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Deutscher Gleitschirm- und Drachenflugverband e.V.

DHV
Toni erklärt das Thermiksuchen und Thermikkreisen
Debriefing
ENTE(R)
Die Enten werden präpariert
Frauenpower
los gehts.....
die Betreuer gehen in die Luft
Regina mit ihren neuen Fluglehrerassistenten
Welchen Task setzen wir?
am Start
Valentin unser fleissiger Helfer
Regina checkt den Start
Thomas Kägi über dem Drautal
es wird aufgebaut
relaxen vor dem Start
Tipps und Tricks von Ines und Peter
Alle Teilnehmer mit Betreuern
GPS und Taskboard-Einweisung mit Kajo und Markus
Thomas startet
jeder Pilot wird gecheckt
Kartenstudium
hoch fliegen, sicher fliegen
aufmerksam beim Briefing
Susanne startet ins Blumenmeer
Tilo an vorderer Position

Hanggliding Challenge 2020

Termin Hanggliding Challenge voraussichtlich 21. - 26. Juni 2020

Ausschreibung und Online Anmeldung
noch nicht aktiv

Hanggliding Challenge 2019

Flugspaß an vorderster Stelle 

Ein Beitrag von Thomas Kägi

Die Basishöhe über dem Stagor ist knapp erreicht, VG weiter spannen und nochmals zwei Kilometer nach Osten, zum nächsten Gipfel fliegen. Hier empfängt mich ein schön strukturierter Schlauch. Seit 1 ½ Stunden bin ich in der Luft und freue mich über das kraftsparende Handling meines neuen Intermediate-Deltas. Er bringt mich ein weiteres Mal an die Basis. 

Im letzten Halbkreis die VG wieder voll spannen und mit über 2800 m in Richtung Weissensee losfliegen. Ich muss mich zurückhalten, nicht zu viel Gas geben – so, wie ich es vom Turmlosen gewohnt bin. Die Polare des Intermediates ist halt doch nicht so flach. Dafür fliegt er sich leicht und macht das Landen zum entspannten Genuss. Das Glück ist mir hold! Ich finde eine leicht tragende Linie, die für die Gleitstrecke zum Kamm nördlich des Weissensees nur 300 m Tribut verlangt. Hoch überfliege ich den Kamm, sehe den See linkerhand glitzern und nähere mich dem Reisskofel von Norden her. Gross und mächtig steht er da –  nur  scheint er zu wachsen... Ein Blick aufs Vario zeigt zunehmendes Sinken;  unten erkenne ich schon die einzelnen Blätter der Bäume. Nun wäre es an der Zeit, einen verlässlichen Aufwind zu finden. Ich gleite die vorgelagerte Kante weiter ab und sehe an deren Ende einen Gleitschirm am Aufdrehen. Tiefer unten dreht ein Atos seine Suchkreise. Auf dem Weg dorthin spüre ich ein zaghaftes Schütteln. Ich brauche einige Kreise, bis ich den Aufwind einigermassen zentriert habe. Er ist schwach, zerrissen, und ich befürchte, in der Summe Höhe zu verlieren. Kaum ein Kreis, der durchgehendes Steigen aufweist. Also, weiter geht’s zur Kante am Ende des Kamms. Der Atos ist mittlerweile weggestiegen. Ein Duft von frisch geschlagenem Holz empfängt mich, zusammen mit sattem Steigen. VG etwas entspannen, ein Lächeln, mein  Delta nimmt mich nach oben, und ich schöpfe Hoffnung, heute das erste Mal den Spitzkofel zu überhöhen. Mit knapp 2000 m komme ich an und finde in einer Felskuhle sanftes, aber sehr schwaches Steigen. Es gelingt mir, einige Meter Höhe zu gewinnen; dann stellt der Aufwind ab. Der Spitzkofel ist zwar gnädiger als letztes Jahr und lässt mich näher an seinen Gipfel, aber es fehlten noch immer 150 Meter. Beim nächsten Mal werde ich ihn überhöhen und die Aussicht in das südlich gelegene Tal geniessen! Nach knapp zwei Stunden Flug drehe ich die Nase des Deltas nach Nordosten, spanne die VG durch, ziehe an der Basis und kehre ich zum Landeplatz am Camping in Greifenburg zurück.

Hanggliding Challenge 2019 

Der Start zu diesem Flug begann eigentlich 2 ½ Jahre früher, im Winter 2016/17. Die Deltaszene in der Ostschweiz, zumindest die mir bekannte, ist über die Jahrzehnte immer kleiner und kleiner geworden, die aktiven Piloten rarer und somit auch die Möglichkeit, mit anderen zu fliegen und diesen wunderbaren Sport zu teilen. Beim Stöbern nach Delta-News sprang mir auf der DHV-Website die Ausschreibung der HG-Challenge ins Auge – organisiert und geleitet von Regina Glas, der DHV-Beauftragten für Drachenfliegen und Trainerin der deutschen Nationalmannschaft. Ob denn auch ausländische Piloten teilnehmen können? Ich wurde herzlich nach Greifenburg eingeladen. Mittlerweile habe ich bereits dreimal teilgenommen . Leider  konnte sich aber niemand aus meiner Region dazu erwärmen mitzukommen. Dafür meldet sich Toni Crottet an, Chef der Schweizer Deltaliga, um Reginas Helferteam zu unterstützen. Ich freue mich, dass somit die Beteiligung aus der Heimat um 100 Prozent anwächst. 

Der freundliche und lockere Umgangston steigert meine Freude. Egal, welches Niveau du hast,  jeder ist willkommen, alle Anliegen werden mit der gleichen Hingabe und Geduld angehört, und es werden fundierte  Tipps gegeben. Ziel ist, dass alle einen Schritt, oder sogar viele grosse, weiterkommen. Die Freude am Deltafliegen steht klar im Vordergrund. Die Organisation ist professionell, und doch herrscht eine Lockerheit, die den Flugspass neben der Sicherheit an vorderste Stelle rückt. 

Montag ist Trainingstag. Erste Strecken werden geflogen; einige geniessen es einfach, unter den Wolken zu hängen und die atemberaubende Landschaft aufzunehmen. 18 Uhr ist Einschreiben. Über eine WhatsApp-Gruppe wird Support für noch nicht so Instrumenten-Kundige angeboten. Software-Update, Wendepunkte aufspielen etc. Regina ermuntert uns , diese Tage zu nutzen und insbesondere im Streckenfliegen die eigenen Grenzen zu erkunden und diese auch mal weiter hinaus zu schieben. Wir sollen an Sicherheit und Vertrauen gewinnen, uns ein Ziel setzen und das auch zu erreichen versuchen. Aber vor allem sollen wir viel Spass haben und gesund nach Hause zurückkehren. 

Wir sind 38 Teilnehmer, sechs Pilotinnen und 32 Piloten. Am Dienstagmorgen Fahrt zum Startplatz, entweder individuell oder per Shuttle, eines davon ist ein altes Postauto aus der Schweiz. Es bringt  Piloten fast stündlich für ein bescheidenes Entgelt auf den Berg. Dann ein fast schon vergessener Anblick: An die 50 Deltas und Starre am Aufbauplatz! Dies weckt Erinnerungen an die Blütezeit unseres Sports. Beim Briefing gibt es Erklärungen, wie sich die Grosswetterlage auf die lokalen Verhältnisse auswirkt und welche Taktiken am meisten Erfolg versprechen. Der Task führt der Krete entlang nach Westen, wieder zurück und weiter nach Osten, schliesslich zum Campingplatz. Die Strecke ist mit knapp 40 km für Streckenflugneulinge nicht allzu lang, keine grossen Talquerungen sind nötig, und es steht allen offen, den Task mehrmals zu fliegen, wobei dann die kürzeste Zeit gewertet wird. Leider schwächeln die Bedingungen; trotzdem kommen zwölf Piloten ins Ziel. 

Die Starts und die Landungen werden gefilmt. Am Abend beim Debriefing gibt Peter Cröninger, Ausbildungschef des DHV, zu den Starts und Landungen. Mir fallen bei meinem Start die etwas kurzen Schritte auf – und ich nehme es mir zu Herzen. Solche Videoanalysen sind interessant und aufschlussreich. Wir bekommen kompetentes Feedbackzur Flugtechnik, wie auch zu den Flügen der Tagesaufgabe .

Taktikseminare

Am zweiten Tag macht sich der Nordüberdruck bemerkbar. Es bleibt jedoch fliegbar, und wir erreichen Basishöhen von 2700 m. Der Task geht über 57 km, diesmal mit einer Talquerung zum Weissensee und zurück. Zehn Piloten fliegen nach vollendeter Aufgabe ins Goal. Der zweitletzte Wendepunkt ist für einige ein Knackpunkt; sie schaffen es nicht mehr, ausreichend Höhe zu machen. Generell werden die Aufgaben so gelegt, dass Greifenburg als Basiscamp im Zentrum liegt und somit der offizielle Landeplatz gut angeflogen werden kann. Nach der Landung eine kurze SMS an die Organisatoren, abbauen, Vario auslesen und dann ein kühlendes Bad im Baggersee des Campingplatzes. Es tut gut, mit einigen Schwimmzügen Arme und Nacken zu lockern! Am Abend werden die verschiedenen Flugrouten am Beamer gezeigt, verglichen und nach Verbesserungsmöglichkeiten gesucht. Es werden auch  Taktikseminare durchgeführt. Eine Gruppe setzt sich mit grundlegenden Themen auseinander wie z.B. Pulkfliegen, Thermik finden, Steigen optimieren, die Strategie beim Gleiten oder das Auslassen von Thermik zugunsten höherer Schnittgeschwindigkeit. Eine andere Gruppe stellt die detaillierte Optimierung der soeben geflogenen Aufgabe in den Vordergrund. Das Interesse ist gross, und keiner muss sich scheuen, Fragen zu stellen. Die Antworten sind immer  fachlich fundiert und wertungsfrei. An einem weiteren Abend wird die Motivation und der Umgang mit Rückschlägen besprochen. Wie können negative Erfahrungen in eine positive Haltung umgewandelt werden? Wie findet man das Vertrauen wieder?

Am Donnerstag drückt der Nord  endgültig durch.  Für den Nachmittag wird Nordföhn vorhergesagt. Deshalb schreibt das OK ein Spasstask aus, wobei alle angehalten werden, früh zu starten und spätestens um 14.30 Uhr zu landen. Die Aufgabe besteht darin, bei mindestens 100 m über Grund eine kleine Gummiente in ein Planschbecken von 1,5 m Durchmesser abzuwerfen. Einige beherrschen das gut und kommen bis auf vier Meter an das Becken heran, andere bleiben über 40 m entfernt. Die Landung wird ebenfalls bewertet, aber keine Ziellandung, weil dann –  durch zu grossen Ehrgeiz – Aluminium und mehr zu Bruch gehen könnte. Die Punkte werden für Schönheit und Anmut vergeben. Ein wahrer Concours d’élegance! Es gibt doch kaum etwas Eleganteres als eine perfekte Landung mit dem Delta. Die Begeisterung ist gross. Leider warten einige wenige am Start zu lange und haben Pech,der aufkommende Nordwind verunmöglicht einen sicheren Start . Jedoch gibt es für sie  nahe des  Startplatzes einen ausgezeichneten Kaiserschmarren beim Sattelegger Wirt (selber ein erfahrener Deltapilot). Der Freitag-Task wird schliesslich aufgrund des Föhns abgesagt und die Siegerehrung durchgeführt. Am Samstag gehen die verbleibenden Piloten nochmals in die Luft, und werden mit Höhen bis zu 3200 m belohnt. Für mich war diese HG-Challenge äusserst entspannt: tolle Flüge, neue Erfahrungen, viel Spass. Ich erlebte unvergessliche Momente in der Luft und verbesserte mein Können. Ein herzliches Dankschön an Regina und ihr Team die mit so viel Herzblut und Leidenschaft für unseren Sport einstehen. 

Deltafliegen ist Magie!

Wir dürfen an der Verwirklichung eines Jahrtausende alten Menschheitstraumes teilhaben, auf den eigenen Füssen abheben, vogelgleich, hoch über der Erde nahe den Wolken, irgendwo in einer Zwischenwelt zu fliegen um später wieder über dem Landefeld einzuschweben, langsam ausflairen und mit einer letzten schwungvollen Armbewegung den Drachen in der Luft zum Stillstand zu bringen und sanft mit den Füssen die Erde berühren   –  Veranstaltungen wie diese, und die Menschen die sich dafür engagieren, helfen diesen Zauber hoffentlich noch lange zu erhalten … denkt immer dran … Drachenfliegen hat etwas Magisches.

Die Challenge wird unterstützt von:

www.bergzeit.de