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Deutscher Hängegleiterverband e.V.

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Belastung der Vegetation an Startplätzen der Gleitschirm- und Drachen-Flieger

Untersuchungen zur Belastung der Vegetation an Startplätzen der Gleitschirm- und Drachen-Flieger mit Vorschlägen zur Konfliktreduktion mit den Belangen des Naturschutzes und der Landschaftspflege; Burkhard Quinger; Hrsg. Firma Ifuplan GBR, München; März 1

Einführung, Problemstellung:

Das vorliegende Gutachten soll in detaillierter Form belegen, welche Auswirkungen sich im einzelnen auf den verschiedenen, an den Startplätzen vorkommenden Vegetationstypen ergeben. Dies gilt insbesondere für die naturkundlich bedeutsamen Vegetationstypen, bei denen sich durch Trittbelastung Negativveränderungen vollziehen.

Die vegetationskundliche Analyse und Bewertung umfasst 15 Startplätze in den Alpen und 12 in verschiedenen Mittelgebirgen ausserhalb der Alpen.

Auswahl der Untersuchungsgebiete/Methodik:

Folgende Aspekte waren für die Auswahl eines Startplatzes zu vegetationskundlichen Untersuchungen massgebend:

- Das Nebeneinander von gleichartigen vom Flugbetrieb belasteten und nicht belasteten Geländepartien. Dadurch ist eine qualitative und quantitative Vergleichbarkeit überhaupt erst gegeben. Ausserdem dürfen keine Belastungen durch andere Naturnutzer (z.B. Wanderer) hinzukommen.

- Ausgangsvegetation, die nach Art. 20c BNatschG geschützt ist (z.B. Magerrasen). Gerade diese Flächen rufen immer wieder Konflikte mit dem Naturschutz hervor. Hier sollte v.a. die Aussage, der Flugbetrieb verursache nur negative Auswirkungen, auf ihre Richtigkeit überprüft werden.

- Schwach genutzte Plätze mit kaum erkennbaren Veränderungen des Standortes bleiben ausgespart.

- Startplätze ohne Konfliktpotential mit dem Naturschutz (z.B. intensiv landwirtschaftlich genutzte Flächen) blieben ebenfalls ausgespart.

- Startplätze mit geringem Konfliktpotential, aber mit vorhandenen Entwicklungsmöglichkeiten für Aspekte des Naturschutzes wurden berücksichtigt.

Zusammenfassender Vergleich der Ergebnisse der einzelnen Startplätze der Alpen:

Auf sämtlichen Startplätzen der hochmontan-subalpinen Stufe (1100-2200m) erfolgte eine Vegetationsentwicklung hin zu Trittrasen mit hohen Bestandesanteilen des Berg-Frauenmantels, Kümmels und Hoppes Frauenmantels. Selbst auf den höchsten Startplätzen in über 1600m lassen sich klassische Trittplanzen wie Breit-Wegerich, Weidelgras und Einjähriges Rispengras beobachten.

Gegen Tritteinwirkung besonders empfindlich sind alpine Rasengesellschaften wie:

-Blaugras-Horstseggen-Rasen am Startplatz Wank

-Rostseggen-Rasen am Startplatz Hochgrat-Nordhang

-Silberdistel-Horstseggen-Rasen am Brauneck-Brauneckschneid.

Ebenso trittempfindlich sind die Pflanzengemeinschaften der subalpinen

-Alpendost-Alpenmilchlattich-Hochstaudenfluren am Startplatz Laber.

Größere Trittresistenz finden wir bei

-Alpenampfer-Alpengreiskraut-Lägerfluren am unteren Startplatz Wallberg.

Größte Trittresistenz im hochmontan-subalpinen Bereich:

-Borstgrasrasen z.B. am Brauneck Gipfelgrat

-Rotstraußgras-Rotschwingelrasen an der Mittagsspitze I und II.

Die Anfälligkeit für Bodenerosion hängt ab von:

-Hangneigung

-Durchsickerung des Standortes

-Tongehalten des Bodens.

Als besonders erosionsanfällig erwiesen sich gut durchsickerte, wasserzügige Lehm- und tonige Lehm-Böden, v.a. bei Hangneigungen über 15°. Es fällt zudem auf, dass die Startplätze vielfach auf einem Terrain liegen, das bereits vorher einer erheblichen Belastung durch anderen Freizeitbetrieb wie Wandern, Skifahren oder Almweide ausgesetzt war und immer noch ist. Deshalb sind die Belastungen, die an solchen Geländen vom Flugbetrieb herrühren, als weniger erheblich anzusehen als an Startplätzen, an denen die Piloten praktisch den alleinigen Belastungsfaktor darstellen.

An lediglich 2 Startplätzen waren keine weiteren Belastungsformen festzustellen (Hochgrat-Nordhang, Brauneck-Brauneckschneid). Mehrere der untersuchten Startplätze sind an Stellen eingerichtet, wo ein mehr oder weniger intensiver Weidebetrieb durch Rinder, mitunter auch durch Pferde stattfindet.

Die Ausdehnung der Trittgesellschaften, die sich an Stelle der vormaligen Vegetationsbestände ausbreiten, umfassen i.d.R. 150-250m2. An Plätzen mit sehr hohen Startzahlen (ca. 10000 Starts/Jahr am Weiherkopf bei Bolsterlang) erstreckt sich die Ausdehnung der Ersatzvegetation auf bis zu etwa 500m2. Verglichen mit anderen im Alpenraum ausgeübten Formen des Freizeitsports (z.B. Skifahren) verbleibt der Flächenbedarf des Drachen- und Gleitschirmsports und den daraus resultierenden Belastungen für die Ausgangsvegetation somit in einem sehr viel geringerem Rahmen.

Startplätze außerhalb des Alpenraums:

An den 12 detailliert bearbeiteten Startplätzen außerhalb der Alpen traten Trittgemeinschaften v.a. an Startplätzen auf, die im Bereich ehemaliger Weinberge an ehemals gedüngten Stellen angelegt wurden.

In Gebieten mit seit langem brachliegenden, schon stark verfilzten und verbuschten Trespen-Halbtrockenrasen (z.B. Jena-Zwätzig) und in unterbeweideten Rotstraußgras-Rotschwingelrasen (z.B. Arnsberg-Rhön) führte der Tritteinfluss zur Förderung einiger niedrigwüchsiger magerrasen-typischer Rosettenpflanzen, Zwergsträucher und Therophyten.

Die Magerrasen Vegetation des Startplatzes Laucha (ca. 1500 Starts/Jahr) ist deutlich degradiert. Unterhalb der eigentlichen Abflugstellen ist jedoch ein größerer Hangabschnitt durch den ansässigen Flugsportverein freigestellt worden, so dass sich anstatt der Verbuschung floristisch durchaus wertvolle Fiederzwenkenrasen einfinden.

Beträchtliche Schädigungen durch Standort- und Florenverfremdung verursachten einige in Erosionsmulden angebrachte Aufschüttungen.

Auf den freigestellten Arealen der Startplätze der Weinbergsbrachen des Nahegebietes entwickelten sich an Stelle der Besenginster-Schlehen-Brombeer-Verbuschung bei Mahd artenreiche Trockenwiesen (z.B. Langer Berg bei Obernheim). Diese „Umgebungspflege“ bewirkte Flächengewinne des floristisch wertvollen Offenlands und somit eine Strukturbereicherung der Weinbergbrachen.

Die lückige Trittrasenvegetation der stark betretenen Kernbereiche im Nahegebiet eignen sich auf Grund des sandigen Substratcharakters als Lebensräume für die naturschutzbedeutsame Blauflügelige Ödlandschrecke (z.B. Duchroth-Gangelsberg, Erden I im Moseltal).

Die Vegetationsentwicklung in hochmontaner Lage mit artenarmen Borstgrasrasen im südwestlichen Hochschwarzwald (Weiherkopf) glich der wie sie in den Alpen beobachtet wurde. Die Erheblichkeit der Belastung hängt hier analog wie in den Alpen wesentlich von den Vorbelastungen ab, die an den Startplätzen festgestellt werden können. Der Startplatz „Schauinsland“ ist ausschließlich auf einer durch früheren Skiliftbetrieb vorgenommenen Aufschüttung angelegt und dadurch für die Vegetationsbelastung bedeutungslos.