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Deutscher Hängegleiterverband e.V.

DHV

Liga 2016

Fliegen mit den Weltmeistern
Die Liga bei den Austrian Open 8.-10.Juli in Sillian

Endwertung Liga 2016

„…mir zu heikel, ich komme nicht!“  Eckards Absage schlug ein, denn er hatte das Fahrzeug und die anderen nur die Fluglust. „Wind, ja ja, am Freitag schwappt der West etwas über den Kamm, Gewitter, ja ja, aber erst Sonntagnachmittag, vielleicht. Du hast bestimmt 2-3 schöne Flüge!“ Eckard ließ sich überzeugen, dem Ligachef fiel ein Stein vom Herzen. Für unsere Starren hatten wir eine Extrawurst gebraten bekommen von den Sillianern, sie dürfen zur AO am Rande mitfliegen, wenn sie selber auf den Berg auffahren, und einzig Eckard hatte das Fahrzeug dazu. Eckard wurde entschädigt, er bekam nämlich alles, was ich ihm versprochen hatte. Im Einzelnen:
Wir treffen uns am Donnerstag abend am Landeplatz. Eckard’s Hightech-Fahrzeug wird ausgiebig bestaunt und für den Drachentransport vorbereitet. Anschließend kucken wir das Deutschlandspiel vor Eckard’s Camper. Andreas benötigt gefühlte 10 SMS und 10 telefonische Anweisungen von Moritz, Alfred, Thomas und Eckard, wo sich der Landeplatz befindet. Pünktlich zum Schlusspfiff trudelt Andreas sichtlich genervt per Fahrrad ein.

Am Freitag kommen Eckard und sein Fahrzeug-Rückholer Harry voll auf ihre Geländefahrzeug-Kosten und dürfen die schlechten Straßen genießen. Nach spannender Auffahrt bauen gut 50 Piloten ihre Drachen auf dem Thurntaler auf. 3000m Basis, leichter Nordwind, 77 km Race: Toblach – Lienz-LP, die Starren dürfen zuerst raus, dann die Flexis, es geht um Sortenreinheit. Unterwegs zupft es doch hie und da etwas am Flügel, turbulent, aber fliegbar. Sonderbar, auf dem zweiten Schenkel trifft man kaum einen Drachen an. Thomas Paulik  und Andreas Kimmich liefern sich ein heißes Rennen. Im Ziel erfahren sie: „Task gecancelt!“ Also als Trainingsflug abhaken.

Tags darauf wird das Rennen scharf gemacht und die Strecke von gestern etwas aufgebohrt: Taisten –Hochstein – LP über 80km. Sportliche Bedingungen, Basis auf 3200m. Alex Ploner schafft die Strecke in 1:39 h, unsere Leader Alfred und Thomas brauchen auf ihren Atossen eine Viertelstunde mehr. Andi Beeker kommt als 8ter ins Ziel, Christof Knatz lässt 20 Turmlose hinter sich. Christoph Beer hat großen Respekt vor den Wenden, macht weit vor den Zylindern kehrt und landet doch vor dem Ziel. Zum Trost gibt es zum Abend das Sozialprogramm mit Bier und Grillwurst.

Das Sonntagswetter passt nicht zum tristen Alptherm-grau der Thermikbalken. Himmel blau, die Cumuli locken und verwirren die Tasksetter. Sie riskieren eine große Aufgabe bis zum Gitschberg über 130km  mit wohlweislich einer Startzeit, also ein echtes Race. Wer ist eher am Ziel, die Piloten oder die Gewitter? Schneller als erhofft türmen sich die Wolkenberge. Noch bevor der Task gestoppt wird, haben sich die umsichtigen Piloten schon eine Landewiese ausgesucht, z.B. den LP in Pfalzen. Böse Zungen behaupten allerdings, sie wären schlicht und einfach abgesoffen. Christof Knatz kämpft sich doch noch durch bis zur Wende und fliegt dann über den Startplatz Pfalzen weiter Richtung 2. Wende, ohne das Treiben auf dem LP nebenan in Sichtweite entsprechend auszudeuten. Christian kämpft verbissen um jeden Kilometer und gleitet ab Richtung Osten. Christoph Beer landet kurz darauf neben ihm und beide haben ihre liebe Mühe, bei den einsetzenden Böen ihre Drachen zu bändigen. Thomas bricht wegen Regen ab und erreicht den Landeplatz bei Sillian zeitgleich mit Manfred Ruhmer, der die ganze Strecke geschafft hat. Andreas Kimmich will eine Gewitterwolke umfliegen(!), brettert durch Hagel und Regen und segelt übers Defereggental ins Iseltal zum Landen. Auf die Frage "wo bist Du?“ kam nur ein "ich weiß es nicht! Der Pfeil zur zweiten Wende zeigt Richtung Westen, dann muss ich wohl im Osten sein." Viel Stoff zum Überdenken!
Zuletzt noch Abendessen und ein gemeinsames Bier beim Wirt. Vielen Dank den Organisatoren der Austrian Open, schöner Wettbewerb, Supergelände, super nette Leute. Wir kommen gerne mal wieder nach Sillian. Zur nächsten Liga frühestens, denn das war heuer unser letzter Durchgang.
Sieger der Liga 2016 ist mit großem Vorsprung Thomas Paulik vor Alfred Mayer und Andreas Kimmich (alle Atos). Bei den Turmdrachen siegt Christof Knatz, bester Turmloser wird Andi Beeker.

Thomas Paulik/Konrad Lüders



Die Drachenliga am Kandel

Zwischenwertung

Der Uhr-alte Hahn im Straßburger Münster krächzte heiser und erinnerte mich stark an das Quaken der Wetterfrösche, die uns mit ihren Fehlprognosen täglich foppten. Immerhin lagen sie für den Samstag mit Regen und Wind nicht ganz falsch. Nach kurzer Abstimmung hatte sich die Liga-Mehrheit für einen Ausflug in die Hauptstadt des Elsass entschieden. Wir schlenderten durch die Gässchen der Innenstadt, schipperten eine Runde auf der Ill ums Zentrum und ertrugen geduldig Andreas‘ Erklärungen zu seinem gestrigen Flug. Er hatte nämlich die Strecke nicht geschafft, vor der Wende zu wenig aufgetankt, dann nichts mehr gefunden, wie das eben so ist. Immerhin eine schöne Landung, man freut sich auch über Kleinigkeiten.
Dass es am Freitag schwer sein würde, hatten uns schon am Morgen die Wolken verkündet, die es für unseren Verwendungszweck deutlich zu eilig hatten. Tags zuvor war die Vorhersage noch deutlich moderater gewesen.  Lokalmatador (und Liga-Fan) Roland Wöhrle bot sich als Vorflieger an und schaukelte uns etwas vor, dann per Funk: „Es ist noch zu viel Wind, kein Hochkommen!“ Etwas später schien der Wind dann doch nachzulassen und, nachdem die Aufgabe mehrfach abgeschnitzt wurde, konnte gestartet werden zum 31km-Ritsch-Ratsch, Elztal hoch und wieder runter. Schwaches Steigen, wenig Höhe, viel Wind, ein Tag für die Starrflügler. Viele schafften die Wende, Thomas Paulik segelte nach einer knappen Stunde ins Ziel. Von den Flexis beknabberte lediglich unser Youngster Christof Knatz den Rand des Mindeststreckenzylinders. Dank VW-T5 des Vereins waren die Außengelandeten schnell wieder eingesammelt. Morgen Wetter schlecht, am Abend spielt Deutschland und am Sonntag Wetter gut bis sehr gut, so die Prognosen. Die ersten beiden Punkte wurden programmgemäß abgearbeitet, dann kam die Ernüchterung.
„Wir werden wohl gar keine Thermik haben, und der Wind ist auch stark“, meinte am Sonntagmorgen Frank Frankus mit Blick auf sein Smartphone. In der labilen Kaltluft bildeten sich früh Cumuli, die leider alsbald ausbreiteten und abschatteten. Ligachef: “Starten, solange noch vertikale Dynamik in der Luft ist!“ Roland war schon lange unterwegs, die Liga-Piloten verbummelten wieder zu viel Zeit vor dem Starten. Folglich wurde das Thermik-Ende schneller erreicht als das Ziel, und alle 17 Liga-Piloten standen wieder auf einer der Elztal- Wiesen. Erwartungsgemäß kamen die Starren am weitesten, vornan wieder Thomas Paulik. Christof Knatz flog auf seinem MastR wieder den Turmlosen weg und arbeitet sich in der Gesamtwertung beharrlich nach vorn auf den derzeit 5.Platz. Unangefochten führt nach inzwischen 11 Liga-Durchgängen Thomas Paulik vor Alfred Mayer und Andreas Kimmich (alle Atos).
Schon am kommenden Wochenende ist wieder Liga-Treffen. Zu unseren letzten Durchgängen in dieser Saison starten wir international, und zwar bei der Austrian Open in Sillian.
Konrad Lüders


Ligatreffen in Pfalzen
In Pollendust und Pusteblumenwolke

Liga Ergebnis 1- 9

Zu Fronleichnam hieß es: „Wetter gut, auf nach  Pfalzen!“ Der Bauer hatte einen Aufbaustreifen und den Anlauf gemäht und wollte gar kein Startgeld. „Das habe ich mit Karl geregelt“, meinte er und lachte. Uns lachte die Sonne, also eine mutige Aufgabe gestellt: Toblach – Sterzing – Pfalzen über 100 km. Seitenwind! Ich steckte ein Fähnchen vor die Rampe. „Wenn das auf Euch zeigt, sind es < 30°, dann ist es startbar“, definierte ich die Startbedingung. Das klappte ganz gut, nur der Nachschub an Piloten stockte zu oft. Nicht alle schafften die Startzeit optimal. Dafür saugten die Wolken mit vollen Backen nicht nur die Pollen in dichten Schwaden aus den Kiefernwäldern, sondern auch uns nach oben. Nach Toblach und zurück ging es im Schnellflug und fast ohne Kreis. Dann breiteten die Wolken aus und aus war es mit der Thermik. Nur drei Starre und Lokal Karl Reichegger waren schneller als die Schatten und schafften die ganze Strecke. Die anderen kniffen vor der Talquerung zum in Dunkel gehüllten Gitschberg. Tagessieger wurde erstmal Andreas Kimmich in 2:12:10h, Alfred Mayer nur 30 Sekunden dahinter.

Stärkerer  Westwind und stärkere Gewittergefahr, so die Aussichten für den Freitag. Ja, der Wind war stärker, zerpflückte die Thermikblasen, mein Windfähnchen stand meist auf 90°. Ein Gleitschirmflieger stand erst eine Weile in der Luft, dann duellierte er sich regelrecht mit einem Greifvogel und nahm Reißaus. „Der Vogel ist 7 Jahre alt und vertreibt immer die Gleitschirme, hat schon etliche Löcher reingerissen“, meinte Karl grinsend, „gegen Drachen hat er aber nichts.“  Starten hatte etwas von Rodeo an sich. Der Pilot stand auf dem Sprung und wartete auf ein gnädiges Einschwenken des Windfähnchens, um seinen Drachen zu besteigen. Dann, glücklich in der Luft, ging das Rodeo in der quirligen Luft weiter. Meist wurde es nur ein kurzer, bockiger Ritt zum Landeplatz. Nur Alfred schaffte es bis zur ersten Wende. Moritz Schary geriet beim Kreisen am Kronplatz eher zufällig 290m außerhalb der Mindeststrecke, dadurch gab es eine Mini-Wertung mit ihm als Tageszweiten. Aus dem Gewitter wurde aber nichts.

Noch stärkerer Westwind und stärkere Gewittergefahr als am Vortag, so die Aussichten für den Samstag. Wir wechseln den Startplatz und fahren nach Ahornach. Das in N-S ausgerichtete Ahrntal soll uns Schutz bieten. Bequem der Aufbau, weil direkt neben dem Parkplatz. Schwülwarme Luft, der Himmel bedeckt, wir schwitzen, die Gleitschirmeleven gleiten ab zum Landeplatz bei Sand in Taufers. Vorsorglich klopfen wir eine 40km-Strecke als zweifachen Ritsch-Ratsch an der Ostflanke des Tauferer Ahrntales in die Compeos. Die Wolken sehen dann doch bald aus wie richtige Cumuli mit blauen Lücken dazwischen. Dietrich Schröder opfert sich als Vorflieger, und setzt sich bald darauf nach unten ab (bald ist er wieder oben zum Wiederstart). Frank Frankus steht bereit. Er hofft auf das große blaue Loch, durch das schon eine Weile das Tal beheizt wird. Als der Sonnenfleck den Startplatz erreicht, bricht ein Sturm los. Der soeben noch lustlos baumelnde Windsack schlingert wie wild an der Stange, die Pusteblumen der Startwiese werden schlagartig ihres Schmuckes beraubt und wirbeln wie ein Staubsturm über die Wiese. Das ist für Frank nun zu viel des Guten. Er wartet die turbulenteste Phase ab und startet dann in eine Aufwärtsspirale. Nach einer Viertelstunde sind alle Piloten in der Luft, die GS-Schüler schauen fasziniert zu und müssen noch auf ruhigere Bedingungen warten. Ruck-zuck bin ich auch auf über 3000m und leiste mir noch einen Anflug fürs Video auf das Gipfelkreuz vom Großen Moosstock, dann VG gespannt und los gedüst, talauswärts bis zum WP bei Gais. Dort kehrt marsch zurück zum Startplatz und gleiche Geschichte noch einmal, allerdings etwas weiter hinaus bis ans Pustertal. Ca. 20km/h Südwindkomponente stehen dem entgegen und bilden an den Graten in Kooperation mit der starken Thermik und entsprechenden Sinkraten ein brisantes Gemisch. Der Endanflug zum Landeplatz misslingt mir insofern, als dass meine Höhenreserve ständig wächst. Mit Mühe finde ich über dem Landeplatz ein Sinkgebiet. Dann eine fast-Fallschirmlandung im starken Talwind. Ich bin nicht der Erste, Thomas Paulik hat mir 27 Sekunden abgenommen. Dann sind wir doch 10 Piloten im Ziel, als Elfter trifft noch Andi Beeker ein, allerdings schneidet ihm das Taskende ein paar Kilometer vom Track ab. Dietmar Rauscher sticht um 100m am ersten WP vorbei ins Leere. Aber das erfahren beide erst nach der Auswertung. Somit wieder glückliche Gesichter und kein Gewitter. Die toben sich auf der Nordseite aus.
Noch stärkere Gewittergefahr als am Vortag, so die Aussichten für den Sonntag. Die Wetterpropheten werden sich nicht immer irren. Wir glauben ihnen diesmal, wissen vom Rückreiseverkehr und ziehen die Heimreise vor. In zwei Wochen ist ja schon das nächste Ligatreffen.
Konrad Lüders 


Ligatreffen German Open 4.-8. 5. 2016 in Greifenburg

Gesamtwertung

Die Liste war voll, Nachrücker standen Schlange. Einige Ligapiloten rutschten noch rein ins Feld der 90 Teilnehmer, 6 weitere wollen außer Konkurrenz mitfliegen. Schöner blauer Himmel am ersten Tag, aber viel Wind. Die Drachen werden auf den Busanhänger gepackt und wenige Minuten später wieder abgeladen. Dünhofen jun. macht Kulleraugen. Das Sicherheitskomitee nebst Wettbewerbsleitung muss sich wohl erst noch einlaufen. Was also anfangen mit dem schönen Nichtflugwetter? Andi Beeker macht erfolgreich Werbung für die körperliche Ertüchtigung. Es geht in die Pirknerklamm zum Klettern. Unsere Alpinisten Andi und Moritz nehmen die Neulinge in die Mitte und klopfen kluge Sprüche im Takt der fallenden Schweißtropfen.  Beruhigend, dass der Klettersteig in bester Verfassung ist. Solide Griffe und Tritte, dicke Stahlseile und der neue Klettergurt spenden Vertrauen, wenn man senkrecht neben Wasserfällen hoch steigt oder in schwindelnder Höhe die Klamm überquert. Dann ein softer Abstieg durch den Wald und Softeis zum Abschluss des Abenteuers.

Dann kein Wind mehr, der Himmel grau, Regina Glas managed den Aufbauplatz, auf dem sich die Drachen drängeln. Was planen, wird es mehr als ein Abgleiter? Mein Smartphone zeigt Wolkenlücken im Osten, wir haben Ostwind! Wirklich wird es oben rasch blauer, also eine mutige Aufgabe gestellt: Kreuzeckrunde! Die Starren ziehen zuerst los, für die Flexis wird es spät, erst 14.15 Uhr ist der Racestart. Die Wolken ziehen gut, mit Rückenwind sind wir ruck-zuck überm Zettersfeld. Dann legt Petrus den Schalter um, und wer nicht synchron auf Sparflamme geschaltet hat, steht bald ernüchtert neben der Möll auf einer grünen Wiese. Ich soare eine gute halbe Stunde  im Talwind und warte auf eine warme Luftblase. Ein kurzer Sprung zur nächsten Rippe, dann wiederholt sich das Spielchen, Carsten Muth leistet mir Gesellschaft. Erst das Reißeck reißt uns ganz nach oben auf 3000m. Das sollte reichen bis ins Ziel, meine ich. Carsten dreht am Kreuzeckmassiv noch ein paar Sicherheitshöhenkreise, auf die ich besser nicht verzichtet hätte. Ein paar Kilometer weiter erweist sich die Luft als deutlich weniger tragfähig, ich komme mit knapper Not ins Ziel. Joachim Waibel und Carsten sind schon da, Christof Knatz mit respektabler Leistung auf seinem Turmdrachen landet 2km zu kurz. Bei den Starren haben es Dirk Todzy und Eckard Wozny geschafft. Thomas Paulik, vor Freude über das nahe Ziel, achtet nicht auf den Compeo-Pfeil und wutscht knapp am letzten WP vorbei.

Für den zweiten Durchgang kündigt Dietrich Münchmeyer einen ganz großen Task an. Es sollen 185km werden, zuerst weit hinter Sillian hinaus und dann zur Georgi-Kapelle vor der Windischen Höhe.  Sillian wird für die Flexi zum Massengrab. Die Wolken breiten aus und schatten effektiv ab. 2/3 der Teilnehmer landen folglich bei 60km, fast alle anderen fliegen ins Ziel. Entsprechend   unterschiedlich fällt das Urteil über die gestellte Aufgabe aus. Immerhin klappt es mit dem Rücktransport. Carsten heuert den Dünhofen-Bus an, der für 80km nur schlappe 20Euro je Passagier haben will! Sollte die Wettbewerbsleitung das nicht zum Anlass nehmen, in Kooperation mit der Taxifirma zukünftig den Rücktransport zu gewährleisten? 4 Starre der Liga sind aber im Ziel, am schnellsten Thomas Paulik. Von den Flexis  kommt Herrmann Wolterhoff mit 83km noch am weitesten.
Beim letzten Durchgang sollen viele Piloten im Ziel stehen, die Aufgaben werden optimal gestaltet: für die Starren erst Sillian, dann über das Defereggental nach Matrei und zurück nach Greifenburg. Die Flexis sollen zur Oblaser Alm vor Matrei fliegen, dann über die Gerlamoos-Kirche ins Ziel. Mein Vorschlag zu einem Rekordversuch über 100km ZR findet keine Akzeptanz. Die Starren sind bei guten Startbedingungen schnell weg, für die Flexis ist eigentlich noch viel Zeit und demzufolge keine Starthektik. Ich starte aber gleich nach den Starren, warte am Stagor unter der Wolke und fliege dann als ersten WP doch Gerlamoos an. Ich hatte diesen WP zusätzlich aufgenommen und versuche mich nun alleine an der Rekordstrecke. Unterwegs halten die dunklen Wolken ihr Versprechen und saugen kräftig. Einem Gleitschirmflieger wird das fast zum Verhängnis. Zwischen Matrei und Lienz müssen etliche Piloten zusehen, wie er aus einer Wolke runter spiralt und nach schier endlosen Drehungen in einer Schneerinne aufschlägt und noch tief darin runter rutscht. Als ich später im Ziel landete, hatten andere Piloten schon den Vorfall gemeldet. Carsten Muth war aber umgehend im Iseltal gelandet und hatte der Bergrettung die Koordinaten der Unfallstelle übermittelt, die gleich einen Hubschrauber losschickte. Zum Glück war der Pilot unverletzt geblieben und konnte alleine absteigen. Der Landeplatz war dann gut gefüllt mit glücklichen Zielfliegern.
Den ersten Applaus bei der Siegerehrung bekommt ein Liga-Pilot, Carsten Muth für seinen vorbildlichen Beitrag zur Rettung des Gleitschirmpiloten. Auf den Plätzen 1,2,3 der Deutschen Meisterschaft FAI 1 stehen keine Ligapiloten, aber dafür auf den Plätzen 11,12,13, was nur intern Beachtung findet. Auch unsere Starrflügler landen zweistellig, der Weg zur Spitze ist noch lang, aber wir sind auf dem besten Weg dorthin. In drei Wochen treffen wir uns wieder.
Konrad Lüders

p.s. Ein neuer Geschwindigkeitsrekord über 100km Zielrück von 48,65km/h fand inzwischen Anerkennung.


Drei Ostereier für die LIGA

Gesamtwertung nach 3 Durchgängen

Grauer lässt sich ein Karfreitag-Morgenhimmel nicht ausmalen, als sich die Drachenliga am letzten Wochenende in Greifenburg zum ersten Durchgang einfand. „Wir machen erst mal den Papierkram“, fand ich, und verteilte Wendepunktkarten an die gut 20 Angereisten, als würde es gerade nicht nach Regen aussehen. Was nun, Ski und Rodel gut, aber Fliegen?? „Wir fahren erst mal hoch!“ Den Aufbauplatz hatte Wolfgang Sattlegger extra für uns hergerichtet, die Rampe war frei und der Meter Schnee von der Pistenraupe glatt gebügelt. Ein paar Piloten standen unschlüssig herum und machten Kulleraugen, als ich verkündete, dass aufgebaut werden soll. Frank und Christof hatten sich fürs Skilaufen entschieden, die anderen packten gehorsam ihre Drachen aus. Der Einzige, der an Thermik glaubte, war mein Bauch. Er sollte Recht bekommen. Nicht die Sonne sorgte für Aufwind, sondern die hohe Labilität unter der geschlossenen Schichtbewölkung. Bald konnten sich ein paar Schirme halten. Die DHV-Jugendlichen waren ja auch da und reckten ihre Flügelchen. „Was  die können, können wir auch!“ Eine kleine Aufgabe wurde kundgetan, 43km zwischen Gaugen und Scharnik, immer in Hangnähe, Basis bei 2000m! Immerhin stand ständig Startwind an, das Fähnchen lockte zuverlässig zum für die Mehrzahl von uns ersten Start in die Saison. Wie durch ein Wunder ging es hier und da aufwärts, nur ein Pilot musste nach dem Start abhocken. 6 Piloten schafften die Strecke in etwa einer Stunde, wobei die Starren deutlich die Nase vorn hatte.  Thomas Paulik war sogar mit einem Schnitt von 53km/h unterwegs, wer hätte das noch am Morgen geahnt! Weil sich die Sonne den ganzen Tag nicht gezeigt hatte, gingen wir abends gemeinsam um Essen ins „Sunshine“.

Am Samstag besorgte Blicke auf die Wolkenfetzen, die sich unangenehm eilig Richtung Süden bewegten. Erst am Nachmittag sollte es ruhiger werden. Also fuhren wir auf in den Nebel und konnten von oben auf die untere Wolkenschicht schauen, die sich mühselig auf Startplatzhöhe hocharbeitete. Ein paar mutige Schirmflieger starteten und schossen fast senkrecht nach oben. Wir beschlossen, erst spät zu starten, vielleicht geht Petrus dann die Puste aus. Für die 60km werden wir nicht viel Zeit brauchen, dachten wir, aber Petrus neckte uns dann. Die Startphasen waren knapp, kurz mit langen Rückenwindpausen. „Dusty!“ alle rannten zu den Drachen, während eine Schneestaubwolkenspirale  über den Starthang wirbelte. Es waren schon 7 Piloten gestartet, was tun? Wir berieten – abbrechen oder nicht? Per Funk konnte ich  Fredi erreichen: „Es ist bockig, aber nicht so schlimm“, also kein Abbruch. Dann hatte Petrus Mitleid und tauschte die brodelnde Luftmasse aus gegen blauen Himmel und zähmbare Bärte. 15 Piloten schafften die Aufgabe, eitel Freude über den zweiten Flugtag. Das musste gefeiert werden, also gemeinsames Dinner im Nobelrestaurant Leitner.

Der Sonntag sollte sich auch als fliegbar erweisen. Es wurde wieder eine Geduldsprobe – stabile Luft und hohe Abschirmungen drückten die Steigwerte in den Nachkommabereich. Die Hälfte der Teilnehmer traf sich nach kurzem Abgleiter  auf dem Landeplatz wieder. Die Glücklicheren schafften es einen oder zwei Wendepunkte weiter. Alle recht bald wieder unten!? Nein, von Andreas Kimmich fehlt noch die Rückmeldung. Es dauert an, wir werden unruhig, telefonieren, keine Antwort. Der Landeplatz ist schon geräumt, alle haben längst abgebaut und trinken Landebier, plötzlich kommt er angeschwebt und ist gleich darauf umringt. Andreas hat die 60km in drei Stunden geschafft und sieht geschafft aus, aber glücklich.
Wir wollen Petrus nicht in Versuchung bringen, gegen die schlechte Prognose seiner Jünger zu verstoßen. Der Stau im Osterverkehr scheint dagegen sicher.  Abends kann ich die Freunde gerade noch zu einem ausführlichen Debriefing überreden, dann sind sie nicht mehr zu halten und fahren heim zu Muttern.

Konrad Lüders


Liga 2016
 - Ausschreibung 

Streckenflugtraining in der Drachenliga!

Auch in diesem Jahr gibt es für ambitionierte Piloten wieder diese Möglichkeit, das Streckenfliegen gemeinsam zu trainieren.  Aufgabe der Liga ist es, Piloten an das Streckenfliegen unter wettbewerbsmäßigen Bedingungen heranzuführen bzw. darin zu qualifizieren. Unter der Anleitung des Ligachefs sowie etlicher „alter Hasen“ des Drachenflugsports haben schon viele Wettbewerbsneulinge ihre Leistungsgrenzen erweitern können, neue Fluggebiete kennen gelernt und sind weiter geflogen als je zuvor. In dieser Gemeinschaft  macht das Streckenfliegen und das damit verbundene sportliche Wetteifern deutlich mehr Spaß, als es der Hausberg bieten kann, von dem man sich gelegentlich fortstiehlt.
Somit ist die Drachenliga insbesondere erste Adresse für Piloten, die Lust haben auf Streckenfliegen, aber die Teilnahme an großen zentralen Wettbewerben (noch) scheuen. Ausländische Piloten sind in diesem Sinne herzlich eingeladen, an der Liga teilzunehmen. Eine Mitgliedschaft im DHV ist hierbei nicht notwendig.
Liga-Events finden nur bei gutem Wetter statt bzw. wir fahren dem guten Wetter entgegen, da wir nicht an ein Fluggebiet gebunden sind. Ligadurchgänge haben sozusagen Wettergarantie, Regentage am Berg sind dadurch selten.
Es wird mit Faktoren gewertet – Turmdrachen, turmlose Flexible und Starrflügler. Der Ligabeitrag beträgt 110 Euro, wovon u. a. Kosten für Auffahrten und Start-/Landegebühren, Wettbewerbsbüro, Pokale und Siegerpreise bestritten werden.
Es sind 5 Treffen geplant und zusätzlich die Teilnahme an der German Open und der Austrian Open
1. Termin                    25.03. - 28.03.            (Ostern) Greifenburg
2. Termin                    15.04. - 17.04             offen
3. Termin                    03.05. - 08.05.            German Open, Greifenburg
4. Termin                    26.05. - 29.05.            offen
5. Termin                    10.06. - 12.06.            offen
6. Termin                    01.07. - 03.07.            Austrian Open, Sillian
7. Termin                    08.07. – 10.07.           Ersatztermin AO / offen

Weitere Informationen zur Liga 2016 mit Hinweisen zur Einschreibung, außerdem Berichte aus den vergangenen Liga-Jahren findest Du unter www.dhv.de
Konrad Lüders