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Deutscher Hängegleiterverband e.V.

DHV

Pressebericht

Internationale Deutsche Meisterschaft am Kandel/BaWü
 

Viel Öffentlichkeit bei der German Open Hanggliding 2018 

„Zwischen hohen Schwarzwaldtannen und dem mächt’gen deutschen Rhein…“ – mit diesen Klängen des Badnerlieds wurde täglich zum Briefing für etwa sechzig Piloten auf dem Kandel gerufen. Der Kandel im Südschwarzwald bietet ideale Startbedingungen für einen Hängegleiterwettbewerb. Der Startplatz ist frei vom vorherrschenden Westwind angeströmt und über die Straße sehr gut erreichbar. Wenn man auf die Startwiese tritt, hat man einen herrlichen Blick über die Oberrheinebene bis hinüber zu den Vogesen und in die anderen drei Himmelsrichtungen eröffnet sich der Hochschwarzwald. Der Startberg des DGFC Südschwarzwald ist ein echtes Juwel unter den Fluggebieten. Charly Joest erzählte uns, dass vom Kandel im Jahr 1982 die ersten legalen Streckenflüge mit Hängegleitern in Deutschland durchgeführt wurden und dazu noch speziell ein Luftraum von den Militärs freigegeben werden musste. 

Leider war die Wetterprognose für die ganze Woche schlecht und am ersten Wettbewerbstag standen die Piloten nach der Eröffnung durch die Bürgermeister der beiden angrenzenden Gemeinden so lange im Nebel, bis der Tag abgesagt werden musste. Doch schon eine Stunde später ging der Himmel auf und fast alle Piloten konnten noch einen Trainings- oder reinen Genussflug machen, was die Stimmung und die Erwartungen für das Kommende hochhielt. 

Für den Mittwoch gab es eine unerwartet gute Wettervorhersage, so dass die Tasksetter einen anspruchsvollen Task in den Schwarzwald ausgeschrieben haben. Zunächst sollte es die Hänge am Elztal entlang gehen, dann über Villingen, weiter in den Süden und zurück zum Landeplatz in Bleibach. Für die Flexiblen etwa 90 km und die Starren 110 km. Leider wurde aus diesem Plan nichts, denn die Piloten standen meist schon nach wenigen Kilometern in einer großen Abschattung im Elztal. Allein der amtierende Weltmeister Tim Grabowski, schaffte die ganze Aufgabe und unterstrich damit eindrucksvoll seine Klasse. Ein gutes Zeichen für die bevorstehende Weltmeisterschaft. Doch wenn soll die DHV-Teamchefin Regina Glas noch für die WM nominieren? Dieser Task konnte dazu keinen Aufschluss geben. 

Der nächste Tag brachte eine extrem labile Prognose, die Aufgabe musste klein angesetzt werden und wurde ins wettertechnisch sicherere Oberrheintal gelegt. Vor Start ging es für alle relativ locker zunächst zum Kaiserstuhl, aber auch diesmal kam die große Abschattung genau an der ersten Wende. Wieder war nur ein einziger Pilot im Ziel, der Lokalmatador bei den Starren, Jochen Zeyher, konnte seinen Heimvorteil ausspielen. Unglücklicherweise beschädigte der aktuelle Deutsche Meister, Falko Krüger, seinen neu zugelassenen Phantomas bei einer Außenlandung in einem nassen Acker so stark, dass er den Wettbewerb beenden musste. Die massiven Gewitter im Wettbewerbsgebiet und in ganz Deutschland am Abend und in der Nacht ließen für den nächsten Tag nichts Gutes erwarten. 

Aber es kam anders, am Morgen hatten wir einen herrlichen Blick von Kandel über das noch in Wolken liegende Rheintal, über uns ungetrübtes Blau. Wieder wurden nicht zu große Aufgaben ausgeschreiben, diesmal für die beiden Klassen grundsätzlich unterschiedlich, damit die Chancen erhöht werden, dass wenigstens eine Gruppe richtig liegt. Dennoch kam die Enttäuschung. Die Starren schafften nach der Querung des Draisamtals meist am Schauinsland den Aufstieg nicht und die Flexiblen standen meist noch vor der ersten Wende wieder im Elztal. Nur der exzellente Kenner des Gebiets, Roland Wöhrle aus Gutach, schaffte bei den Flexies nach vier Stunden die 60 km Aufgabe, echt harte Arbeit! Von den Starrflüglern kamen Robert Bernat, Thomas Paulik und der Youngster Markus Baisch ins Ziel. Das waren erste Indizien für die Entscheidung, wer wohl Deutschland bei der kommenden Weltmeisterschaft in Mazedonien vertreten darf.  

Bislang also drei gültige Tasks, aber alle mit wenigen Punkten, so dass für den finalen Tag bei optimalem Flugwetter alles offen war. Man konnte alles gewinnen oder auch verlieren. Die letzte Aufgabe waren 90 km bei den Starren und 70 km bei den Flexiblen, wobei beide Gruppen zunächst zum Kaiserstuhl in die Ebene flogen und sich dann nördlich und südlich in den Schwarzwald aufteilten. Manch einer versenkte sich trotz guter Bedingungen und rutschte im Ergebnis weit zurück. Am Landeplatz gab es einen kinoreifen Zieleinlauf beider Klassen zur gleichen Zeit. Markus Baisch war der Schnellste bei den starren Drachen und wurde damit Internationaler Deutscher Meister. Tim Grabowski und Toni Raumauf aus Österreich folgten auf den Plätzen und standen in dieser Reihenfolge am Ende auch auf dem Podium. Roland Wöhrle führte die Flexiblen an und konnte damit den Wettbewerb ganz überlegen gewinnen. Dem Norweger Olav Opsanger gelang nach Gerd Dönhuber der dritte Platz, was auch zum Zweiten in der Gesamtwertung reichte. Primoz Gricar erreichte mit vier konstanten Flügen den gesamt dritten Platz, wobei er auf der Zielgeraden des vierten Tasks noch einmal richtig Gas gegeben hat und sich nach vorne arbeitete. 

Der Kandelwettbewerb war für alle Teilnehmer und die Veranstalter ein voller Erfolg. Der Bundestagsabgeordnete Peter Weiß stellte bei der Siegerfeier die gute Werbung heraus, die die Flieger für die Region und den Tourismus machten, eine Win-Win-Situation für alle. Klaus Kienzle als der „Macher“ vor Ort hatte herausragende Pressearbeit geleistet, was zu viel Resonanz in allen Medien führte. Dies wiederum lockte unzählige Zuschauern zu Start und Landung, die teilweise bis spät im Festzelt mit uns ausharrten. Die Drachenflieger bedanken sich. Vielleicht haben wir nach vielen Jahren einen weiteren Austragungsort für die Deutschen Meisterschaften in Deutschland gefunden in einem auch für unsere ausländischen Gäste hoch attraktiven Fluggebiet. 

Dieter Münchmeyer

Fotos werden der Presse jederzeit kostenlos zur Verfügung gestellt. 

Regina Glas
Referat Sport
Deutscher Hängegleiterverband e.V.
regina.glas@dhvmail.de
Tel: 0170-8389477