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Deutscher Hängegleiterverband e.V.

DHV
Die Trophäen
über der Insel
Vulkanthermik
Die besten Piloten
Semo, Jonas und Jörg - die Germans
Briefing
Aufbauen der Drachen
Jörg über der Insel
kleines aber feines Lanzarote
the Window is open...
Sonnenuntergang über den Vulkanen
Semo mitten über Lanzarote
Am Startplatz
über der Famaraklippe

Canarian Open - Lanzarote 2016

Lanzarote 04. – 10. Dezember 2016
Open de Canarias 2016

offizielle Webseite

Ergebnisse


Task 1 - Famara
 
Gleich am ersten Wettkampftag durften wir die Klippen von Famara fliegen, laut Piloten, die seit Jahren auf die Insel kommen, etwas sehr Besonderes. Gestartet wurde vom niedrigen Startplatz, welcher sich am südlichen Ende der Bergkette befindet, der sog. Engländerhügel. Das Rennen begann ein paar Kilometer weiter nördlich, wo die Hügel bereits etwas höher sind. Wegen der niedrigen über dem Hang kondensierenden Wolken war die Basis durch Aufsoaren rasch erreicht und der Großteil der Piloten befand sich in einer guten Startposition. Das nun beginnende Spektakel war sicher auch vom Boden interessant anzusehen: Mit dem Beginn der Zeitmessung formierte sich ein Geschwader von Drachen zunächst in Richtung Startplatz, hinter dem sich die erste Wende befand, dann entlang der gesamten Kette ohne Kreisen nach Norden bis zum Mirador del Rio, die zweite Wende. Allen voran flogen die Profis mit Geschwindigkeiten am Limit der Gerätezulassung nur wenige Meter von den ins Meer abfallenden Felsen entfernt. Von der Nordspitze Lanzarotes ging es wieder zurück zum Start, dann über das kleine Surferdorf Caleta de Famara ins Flachland, wo sich das Ziel neben San Bartolome befand. Und dort änderte sich die Fliegerei schlagartig. Von Rennmodus im starken Hangaufwind musste nun auf kleinste-aufsteigende-Luftmassen-mitnehmen Modus umgestellt werden. Letztendlich war die Thermikqualität zum Ziel hin jedoch zu schlecht, als dass es jemand fliegend dort hin geschafft hätte. Die meisten landeten auf der kleinen Graspiste wenige Kilometer vor San Bartolome, wo die Organisatoren dann gleich ihr Zelt zum GPS auslesen aufbauten. Am weitesten schaffte es Christian Pollet, Jörg, Georg und ich konnten im vorderen Feld mitfliegen und viele Punkte für den ersten Tag sammeln.
Jonas

Task 2 -4 Risco de Famara, Mala, Asomada

Das war schon mal ein gelungener Beginn der 20. Canarias Open, gleich mal am Risco de Famara entlang zu heizen und nur durch einen Regenschauer ausgebremst zu werden. Für Montag prognostizierte man gar noch eine Steigerung? Nein, leider irrten die Modellrechnungen und die Basis stieg nicht über 400m NN, so dass wir einen Regen- und Nebeltag am oberen Famara-Start verbringen durften - was die Laune unter den 60 Teilnehmern jedoch nicht im geringsten trübte. Nachdem Juaki in Absprache mit dem Safety den Task cancelte, wurde jedes Nebelfenster mit halbwegs freier Sicht in die Ebene bejubelt und vom ein oder anderen zum Flug an den Famarastrand genutzt. Der Wind sollte auf Nordost drehen, was Mala, der Staudamm bedeuten würde. Eine vollständig geschlossene Wolkendecke mit eingelagertem Nieselregen empfing die Compgemeinde in Mala. Erste Freiflieger stiegen im dynamischen, leicht leeigen Aufwindband auf ca. 600mNN. Keine besondere Arbeitshöhe, um ein Ziel in Richtung San Bartolome auszuschreiben. Eher aus Verlegenheit setzte das Tasksetting eine 11-Wendepunkt-Aufgabe mit großzügigen Radien, die sich hauptsächlich im vorgelagerten Talkessel abspielen sollte. Als Ziel wurde Arrieta-Strand zwischen zwei Fußballtoren auserkoren. Allein die Eingaben der zig Wendepunkte galt schon als erste Herausforderung und nicht wenige bemalten kunstvoll die Basis mit der korrekten Kursreihenfolge als Gedankenstütze. Eine erste Gruppe von 10 Piloten versuchte ihr Glück und es wurde eng, sehr eng. Die höhere Flanke warf gar ein Lee und ließ gleich zu Beginn die ersten Locals im 90m tieferen Landeplatz einschweben. Ein klitzekleines Sonnenloch lockte anschließend 20 Piloten an den Start, so auch mich und es erwies sich eher als großer Fehler, weil das Lee dadurch noch stärker wurde. In wenigen Minuten befanden wir uns alle in einem wirren Durcheinander auf Startplatz-Niveau. Hangregeln waren zum fliegerischen „Überleben“ ad hoc ausgesetzt. Und da ich in 20 Jahren eigentlich auch noch fliegen möchte, gab ich einigen Hang-Hardlinern nach und setzte zur Landung an. Hier war ich mit gut 30 Piloten in guter Gesellschaft. Jonas, der sich das bunte Treiben eine lange Zeit am Boden ansah, hatte nun freien Luftraum und absolvierte fast die gesamte Aufgabe mühelos. Von 8 Goalies erreicht Semo als Letzter den Strand. Beeindruckend, dass das heute bei nahezu Vollbedeckung gelang. 

Der nächste Tag ergab wettermäßig kaum eine Veränderung. Ich beschloss vor dem Briefing erst einmal ein Stündchen zu fliegen, um mich an die mauen Thermikbedingungen für den „Ernstfall“ zu gewöhnen. 700m NN, nicht schlecht, mit etwas kribbeliger Toplandung neben das wartende Starterfeld. Doch die Basis sank unerwartet zurück auf 600m. Dennoch, das Ziel San Bartolome wurde anvisiert - vorab natürlich das Zickzack-Wendepunkt-Spielchen rund um Arrieta. Das gelang heut deutlich besser, trotz Wolkendecke, wenn man denn zum Anflug der Wenden stets die Maximalhöhe erreicht hatte. War man zu ungeduldig - so wie ich -, war der Rückflug zum Aufwind spendenden Hang schon mal sehr ernüchternd. Die gemeinsame Ladewiese lockte auch heute und man prahlte mit der Anzahl der erreichten Wenden, wie bei einem Quartett-Spiel. Leider heute keine Goalies, da die Basis dann doch mindestens 200 m zu niedrig war. Trotzdem, alle gut gelaunt und die ersten Wetterapp-Infos deuteten erneut auf einen Startplatzwechsel hin. La Asomada - DER Südostwind-Hügel. Eine extrem stabile Wetterlage empfing uns am Rande der Fuegos. Der knapp 25km-Task wurde sogleich an die Busscheibe gehängt, wo alle dichtgedrängt Juaki abwechselnd auf spanisch sowie auf englisch lauschten. Der Starkwind kam schon deutlich von rechts und warf auch hier ein kleines Lee, was die Startvorgänger verzögerte. Einmal in der Luft ging der Ritt erst so richtig los. Sehr turbulente Phasen verhinderten das sonst hier so gesicherte Aufsoaren. Einer nach dem anderen wurde vom Hügel ausgespuckt und sah sich Minuten später nur mit einer Wende im Goal wieder. Nur Christian Poulet und Tom Weißenberger hatten sich irgendwie dem bockigen Hügel widersetzt und schlossen den Task. Respekt! Der Flugtag zollte jedoch auch seinen Tribut. Hardewich und der japanische Kollege flogen zu spät vom Hang raus zur Ladewiese und crashten. Der Japaner landete gar mitten auf dem Verkehrskreisel und tuschierte dabei eine Laterne, was zum Gerätebruch führte. Bis auf Hardewich ´s ausgekugelte Elle gab es keine weiteren Blessuren.Zumindest schien heut wunderbar die Sonne und man baute im T-Shirt und Flipflops die Drachen ab. 

Für den Folgetag war eine noch stärkerer SO-Wind vorhergesagt. Ein 60er Wind in Asomada ließ die Drachen auf dem Dach verweilen. „The day is cancelled“. Es sei denn, man kennt eine tiefer gelegene Drachen-Startmöglichkeit. Diese war in Playa Quemada bei den Gleitschirmen an der Küste schnell ausfindig gemacht. Vier Norweger und 1 Germane waren so bekloppt und trugen ihre Drachen auf einen nahegelegenen Hügel und genossen knapp 2 Stunden die Abendthermik an der Küste. Knoblauchgarnelen zum Sonnenuntergang im gemütlichen Küstenrestaurant waren da ein Muss. Ich liebe Lanzarote! Hasta la Proxima!  
Jorge

Eine Zusammenfassung von Georg Schweier:
Tja, was schreibt man über die 20.Open Canarias. Da sollte doch eigentlich schon alles mal geschrieben worden sein....Bis ich mich entschlossen hatte, auf Lanzarote zu fliegen, hatte ich mir gedacht: Warum soll ich den Aufwand auf mich nehmen, auf einen schwarzen Steinhaufen zu reisen, um dort Drachen zu fliegen? Im Winter soaren, das kann ich in Schrattenbach auch. Das war meine Sichtweise, bevor ich mich doch entschieden habe, am Wettbewerb in Lanzarote teilzunehmen. Mein Fazit: Nicht nur Fliegen ist super in Lanzarote. Lass dich auf die Insel ein, geh Wandern, Biken, Wellenreiten, Kulturprogramm, egal was, und du wirst einfach begeistert sein. Aber nun zum heutigen Task:

Eigentlich waren die Ergebnisse vor dem letzten Task schon so gut wie fix. Tom Weissenberger lag mit 1811 (91 Punkten) Vorsprung vor Christian Pollet (1720Pkt)  klar vorne, dicht gefolgt von Jose Antonio Abollado( 1714 Pkt). So war es eigentlich für Tom, der auf einen extrem hohen Niveau fliegt, eigentlich nur eine Pflichtaufgabe, den Sieg heim zu bringen. Am Schluss- weit gefehlt- die Ergebnisse wurden nochmal richtig durchgemischt. Überhaupt waren die Punkteabstände zu den weiteren Plätzen minimal, zum Teil zwischen 1-10 Punkten,  was insgesamt auch für die Dichte des Teilnehmerfeldes als auch für die fairen Wettbewerbsbedingungen spricht.

Nach zwei mageren Tagen in La Asomada macht der Tag schon auf der Fahrt zum Startplatz einen richtig guten Eindruck, strahlend blauer Himmel, relativ wenig Wind, es schaut nach einem perfekten Tag aus. Die verlässliche, morgendliche Wetterprognose von Juaki, dem Wettbewerbsleiter, unterstreicht die persönliche Wahrnehmung. Ansage: 15-20 km/h Wind, 1-2m Steigen, 700 m Basis- absinkend auf 60 m am Nachmittag bestätigen den Eindruck. Am Start in La Asomada angekommen- erst mal grübeln??  Stimmt die Vorhersage  und die eigene Wahrnehmung wirklich mit den tatsächlichen Verhältnissen überein? Bei den Piloten, die bereits aufbauen, presst der Wind mit 35-45 km/h auf die Segel, so dass das Aufbauen des Drachens wirklich die schwierigste Aufgabe des Tages sein sollte. Gegen 12:15 Uhr wird beim Briefing die Aufgabe über 37 km und 8 Wenden bekannt gegeben- Cat´s Cradle über 8 Wp´s an der Kante und ca. 10 km Endanflug ins Goal. Hört sich nicht nach viel an - man bedenke - es ist Dezember. Die Flugbedingungen an dem letzten Task sind wirklich genial und fair für alle Teilnehmer. Vom Start weg geht es verlässlich hoch und es ist eine Frage des Könnens, wie hoch man abfliegt! Natürlich sind wieder mal ein paar ein paar Piloten höher als ich. Egal, ich fliege mit Jörg und "Wuff" (Wolfgang Brunner) zeitgleich los. Vor uns ist mit ca. 30-60 Sekunden Abstand  der Führungspulk mit ca. 4-7 Piloten, wir sind nicht schlecht dabei und ergänzen uns gut. Nach der 3. Wende versucht Jörg eine bessere Spur über die Hügel im Flachen was sich im Nachhinein als die langsamere Spur herausstellt. Ich fliege mit Wuff weiter zur 5. Wende, irgendwann verlier ich ihn aus den Augen. Im Ziel stellt sich leider heraus, dass er vor der 6 Wende tief zurück geflogen ist und vorzeitig am Hauptlandeplatz eingeschwebt ist.  Auch Tom steht nach dieser Wende schon fast am Boden. Ich flog nach NW an die kleinen Hügel bei dem Kreisel nach Femes und habe dort die nötigen Meter fürs Weiterfliegen gemacht, ansonsten hätte ich die Aufgabe auch nicht geschafft.

Viele Piloten haben die Hügel nicht wahrgenommen und sind auf dem direkten Weg zurück zum Startplatz, das hat viele den Task gekostet. Beim Anflug an die vorletzte Wende flieg ich im Geradeausflug in mässiges Steigen, nutze dies, und drehe auf ca. 750 m auf- dies sichert mir schon fast das Goal.

Auf dem Weg zum Ziel treffe ich immer wieder auf Jonas Blecher, der wieder richtig Gas gibt. Es freut mich, weil wir schon den ganzen Wettbewerb punktemäßig ganz eng zusammen liegen, und Jonas ein super motivierter, junger und talentierter Pilot ist. Wir fliegen zusammen zur letzten Wende Richtung Playa Quemada, ein grandioser Ausblick über´s Meer und die Steilküste zum Playa Papagaio. Im Endanflug nehme ich Ihm noch ein paar Sekunden ab, weil ich die bessere Abflughöhe habe. Im Goal stehen schon ca. 10-12 Drachen, aber nur wenige davon haben die Aufgabe geschafft. Von Juaki erfahren wir dann, dass ich als vierter und Jonas mit der fünfbesten Zeit direkt nach dem dreier Führungspulk gut dabei sind. Jonas muss Platz 5 aufgrund der Leadingpoints an Atulfo abgeben und landet auf Platz 6. Dass es auch besser geht zeigen uns die Zeiten der drei Führenden, wir sind 14 min langsamer.  Dann fragen wir uns, wo bleit Tom? Seppi erzählt uns, dass Tom zur drittletzten Wende zu tief weiter geflogen ist und  auf dem Rückweg einparken musste. 27 Minuten nach uns segelt er dann zusammen mit Jörg ins Ziel. Der Fehler kostet Tom Platz 1 und verweist Ihn in der Gesamtwertung auf den 4. Platz, was seine Laune nicht gerade hebt.  Ansonsten ist super Stimmung am Landeplatz, alle sind happy, daß wir am letzten Tag so tolle Flugbedingungen hatten. Bei angesetzten 7 Tagen Wettbewerb sind wir 5 Durchgänge von 3 verschiedenen Starplätzen geflogen, wobei der 4 DG in La Asomada aufgrund der Bedingungen einfach nicht für alle machbar war, weil es nicht über den Startplatz ging. Herausragend war natürlich der DG in Famara- mit 80-90 km/h über sie Steilküste am Meer entlang.  Ich lasse den Tag am Playa Quemada mit einem ausgiebigen Bad im Meer und an der Strandbar bei einen „Carachillo“, dem obligatorischen Cerveza und frischem Meeresfisch mit mocho und papas arrugadas bei genialem Sonnenuntergang ausklingen.  Zur Siegerehrung geht’s um 20:30 Uhr nach Haria in das örtliche Kommunalzentrum. Nach der Preisverleihung wir auch hier noch einmal super leckere kanarische Küche aufgetischt. Die Stimmung ist ausgesprochen gut und ausgelassen, alle freuen sich über den supertollen, letzten Flugtag. Besser kann ein Wettbewerb nicht zu Ende gehen.  Einen ganz besonderen Dank möchte ich an die Organisatoren Gustavo, Benito die Helfer und vor allem dem Wettbewerbsleiter Juaki aussprechen, der bei der Siegerehrung schon fast mit stehenden Ovationen auf die Bühne geleitet wurde. Das spricht für sich! Die Jungs machen einen hervorragenden Job, die Aufgaben sind super ortskundig und machbar gelegt. Vor allem aber sind alle super freundlich und hilfsbereit und haben jederzeit ein offenes Ohr für alle Piloten. Das ist mit ein Grund, warum es so viel Spaß macht in Lanzarote zu fliegen.

Semo          

Wertung Klasse 1- offene Meisterschaft turmlose Drachen 

1. Jose Antonio Abollado  ESP
2. Seppi Salvenmoser AUT
3.     Christian Pollet FRA
4. Tom Weissenberger AUT
5. Jonas Blecher GER 
6. Ataulfo J. Fernandez ESP
7. Georg Schweier GER
15.    Jörg Bajewski GER 

Wertung Klasse 5- offene Meisterschaft Starre 

1. Juan Antonio Molina Vera ESP
2. Carlos Punet ESP
3. Alex Bokalic AUT
4. Martin Ackermann GER
5. Sven Mühlberg GER