttelt. Sowas hätte es in Brasilia noch nie gegeben! Ich bin heute nur etwa 27 km weit geflogen, mit endlos viel Geduld, bis mir die Ideen ausgegangen sind. Ins Ziel kam niemand, es wird sicher nicht viele Punkte für den Tag geben. Hoffentlich kann ich morgen von interessanteren Heldentaten berichten!

Liebe Grüße
Corinna

Brasilia - Ankunft

30 Grad und nur 40 % Luftfeuchtigkeit. Brasilia im Winter ist angenehm, ich möchte nicht wissen, wie es hier im Sommer aussieht! Am 17. August bin ich in der Hauptstadt Brasiliens angekommen, um mit weiteren 60 Piloten vom 18.-24. August erst die brasilianische Meisterschaft zu fliegen, und danach, mit etwa 120 internationalen Piloten, die Vor-WM über acht Tage - für mich wichtiges Training für die WM im kommenden Jahr!

Am ersten Tag wurde mit knapp 60 km Länge eine relativ kleine Aufgabe gestellt, weil die Wettervorhersage nicht besonders schien. Starker Wind und schwache Thermik. War mir gerade recht, denn mit Jetlag in den Knochen müssen es nicht gleich Fünfstundenflüge sein. Während des Fluges entlang der Ridge 60 km nördlich von Brasliia und dann weiter auf der Hochebene Richtung Stadt wurde die Thermik besser als erwartet. Fast alle Piloten erreichten das Ziel. Am nächsten Tag jedoch ein kleiner Dämpfer: die Organisatoren haben das erste Mal in einem Wettbewerb hier eine Höhenrestriktion vorgegeben, allerdings ohne genau zu sagen, ob der Wert barographisch oder per GPS zu benutzen ist. Die Hälfte des Feldes, mich eingeschlossen, kassierte 0 Punkte, auch Tom Weissenberger, der sich eigentlich als Tagessieger wähnte. Viele Piloten haben Complaints und Proteste eingereicht, noch ist keine Entscheidung getroffen, aber ich nehme an, der Tag muss gestrichen werden wegen des Fehlers der Organisatoren. Zum Glück ist es noch einige Zeit hin bis zur Vor-WM!

Der zweite Tag wurde mit 109 km wesentlich ambitionierter angesetzt, obwohl der Wind eher noch stärker als am Vortag blies. Die erste Wende ca 20 km entlang der Ridge war nicht leicht - wer „unten“ aussenlanden musste, hatte eine sechsstündige Rückholaktion vor sich (und den Verdruss seines Teams). Zum Glück schaffte ich es auch wieder zurück zum Start, welcher die zweite Wende war, doch danach wusch mich der starke Wind auf der Hochebene vor der dritten Wende und nach ca 54km herunter. Den roten Staub aus dem riesigen Feld, in dem ich landete, werde ich wohl nie wieder los! Es sah ein wenig aus wie auf dem Mars. Nach und nach landeten etwa 20 weitere Piloten in „meinem“ Feld, bloss 5 Piloten erreichten das Ziel. Jonny Durand gewann mit Abstand den Tag, wie Tom ist er schon sehr oft in dieser Gegend Wettbewerb geflogen.

Am dritten Tag drehte der Wind weiter auf Nord, nur ganz kurze Phasen waren startbar. Nachdem innerhalb von einer Stunde bloss 5 Piloten in die Luft kamen, wurde der Tag gecancelt aus Sicherheitsgründen. Da die Vorhersage für Sonntag noch schlechter war, starker Rückenwind am Start und Abschirmungen mit Frontdurchzug, sind viele Piloten abends ins rege Nachtleben von Brasilia eingetaucht und geniessen nun den ersten kompletten „Rest Day“, bevor es Montag mit drei Aufgaben weitergeht.

Mittlerweile sind Jörg Bajewski und Tom Halter eingetroffen, auch Primoz sollte bald ankommen. Ich bin hier sehr freundlich von Brasilianern in ihr Team adoptiert worden und habe viel Spass und gute Unterstützung. Die Fliegerei erinnert mich landschaftlich sehr an Australien (in sehr trockenen Jahren) - riesige, rote Felder, Eukalyptusbäume und Dust Devils!

Die meisten Piloten wohnen zentral in der Stadt in der Nähe vom Headquarter, ich bin allerdings etwas ausserhalb bei meiner Freundin Claudinha im Südflügel von Brasilia untergebracht. Ein kleines Paradies mit Mangobäumen und Kolibris! Gestern habe ich bei einem kleinen Malheur im Garten einen Fussnagel komplett verloren, aber ich werde mit Kokoswasser, Mango und Pão de Queijo von ihr und ihrer Mutter wieder aufgepäppelt. Mir kam also der heutige Ruhetag gerade recht, um für morgen wieder fit zu werden!

Corinna