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Deutscher Hängegleiterverband e.V.

DHV

Vor-WM 2013 (3. - 13.07.2013)

Fotos: Jörg Bajewski, Tim Grabowski und Corinna Schwiegershausen

Task 6 - 112 km um 6 Wendepunkte - Tim gewinnt die Vor-WM

Da die Organisatoren mit einem sehr guten Tag, höherer Basis und weniger Wind rechneten, wurde als Abschluss der Vor-WM eine längere Aufgabe gesetzt. Leider war es schon am Startplatz klar, dass der Tag sehr zäh werden würde und viel Arbeit bedeutete, denn kaum einer kam zur Fensteröffnung um 14.00 Uhr überhaupt über Startplatzniveau. Tief und langsam schlichen wir weiter Richtung "Zähne", wo wir uns irgendwie durch die vielen Gleitschirmflieger mogeln mussten. Jörg hatte einen fantastischen Start erwischt und war schon bei der zweiten Wende, bevor Stefan und ich überhaupt die erste hatten. Doch nach etwa 30 km hatten wir ihn wieder eingeholt.
Nun setzten Stefan und Jörg sich ab und liessen mich grundeln, bis Tim vorbeikam. Zusammen mit ihm konnte ich den Bart des Tages auskurbeln. Es sagte abends bei der Feier, das sei die Thermik gewesen, die ihm den gewissen Vorsprung vor den anderen gegeben hätte, so dass er den Tag gewinnen konnte! Es hat mir ohnehin den Tag gerettet, als ich den adidas-Starrflügel zu mir rüberfliegen sah, mit Tim zu fliegen macht sehr viel Spass. Dass er nun eventuell sogar die Vor-WM der Starren gewonnen hat, ist eine riesige Leistung und freut mich total. Ihm scheint das Gelände besser zu liegen als mir, und ich freue mich, mit ihm einen Top-Piloten im Team zu haben nächstes Jahr bei der WM, der uns gute Tipps liefern kann!
Jörg, Stefan und ich dürften uns im Mittelfeld platziert haben, irgenwo zwischen Platz 10 und 20. Françoise hat die Vor-WM der Frauen deutlich vor mir gewonnen und sich in den Top 10 positioniert, gerne hätte ich bei den ortserfahrenen Franzosen diesmal am Funk gelauscht ;) In der French Open ist noch nicht klar, ob Luiz Rizo oder François Isoard gewonnen hat. Bis jetzt gibt es noch keine veröffentlichte Wertung vom letzten Durchgang.
Bei den Swifts hat Manfred ganz klar die Nase vorn gehabt und die Vor-WM gewonnen.
Wir müssen gleich nach Gruffy zur Siegerehrung fahren, etwa eine Stunde weg vom Headquarter in Doussard. Spätestens dort werden wir erfahren, wie der Bewerb ausgegangen ist.

Herzliche Grüße aus Annecy,
Corinna

Task 5 - Die Starren
 
Aufgrund der vorhergesagten Gewitter geht es heute auf eine 85 km große Aufgabe.
Ein Zickzack Kurs über 7 Wenden. Schon am Morgen bauen sich 2 riesige Türme  über dem Hügelland auf, die sich dann aber doch recht bald verziehen.
Lange kann ich mit Toni Raumauf das Feld anführen, bevor wir einen kleinen Umweg und viele Piloten einen etwas schnellere Route durch die Berge fliegen und so auf uns aufschließen. Walter Geppert geht tief als erstes in den 20 km langen Endanflug und gewinnt so den Tag mit 1h53min. 3 Minuten vor mir und dem Franzosen Terry Parcellier. Eine tolle schnelle Aufgabe, die aber dann leider um 16.08 Uhr wegen einem Gewitter über dem Startplatz gestoppt werden muss. Schlecht für Norbert Kirchner, der so zwar noch ins Ziel fliegt aber nur bis kurz vor das Ziel gewertet wird.
Alles in allem ein toller spannender Wettbewerb und sicher ein klasse Training für die WM nächstes Jahr. 
Viele Grüße
Tim

Task 4 - die Flexis
 
Alle Blessuren der letzten Landung konnten wieder halbwegs weggetapet werden. Corinna gab alles als Krankenschwester.
Und schon stehen wir wieder am Berg. Etwas diesiger heut und der Nordostwind soll zulegen. Piro, der Lokalhero rümpfte bereits nach Begutachtung der Aufgabe die Nase. "Tres diffizil",… und er sollte Recht behalten. Der Veranstalter hat sein Startverfahren mit einer lange Startlinie am Ostufer des Sees optimiert, waren wir doch sonst immer völlig unnötig gedrubbelt in einem Startbart gefangen.
Das Race führte uns gleich zur Gräte des Doc des Boeufs, wo es dann doch eng wurde. Diese Gräte sollte wir noch 5 Mal "genießen" dürfen. Der ganze Task hatte eigentlich recht fies gelegte Wenden. Und man musste sich so richtig auskennen. Überhaupt ist das Fluggebiet hier mächtig technisch anspruchsvoll. Nach der 1. Wende folgte gleich die ersten Abhocker, da der Roc des Boeuf die Piloten einfach aus der Thermik ausspuckte. Mich erwischte es auch fast. Laaaaanges Soaren verhalf mir wieder zur rettenden Höhe. Stefan und Corinna lösten es deutlich besser und waren bereits 6 km voraus. Stefan, leicht irritiert von seinen 3 (in Worten DREI) GPS, ging an der 3. Wende landen. Mein Weg führte in Tannenzapfenhöhe am Boeuf entlang. Muss gestehen, recht angespannt, bis es endlich am nördlichen Einschlag wieder über diese blöde Gräte ging. Corinna gab mir den rettenden Tipp, dass das Tal zur 3. Wende trägt, was meinen Absprung  vereinfachte. Wieder zurück über dem Boeuf zur 4., die man hoch anfliegen sollte, da sie mitten im Tal lag. Hier baute sich über einem Steinbruch eine Konvergenz auf, so erzählten mir die Schnellsten des Tages später. Da ich es nicht wusste, blieb es bei der harten Thermikarbeit. Der Sprung zu diesem Zeitpunkt zurück erneut an meine Lieblingsgräte entwickelte sich nun zur Schlüsselstelle des Tages. Zig Piloten, so auch Corinna, kapitulierten vor dem starken Gegenwind und landeten am Pass. Ich versuchte es erneut mit meinem Tannenzapfenritt an die rettende Nordseite der Gräte und voila… es klappte!
Ein Franzose gesellte sich zu mir und was dann kam war "easy going", der See trug, das Ufer trug, die Bergflanke trug. Alles, was sich Luft schimpfte, stieg nach oben. So war die vorletzte Wende schnell genommen. Und ein letzten Mal wurde der Boeuf-Ritt komfortabel angegangen. Kurz noch über ne erneut fies gelegte Wende gehuscht und dann in Orbithöhe ins Goal. Konnte es mir dann nicht nehmen lassen, nochmal mit den Glitschen am Startberg final zu soaren ;o) 12 Piloten im Goal und es gewinnt einmal mehr Piro Zin.
 
Gruß nach Germany, Jörg

Task 4 - 64 km um 4 Wenden, gestoppt bei den Flexis

Wieder das gleiche Spiel heute. Wir fuhren auf den Semnoz Starplatz und die Wolken schienen noch schneller in die Höhe zu schießen als gestern. Der Meteorologe und die Organisatoren waren sich aber sicher, dass auf unserem Kurs alles im grünen Bereich bleiben sollte, deswegen starteten sie trotz deutlichen Donnergrollens als erstes das Feld der Starren. Als die Flexis rausgingen, war es total abgeschattet. Einige landeten. Die meisten verweigerten am Start, denn außer dunklen Wolken war nichts zu sehen. Als kurzzeitig nochmal die Sonne durchkam, gingen Mario Alonzi, Francoise und einige andere Franzosen in die Luft und konnten sich halten.
Allerdings war das Startfenster nur noch kurze Zeit auf, also machte auch der Rest von Team D, Jörg und ich, uns startklar. Als ich an der Rampe stand, hatte ich 90 Grad Wind von der Seite. Die Sekunden tickten runter, und als der Wind schliesslich gerade raufkam und ich los wollte, liessen sie mich nicht starten und meinten, nun sei die andere Rampe dran! Wertvolle, gut startbare Sekunden verstrichen, und es war klar, dass es wieder cross war, als ich dann endlich durfte. Dem Himmel sei Dank, dass Jörg hinter mir nicht ein einziges Mal gedrängelt hat - ihm war meine Sicherheit wichtiger als seine Punkte, was ich ihm gar nicht hoch genug anrechnen kann! Trotzdem - ich hab mir selber Stress gemacht und bin viel zu unkonzentriert losgelaufen. Es war alles andere als ein toller Start, und ich hab mich sehr geärgert über die ganze Verfahrensweise.
Kaum war ich in der Luft und bin mit Françoise einige Kilometer geflogen, hörte ich eine englische Stimme auf unserem Funk die sagte, dass die Aufgabe nun gestoppt sei. Da meine Eltern diesen Funkspruch mitgehört hatten und sich darüber unterhielten, während der Teamleader der Engländer neben ihnen stand, rief dieser bei den Organisatoren an, um sich zu vergewissern, dass die Aufgabe wirklich gestoppt sei, was diese ihm bestätigten. Folglich forderte er seine Piloten zur Landung auf - nur um später zu erfahren, dass nur für Klasse 1, also die Flexis, die Aufgabe gestoppt worden war, da scheinbar über unserer ersten Wende tatsächlich ein CB stand. Er wird nun einen Protest gegen den heutigen Task der Starrflügler einreichen, da man ihm nicht die korrekten Informationen gegeben hat.
Auch wenn wir wieder keine Aufgabe geflogen haben, ist es alles andere als langweilig.
Die Swifts haben derweil ihren 4. Task mit 120 km geflogen, Manfred Ruhmer hat wahrscheinlich den Tag gewonnen. Gestern war bei ihnen die Aufgabe gecancelt worden, da es über einem Wendepunkt geregnet hat.
Corinna

Task 3 - Jörgis Sicht
 
Endlich wieder der Startberg La Forclaz, in unmittelbarer Nähe der Ziellandewiese von Doussard. Der ewige Ritt an den Ausweichberg Semnoz der letzten zwei Tage fällt wegen guter Vorhersagen aus. Zumindest so der Meteomann. Organisator Richard setzte witterungsbedingt eine 81 km Aufgabe hoch und runter des Lac d´Annecy. Und der Semnoz wurde ebenfalls mit eingepflegt. Vor uns bauten sich bereits zwei Monsterwolken auf, die aber rechtzeitig zum Startgate wieder zusammenfielen. Direkt nach dem Start erhaschte man jedoch den ersten Blick in das im Osten angrenzende Zentralmassiv. Dunkel wurde es, sehr dunkel. Aber für den Veranstalter zählte vorerst die Kurslinie und die lag im grünen Bereich.
Den Achterbahn-Rumpelbart am Col des Frettes einmal überwunden, begann auch schon das Race. Überhaupt fliegen wir hier jeden Tag im Racemodus, was bei einem Pilotenfeld von 42 OK ist. Südlich von Annecy wurde der See Richtung Semnozkette gequert. Wolken wiesen uns den Weg. Der bange Blick jedoch stets in den Osten gerichtet, was uns Dieter auch warnend durchgab. Die zweite Wende am Le Revard mit einem wunderbaren Blick auf den Lac de Bourget erweckte meine Erinnerung an die ersten Höhenflüge. Corinna und Stefan nur 2 km hinter mir. Der Führungspulk ca. 4km vor mir. Es ging retour in den Norden. Die Kette kopieren und mit der Intensität der Schwärze per Funk einen Plan B geschmiedet, wo wir alternativ landen gehen. Denn Das Goal würde es ganz sicher heut nicht mehr werden.
Stefan machte den ersten Blitz aus was Dieter auch bestätigte. Und dann endlich, "the task is stopped for all classes". Richard hat ein Einsehen. Unser Dreiertrüppchen war unterdessen auf dem Weg zur letzten Wende. Und dann wurde Plan B aktiviert, den ein Regenschauer im anvisierten Landegebiet jäh durchkreuzte. Letztendlich landeten wir völlig verstreut mit 2-3 km Abstand mehr oder minder bescheiden mit harten Abzügen in der B-Note. Wir waren uns am Ende zumindest einig, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Alle eingesammelt, wählten wir die Rücktour wir bewusst über einen Sattel, um uns mögliche Landeplätze anzusehen. Naja. Oben auf dem Sattel angekommen, lag das Headquarter in einem tiefen Schwarz. Zumindest konnte der Tag gerettet werden. Tom Weißenberger gewinnt den gestoppten Task und im Team Germany flogen die Rotweinkorken.
 
LG Jörgi

Task 3 - abgesagt wegen Überentwicklung

Es war ein ewiges Gefahre, um heute zum Startplatz "Semnoz" zu finden, denn da die Tour de France gestern "unter uns" durchfuhr, sind noch immer viele Strecken auf die Berge gesperrt. Nach 90 Minuten hatten wir aber den Gipfel erreicht - und standen über den Wolken. Rückenwind und tiefe Basis vor uns, dicke Wolken hinter uns, aber trotzdem spielten wir das Spiel mit und bauten auf. Kurz nach 14 Uhr wurde dann abgesagt. Die Basis war noch immer kaum über Start, aber der Wind kam von vorne. Man erwartete baldige Überentwicklung mit sehr starken Gewittern, deshalb riet man uns, nur kurz zu fliegen. Knackig schwarz sah der Himmel Richtung Doussard aus, am späten Nachmittag fing der Donner an. Die Vorhersage für morgen ist ähnlich, erst ab Donnerstag soll es wieder deutlich stabiler werden.

Lieber Gruss aus Frankreich,
Corinna

Task 2 - 91 km um 4 Wendepunkte

Da gestern nur wenige ins Ziel kamen und man heute mit Überentwicklung rechnete, wurde eine kürzere Aufgabe als gestern gestellt. Von Forclaz aus startete das Race wieder erst um 15.30 Uhr, damit die Starrflügel und Swifts vor uns Flexis auf Kurs gehen konnten. Die Starren hatten eine etwas längere Aufgabe, sie sollten 105km fliegen, Swifts waren auf 150km unterwegs.

Als erste Wende ging es wieder Richtung Norden bis fast nach Annecy - auf diesem Schenkel muss man hoch bleiben und darf nicht nach unten schauen, denn der Gleitschirmlandeplatz auf halber Strecke der knapp 10 km ist die einzige Möglichkeit, die halbwegs landbar aussieht. Die Basis war heute mit 1900m schon ein klein wenig höher als gestern, und Wolken haben uns den Weg gezeigt. Jörg ist im Führungspulk mit als erster um die Wende geflogen, hat sich dann für den Direktflug zur zweiten entschieden. Ich hab etwas länger gebraucht und bin den Franzosen gefolgt, die auf halbem Weg zur Wende Richtung Klippen abgebogen sind, wo die schönen Wolken standen und uns wieder hochgebeamt haben. 

Jörg hatte fast eine Begegnung der dritten Art mit einem Segelflieger, der mitten in unsere Pulks gestochen ist und den er formatfüllend vor seiner Sonnenbrille hatte. Leider hat es Jörg nach der zweiten Wende nicht mehr raufgeschafft, sondern musste im Flachland östlich von Annecy landen gehen.

Nach der zweiten Wende sind manche ganz verwegen über den See Richtung Westen gequert, im Geradeausflug an einer Ridge entlang, an der es doch öfter mal richtig turbulent wurde, weshalb ich mich wieder für etwas mehr Höhe entschied. Auch nach der dritten Wende ganz im Westen wollte ich lieber etwas höher unterwegs sein, denn nach meiner Landung in hügeligem Gelände mit bis zu 30 km/h Böen wollte ich heute auf JEDEN Fall ins Ziel segeln und auf der schönen, flachen, großen Wiese mit fettem Windsack landen... Außerdem war Annecy wegen der Tour de France, die wohl heute hier durch ging, komplett gesperrt, so dass die Rückholer einen riesigen Umweg hätten fahren müssen. 

Zum Glück hat es gereicht, und unsere Starrflügelpiloten haben für die Top-Zeiten des Tages gesorgt: Tim Grabowski wurde 2., Norbert Kirchner 3., alle von Team D im Ziel! Auch Stefan Boller kam ein paar Minuten nach mir ins Ziel gesegelt. Francoise dürfte die schnellste Zeit bei den Frauen gehabt haben, ich wurde 2 - allerdings sind wir auch nur insgesamt 7 Frauen im ganzen Wettbewerb. 

Heute blieb es komplett trocken hier, für morgen rechnen die Organisatoren mit früherer Überentwicklung, weshalb sie uns wahrscheinlich auf den Startplatz Semnoz schicken werden, aber das wird erst morgen früh um 9 Uhr im Briefing entschieden. Ich hoffe, dass auch bald die Ergebnisse online gestellt werden, bisher hingen nur Listen aus.

Corinna

Task 1

24 Jahre ist es her, zu Zeiten ihrer wilden Fliegerjugend, als Jörg und Stefan hier über dem Lac d`Annecy die Luft durchstiessen, noch ohne voneinander zu wissen. Und mächtig stolz waren sie, wenn sie es schafften sich nur eine Berglänge vom Col de la Forclaz zu entfernen...
...Nun sind wir zurückgekommen, zu zeigen was wir in den Jahrzehnten gelernt haben, zurück um - vielleicht - eine zweite Berglänge weiter zu kommen.

Voller Neugier darauf wie sich Annecy nun anfühlen mag, können wir es auch um sieben Uhr Abends nicht lassen noch schnell von der Rampe aus für zwei Stunden in die Erinnerungen aus alten Tagen zu springen.

Der Ernst des Wettbewerbs
Schluss mit den alten verwunschenen Zeiten. Wir befinden uns auf einem gut besetztem Wettbewerb mit vier Wettbewerbsklassen. Es gilt zwar heut nur 124 km zu bewältigen, jedoch in Gegenden und an Bergflanken an die wir vor 24 Jahren uns nicht im entferntesten hinzuträumen wagten.
Nach dem Start um 15:30, bei noch mäßigen Bedingungen ging es nach 7 km auf einen langen Schenkel gen Südwesten, als gleich den See querend. Bei einer Fortbewegungsart teils soarend teils kreisend, erschien die nächste Wende weit entfernt, denn jede Soaringkette hat einmal ein Ende. Entgegenkommende Starrflügler bewiesen jedoch die Machbarkeit des Weges. Der Roc de Poyez, endlich ein richtiger Berg und richtige Thermik. Corinna als erste von uns drei deutschen Funkfreunden, weist uns dort angekommen, den Weg. Jörg hatte sich leider beim Startgate sportlich verpokert und musste nachzügeln. Nun waren wir aber wieder alle zusammen, bald endlich zusammen an der Wolke auf knapp 2000 m.
Die Wende, der eine Kette östlich liegende Morbie ist nun wohl zu schaffen aber wie nur kommt man von diesem wieder zurück? Doch der befürchtete Gegenwind und die dazugehörigen Lees waren sehr verhalten. Zur Schlüsselstelle werden jedoch dann für viele Piloten ein paar niedere Hügel an denen sich auch unser Dreiertrupp trennen muss: Ich muss Corinna zuschauen wie sie nur einen Halbkreis von mir entfernt den Thermikfaden verliert und kurz darauf mit einer ganzen Reihe von Starrflüglern die nächste noch landbare Wiese ansteueren muss. Und Jörg verrennt sich ein wenig später in der nun schon bekannten Soaringkante. Vom Kurs gen Nordosten zur nächsten auf der wieder anderen Seeseite gelegenen nächsten Wende abweichend, mache ich nicht nur aus Sentimentalität sondern auch der Breite des Sees geschuldet einen kurzen Abstecher über den traditionellen Startplatz. über die Zähne (Dents de Lanfon) geht es dann aber stracks auf die beeindruckende Wand des Tete du Parmelan zu. Die Kante übersteigend, zeigt sich ein atemberaubendes Bild: Die lange Felsmauer ist der Abbruch eines riesigen zerklüfteten steinernen Plateaus, in der östlichen Ferne bauen sich Wolkentürme auf durch die jedoch noch das gewaltige Massiv des Mont Blanc hindurchsticht. Und so expressiv wie die Landschaft ist auch die Thermik. Da hieß es die Wende schnell genommen und wieder weg hier. Jörg gelang das besser als mir, der ich mich nocheinmal durchschütteln lies, und so war er wieder bei mir um die nun dritte und letzte Seequerung zu bahnen. Wieder geht es nach Südwesten zur Soaringkette, um dicht bei jener noch schnell die letzte Wende zu nehmen, das Ziel am See dabei schon fest im Auge. Aber dieses nun scheinbar leichte Spiel will uns nicht mehr gelingen, den die Kette will uns nicht mehr bis dort hintragen. Jörg und ich kapitulieren um zumindest das Überfliegen der Ziellinie auch ohne die letzte Wende auszukosten. Aber: Wir sind bestimmt zehn mal weiter geflogen als bei unserem letzten Flug Jahrzehnte zuvor. Und aber noch wichtiger: Wir haben diesen Lac d`Annecy Flug mindestens genauso genossen wie damals.

Stefan