X
Deutscher Hängegleiterverband e.V.

DHV

Liga 2017

Vier sonnige Tage bei den Hessischen

Ergebnisse Flex 1-8
Ergebnisse Starr 1-8


Jede Serie hat mal ein Ende, auch die des schlechten Wetters bei der Hessischen Landesmeisterschaft. Viermal hatten wir sie bei  Regen erlebt, dafür gab es jetzt 4 Sonnentage mit viel Thermik, aber auch viel Wind. Wieder stellte die Liga den Hauptteil der Drachenpiloten, aber in diesem Jahr bei deutlich stärkerer internationaler Konkurrenz. Der Brasilianer David Laghi (mit Red-Bull-Aufkleber!) und fast die gesamte tschechische Nationalmannschaft hängten die Vergleichslatte ganz hoch. Umso besser für uns!
Der Männertagswind war aber zu stark für Normalos. Windfried wollte es dennoch im Gailtal fliegerisch probieren, die Ligamannschaft dagegen war rasch für eine Wanderung zu gewinnen, zumal Frauen zugelassen waren. Wir wollten von der Radlberger Alm zum Stagor wandern. Leider versperrte uns schon auf 1200m ein Schlagbaum den Weg, also weiter hinauf zu Fuß. Der Kammweg mit herrlicher Aussicht auf Tauern und  Karawanken lohnte die Anstrengung. Glasklare Sicht, Enzianwiesen, Bänke zum Ausruhen, ein Drachen turnte einsam über dem Stagor. Der Ligachef verteilte einen am Vortag vorsorglich gekauften Strauß Nelken, wir gedachten unseres hier vor 2 Monaten abgestürzten Fliegerkameraden Thomas Link.

Am Freitag wollten wir es dann aber wissen. Noch Nordwind, aber schwächer, fliegbar! Ein vorsichtig im Windschatten abgesteckter Ritsch-Ratsch von moderater Länge wurde erwartungsgemäß von fast allen Piloten geschafft. Bei den Flexis deklassierten uns die Tschechen, sechs von ihnen auf den ersten sieben Plätzen! Aber dann schon unser Oliver Salevski auf dem 8. Platz. Die Starren hatten 5 km weiter zu fliegen und flogen 1 km/h langsamer als Dan Vynhalik, der Sieger bei den Flexis. Reinhold Bernhard konnte mit seinem 4. Platz gut mithalten.

Am Samstag immer noch Nordwind, wieder etwas schwächer. Die Kreuzeckrunde war uns deshalb zu heikel, also flaches Dreieck bis hinter Sillian und dann zur Windischen Höhe, 188 km für die Starren, 158  km für die Flexis. Persönliche Rekorde lagen in der Luft. Die sollten aber erst einmal erflogen werden.  Etliche Talquerungen enthielt das Programm. Je nach Risikobereitschaft zum Hochstein queren direkt von Anna-Schutz oder den sichereren Weg über das Zettersfeld? Nach der Wende den kürzeren Weg übers berüchtigte Lesachtal nehmen oder das Pustertal entlang wieder zurück fliegen? Es ging hoch hinauf, fast bis auf 4000 m, gigantische Rundumsicht in der klaren Luft, der Großglockner prangte in blendendem Weiß. Ich umrundete die Lienzer Dolomiten, war flott unterwegs und sah dann die zweite Wende doch nur von der Wiese aus. Der Nordwind spülte nicht nur mich runter ins Gailtal. Dann waren aber doch 6 Ligapiloten glücklich im Ziel, die meisten anderen hatten einen wunderschönen Flug gehabt. Abends gab es reichlich Bier und ein üppiges Buffet, und zum Schwatzen am Feuer hatten wir ja genug Gesprächsstoff erflogen.

Am Sonntag standen Siegerehrung und Heimreise auf dem Programm, aber erst mal Streckenfliegen. „Zum Ziel über Sender Egg reicht die Startplatzhöhe von der Emberger Alm aus“, erklärte der Ligachef seinen Schützlingen den letzten Wendepunkt. Davor gesetzt war ein Zick-Zack im Drautal mit Latschur als vorletztem WP. Die Starren flogen ein leicht gestretchtes Programm. Bilderbuchwolken, es ging wieder gut hoch und folglich voran. Der Abstecher zum Reißkofel (neu eingeführter Wendepunkt) wurde von den zahlreichen Zielfliegern gelobt. Meine Freunde grinsten mich an, als ich gestehen musste, die letzte Wende, den Sender Egg, schlicht vergessen zu haben. Oldie Karl Bloder tröstete mich mit Worten, Bernhard mit Lande-Radler.

Zur Siegerehrung durften ernste Worte nicht fehlen, es gab einige Vorfälle, missglückte Landungen, einen Zusammenstoß mit einem Gleitschirm. Andi verdiente sich den Fairnesspreis für uneigennütziges Helfen. Die Ligapiloten schlugen sich ordentlich im harten Vergleich. Die Starren belegten zwar nicht die ersten vier Plätze, dafür jedoch die zweiten vier. Bei den Flexis waren es die zweiten zehn Platzierungen. Dann wurden noch viele Preise verteilt, jeder bekam eine Urkunde und Grünes Licht für die Heimreise. In zwei Wochen am Loser!

Konrad Lüders

 
Volle Wertung!
Drachenliga mit Wetterglück in Greifenburg 29.04.-01.05.

Gesamtwertung Flex
Gesamtwertung Starr


Man ist gut beraten, den Meteorologen bei der Wetterbeurteilung großen Spielraum einzuräumen. 27 Ligapiloten vertrauten der optimistischeren Prognose des Teamchefs und reisten durch strömenden Regen und Schneegestöber nach Greifenburg. Der Samstagmorgen sieht das Fliegercamp in Nebel gehüllt. Die Wetterfrösche haben inzwischen die Thermikprognosen runter geschraubt auf BBB, also schwach. Bei den Basishöhen unterbieten sie sich gegenseitig mit Werten deutlich unter 2000m. Das stimmt erst einmal, wie wir auf dem verschneiten Aufbauplatz feststellen. Die Minustemperaturen stimmen auch und der Thermiktreff ist bis auf die Toiletten geschlossen. Nix mit Kaffee, Kuchen, Gulaschsuppe,…
Die Drachen werden aufgestellt, wir haben Platz, die Liga ist unter sich. Dann lichtet sich die Wolkendecke, ein blaues Loch nährt Hoffnungen. Ein Ping-Pong-Task wird gesetzt zwischen Radlberger und Weneberger Alm. Endlich gibt es gegen 15 Uhr plötzlich blauen Himmel, Thermik, Startbedingungen. Drei Stunden später sind alle wieder unten am Landeplatz, durchgefroren, aber mit strahlenden Gesichtern.
Die Thermikprognose für Sonntag: BBC, also kaum nutzbar für Streckenflüge. Wir machen uns nichts draus und chartern wieder den Dünhofen-Bus. Die übliche Warterei auf blauen Himmel währt nicht so lange wie am Vortage, den Ritsch-Ratsch-Task drehen wir um. In der Luft geht es richtig zur Sache, von wegen schwache Thermik. Der lebhafte SO-Wind sorgt für Turbulenz und ruppige Leethermik. Dann wieder mühsam gegen den Wind vorkämpfen. Die letzte Wende Weißenseebrücke ist keine so große Hürde wie gedacht, die Basis hält sich nicht an die Prognosen und rutscht 500m höher als geplant.
Abends gibt es Debriefing. Andi kämpft mit den Tücken der Software. Nach oben gibt es hier noch Spielraum. Beim nächsten Treffen geht das sicherlich besser.
Eine Kaltfront war für den 1.Mai angesagt. Wir räumen uns wieder großen Interpretationsspielraum ein und werden für unseren Mut belohnt. 3 Stunden Thermik, Windwerte im erträglichen Bereich, gute Startbedingungen, wieder eine Wertung mit vielen Piloten im Ziel.
Die Gesamtwertung bietet Überraschungen: Joachim Waibel hat glänzende Augen erstmals  als Leader der Flexi nach 5 Durchgängen. Unser Nachwuchs Christof Knatz baut seinen guten Ruf vom Vorjahr auf, als Turmdrachenpilot derzeit auf dem zweiten Ligaplatz! Bei den Starren sind die Abstände an der Spitze gering: Thomas Paulik sind Andreas Kimmich und Reinhold Bernhard auf den Fersen.
In 10 Tagen treffen wir uns schon wieder.
Konrad Lüders
 


Bitterer Start in den Frühling

Ergebnisse

Flex
Starr


Mit Rekordbeteiligung von 43 angemeldeten Teilnehmern startete die Drachenliga in die neue Saison. Zum ersten Treffen am letzten Märztag waren zwar Campingplatz wie Thermiktreff geschlossen, aber das Business funzt, Tageskarten konnten wir  kaufen und die Auffahrt mit dem großen Bus klappte auch prima. Einen Windsack sponserten wir aus eigenen Mitteln, zu große Ansprüche an Service durften wir noch nicht stellen. Immerhin gehörte uns dann der Aufbauplatz auf der Emberger Alm allein. Wind und Wetter gut, eine Strecke war schnell gestrickt, kleine Maschen für den Anfang, wir wollen uns ja vorsichtig rein üben. Also ritsch-ratsch zwischen Höfer-Alm und Radlberger Alm. Erstmalig hatten wir Livetracking mit „Airtribune“ vereinbart. Etwa 20 Piloten hatten die Apps auf ihre Smartphones geladen und waren neugierig auf das Ergebnis. Aber zunächst mussten die gut 70 km abgeflogen werden. Das schafften fast alle und beim gemeinsamen Abendessen beim Leitner schauten wir gespannt auf den Monitor. Nichts zu sehen außer der Aufgabe, kein einziger Track! Frank ist für Livetrack zuständig und begann sich zu kümmern, derweil der Ligachef die Auswertung besorgte. Thomas Paulik schaffte die Strecke in 59 km/h als schnellster Starrflügelpilot, Herrmann Wolterhof wurde bester Flexi-Flieger.

Zum 1.April ist man auf einen Scherz gefasst. Die Windwerte waren aber nicht zum Lachen. Zwar blies es aus Süden, aber doch sehr lebhaft. Der Windsack neben der Rampe stand wie eine Eins, und zwei Starthelfer/innen waren ständig im Einsatz, die Piloten sicher in die Luft zu begleiten. Wir hatten die Aufgabe sorgfältig geplant. Außenlandungen sollten tunlichst vermieden werden, 90 Minuten zwischen Stagor und Scharnik, wer schafft in dieser Zeit die meisten Kilometer? In der Luft war es aber nicht so turbulent wie zunächst befürchtet. Natürlich hatten am Ende die Starren wieder die Nase vorn.
Ein Pilot berichtete mir, dass er seinen Partner nicht erreichen kann. Thomas Link fehlte noch. Dringende Anfrage an alle Piloten. Bis 18 Uhr letzte Landung, bis 19 Uhr letzte Rückmeldung, das war jetzt! Wir meldeten die Situation der Polizei, es wurde sofort eine Suchaktion eingeleitet. Handyortung, ein Hubschrauber mit Infrafrotkamera suchte die Gegend ab, am nächsten Tag wieder Suche mit Helikopter, ergebnislos. Statt Freude am Fliegen jetzt tiefe Sorge um unseren Fliegerkameraden. Spät abends findet ihn der Helikopter in der Nähe der Wende vor der Radlberger Alm. Thomas hat den Absturz nicht überlebt. Wir erfahren es am nächsten Morgen aus Zeitungsberichten und sind erschüttert. Auf der Nordseite des Felsgrates ist er mutmaßlich in Leeturbulenzen geraten und dort abgestürzt. Das wird untersucht werden, aber Thomas lebt nicht mehr. Furchtbar ist das für seine Familie, der unser tiefes Mitgefühl gilt.

Konrad Lüders