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Deutscher Hängegleiterverband e.V.

DHV

Italien Open (5.- 12. Juli 2015) Pfalzen

Ergebnisse

Video von Lukas Bader

Fotos: Jörg Bajewski und Corinna Schwiegershausen

 

1. Tag: 203 km

Obwohl das italienische Weltmeisterteam deutliche Heimvorteile beim Fliegen in den Dolomiten hat - Alex Ploner, Karl Reichegger und Anton Moroder kennen ihre Hausstrecken wie ihre Westentasche - sorgte der Österreicher Seppi Salvenmoser gleich im ersten Durchgang für eine Überraschung. Nach dem 203 km Dreieck, das uns kreuz und quer durch die kompletten Dolomiten führte, raste Seppi als erster über die Ziellinie, vor dem amtierenden Weltmeister Christian Ciech und Alex Ploner! Bester Deutscher war Roland Wöhrle auf Platz 7, gefolgt von Gerd Dönhuber auf Rang 10 und Lukas Bader auf dem 13. Platz. Ein guter Start, und eine Strecke voller Naturwunder! Mir stand vor Staunen über die riesigen Felsmassive nur noch der Mund offen, so dass ich nach 6 Stunden Flug wegen Dehydrierung erschöpft und mit rasenden Kopfschmerzen, aber überglücklich in Pfalzen gelandet bin. Die eindrucksvollen Bilder von diesen riesigen Klötzen werde ich nie vergessen!
Corinna

2. Tag: 120 km
Der zweite Tag führte uns über 120 km nach Falzarego, zur Plose, nach Toblach und wieder ins Ziel nach Pfalzen. Mit schwächerer Thermik und stärkerem Wind gab es einige schwierige Stellen auf dem Flug, jedoch nicht für Christian Ciech. Mit einer unglaublichen Schnittgeschwindigkeit von 50 km/h holte er sich den Tagessieg! Gerd punktete als bester unseres Teams auf dem 11. Platz, gefolgt von Roland auf dem 14., mir auf dem 16., Jörg auf 18 und Lukas auf 19. Kurz nach mir landete auch meine starke, russische Konkurrentin und Nummer zwei der aktuellen Frauen-Weltrangliste, Sasha Serebrennikova, im Ziel ein. Mit der Weltmeisterin aus Japan, Yoko Isomoto, und Claudia Mejia aus Kolumbien sind hier vier der fünf Top-Drachenfliegerinnen im Wettbewerb dabei, also sehr starke Konkurrenz! Meine Streckenerfahrung aus Greifenburg endete meistens schon im Antholzer Tal, also war die Gegend zwischen Staller Sattel, Fassatal, Cortina und Sterzing für mich genauso Neuland wie für die anderen Mädels.
Eingeschüchtert von den engen Tälern mit wenigen Aussenlandemöglichkeiten, beendete Yoko ihren Flug am ersten Tag in 2000m Höhe mit einer Landung auf der Seiser Alm und erreichte auch im zweiten Durchgang nicht das Ziel. Gestern jedoch war endlich der Bann gebrochen und sie stand nach mehr als fünf Stunden Flugzeit überglücklich in Pfalzen!
Corinna

3. Tag: 140 km
Obwohl schwache, spät einsetzende Thermik und Überentwicklung angekündigt war, wurde eine 140 km Aufgabe um den Staller Sattel und Ridnaun gesetzt. Ausser Alex und Christian ist auch unser Lukas im Task-Kommittee, und ich muss ein Kompliment machen - besser und sicherer hätte man die Aufgabe für einen Tag wie gestern kaum gestalten können! Während südlich von uns in den Dolomiten ein Riesenamboss stand, sind wir unter schönsten Wolken mit Basis auf bis zu 3800 m dahingeschossen. Mit unglaublichen 56,8km/h Schnittgeschindigkeit holte sich Alex Ploner den Tagessieg, dicht gefolgt von Christian und Seppi.
Mit Gerd bin ich einen Grossteil der Strecke zusammengeflogen, wodurch auch ich recht schnell unterwegs war. Auf dem Rückweg Richtung Ziel sammelten wir dann noch Roland auf, auch Semmo war schnell unterwegs. Erst 25km vorm Ziel machte ich meinen üblichen Fehler - Sicherheitshöhe tanken für den Endanflug! Klar, mit dem schönen Rückenwind kam ich 400m über dem Ziel an, während Gerd und Roland 5 Minuten schneller waren. Hier muss ich unbedingt noch von meinen Kollegen lernen, mit mehr Selbstvertrauen zu fliegen! Trotzdem waren die 45,5km/h Schnitt mein persönlicher Geschwindigkeitsrekord auf einem geschlossenen Dreieck, und wir feierten zusammen einen weiteren coolen Tag im Ziel.
Corinna

4. Tag: Gewitter
Nach 10 Stunden Flugzeit in drei Tagen tut ein Ruhetag gut, von daher kam uns allen (bis auf Gerd, der ist so fit wie wir alle zusammen nicht!) eine Gewitterfront gelegen. Ausserdem bedeutet das endlich Zeit, um für Euch Fotos und Live-Berichte zu schreiben, denn vorher waren die Tage einfach zu lang - schon um 8.15 geht es jeden Morgen mit der Gondel auf den Kronplatz! Für die kommenden drei Tage sieht das Wetter wieder genial aus, also bleibt gespannt, wie es weitergeht, wir berichten!
Corinna

5. Tag
Nach langen Diskussionen und Verschiebungen der Startzeit wurde beschlossen, den Tag aus Sicherheitsgründen abzusagen. Wind in 4000m wurde mit bis zu 40 Knoten vorhergesagt, die Wolken zogen zerrissen über unsere Köpfe, und die meisten Piloten waren froh, nicht in den Wettbewerb starten zu müssen. Etwa die Hälfte flog zum Landeplatz, wo die meisten Landungen nicht gerade sanft aussahen… die andere Hälfte zog es vor, die Drachen oben in der Bahn einzulagern. Die Zusammenarbeit mit der Kronplatzbahn ist hervorragend, extra für die Meisterschaft wird schon um 8.15 Uhr gestartet, um alle Drachen rechtzeitig raufzubringen!
Corinna

Tag 6: 109km um 4 Wenden

Blauer Himmel und weniger Wind, allerdings immer noch etwa 25km/h Gegenwind auf manchen Schenkeln um Plose, Seceda, Plax und Rodeneck stellten viele von uns auf eine Geduldsprobe. Die Basis ging nur bis 3100m maximal, also wurden manche Querungen recht nervenaufreibend. Lukas kennt durch seine langjährige Flugschultätigkeit das Gelände um Nauders natürlich sehr gut, aber für viele war dieser Task komplettes Neuland. Nachdem Alex mit einer kleinen Gruppe direkt zur ersten Wende fliegen konnte, war ich froh, mit Roland, Gerd und Achim einige sehr gute „Wingmen“ dabei zu haben, um die Blauthermik zu finden.
Wir hangelten uns von Fels zu Wendepunkt und konnten am Ende sogar fast mit Jörg aufschliessen, der an der letzten Wende auf Thermik warten musste. Diese setzte pünktlich für den Rest von uns ein, so dass wir geschlossen und glücklich im Ziel standen.
Christian Ciech gewann den Tag und baute seinen Vorsprung in der Gesamtwertung aus, Davide Guiducci und Organisator Karl Reichegger folgten.
Viele Grüße
Corinna

Round up und Tag 7: 139km um 5 Wenden

Der letzte Tag einer großen Meisterschaft ist immer am spannendsten - wie wird das Wetter, was für eine Aufgabe wird gestellt? Da am Samstagabend die Siegerehrung der internationalen Dolomiti Open geplant war, dachten wir alle an eine kleinere Aufgabe eher im Pustertal. Pustekuchen! Roland analysierte die spärlichen Wolken und meinte zu mir, eine Aufgabe im Haupttal würde ihm heute völlig reichen, denn die spärlichen Wolken sähen nicht sehr vielversprechend aus. Als der Erfahrenste in unserem Team legen wir anderen sehr großen Wert auf Rolands Einschätzungen, denn meistens hat er Recht.
Florian Gostner, der Wettbewerbs-Meteo-Mann, klang sehr viel optimistischer als Roland - hohe Basis, gute Thermik, wenig Wind, so dass zu unserem Erstaunen eine grosse 139km Aufgabe gesetzt wurde, mit dem weitesten Wendepunkt an der Seiser Alm - Rückholzeit fast zwei Stunden (one way), falls man dort landen müsste! Startzeit erst um 14 Uhr, also ein langer Tag… Kaum war ich in der Luft, war klar, dass Alptherm leider Recht hatte. Das Steigen war nur durchschnittlich und sehr versetzt, es waren einige Scherungen und immer noch viel Wind mit dabei. Bis zur Falzarego-Wende ging es recht gut, aber danach wurde es gegen den starken WNW-Wind schwierig, zur zweiten Wende vorzufliegen, auch weil einige „Täler ohne Wiederkehr“ auf unserem Weg lagen, mit eher anspruchsvollen Lande- und noch anspruchsvolleren Rückholmöglichkeiten. Irgendwie schaffte ich es über Umwege, mich zur nächsten Wende zu hangeln, wo ich den Führungspulk traf. Leider verlor ich den Anschluss, denn es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis mir dort mal wieder eine Thermik wenigstens soviel Höhe verschaffte, dass ich tief ins Tal fliegen konnte, um halb soarend Wolkenanschluss zu finden. Karl Reichegger meinte am Abend, dass die Seiser Alm bekannt sei für die leider sehr stabile Luft, die wir dort vorfanden.
Immerhin konnte ich mich wieder auf 3000m hochschaffen und mich an Felsklötzen vorbei ins Alta Badia Tal vorsoaren. Es war schon spät, und eigentlich wäre ich am liebsten einfach nur zurück nach Pfalzen geflogen, doch ich bin komplett an der Felswand des St. Kassian-Tales abgeprallt und musste nach 5 Stunden Flugzeit an der dritten Wende, dem Landeplatz von St. Kassian, landen.
Roland und Gerd hatten es wesentlich besser erwischt und konnten mit dem Führungspulk zumindest wieder ins Pustertal springen, ihnen fehlten nur noch 14km bis ins Ziel. Achim, Jörg und Konrad waren schon viel früher in der Ecke gelandet, wo ich Stunden später stand, so dass ich sie leider erst erreichte, als sie schon wieder in Pfalzen waren. Um 21.15 Uhr kam ich recht gestresst gerade noch rechtzeitig zur Siegerehrung am Headquarter an.
Alex Ploner gewann den Tag, und ausser ihm kamen lediglich Christian Ciech, Karl Reichegger und Günther Pfanzelter im Ziel an - deutlich zu erkennen, dass es DER Tag für die Lokal-Matadore war! Karl und Alex konnten sich dadurch auf Platz 3 und 2 vorarbeiten in der Gesamtwertung, und Christian Ciech wurde mit deutlichem Vorsprung italienischer Meister. Gerd verbesserte sich auf Platz 5 und Roland auf den 6. Rang. Ich habe mich gefreut, mit knapp 1000 Punkten Vorsprung die Frauenwertung gewinnen zu können vor der Weltranglisten-Zweiten Alexandra Serebrennikova (25.) und der aktuellen Weltmeisterin Yoko Isomoto (28.).

Weitere Platzierungen unseres Teams:

15. Corinna Schwiegershausen
18. Lukas Bader
20. Georg Schweier
22. Jörg Bajewski
26. Achim Vollmer
32. Konrad Schwab
33. Thomas Halter
46. Carsten Friedrichs

 

 

Bildergallerie