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Deutscher Gleitschirm- und Drachenflugverband e.V.

DHV

Naturschutzrecht

Luftverkehrsgesetz:
Die wichtigsten Rechtsgrundlagen zur Ausübung des Luftsports finden sich im Luftverkehrsgesetz (LuftVG) und der Luftverkehrsordnung (LuftVO). Wobei nach §1 LuftVG die Nutzung des Luftraums grundsätzlich frei ist. Allerdings wurde mit der Änderung des Luftrechts 1993 festgelegt, dass jedes Gelände eine Außenstart- und –landeerlaubnis benötigt will man dort mit Drachen oder Gleitschirm fliegen. Für die Zulassung solcher Gelände ist nach §25 LuftVG der DHV zuständig (®Geländezulassung).

Gemäß § 13 Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVfG) ist die Naturschutzbehörde am Verfahren zu beteiligen.

Bundesnaturschutzgesetz (BNatschG)
Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatschG) regelt unter anderem
den Schutz von Arten und Lebensräumen. Es stellt sicher, dass
erhebliche Beeinträchtigungen, wie sie zum Beispiel von starken
Störungen ausgehen können, und Eingriffe, beispielsweise durch
Baumaßnahmen, vermieden oder zumindest ausgeglichen werden.
Es besteht weitgehender Konsens, dass die Ausübung von Luftsport
in der Regel keine erhebliche Beeinträchtigung im Sinne des
Bundesnaturschutzgesetzes darstellt, soweit dabei die Ziele und
Grundsätze des Naturschutzes berücksichtigt werden [Deutscher
Aero Club, Bundesamt für Naturschutz , 2003, S. 9]. Werden zum
Beispiel Flugplätze neu angelegt, stellen sie aufgrund der baulichen
Maßnahmen und der Nutzungsänderung auf der Fläche in der Regel
einen Eingriff dar. Auch Erweitungen von Flugplätzen, zum Beispiel
durch die Verlängerung der Startbahn, durch einen Hallenneubau
oder eine erhebliche Erweiterung des Betriebs sind Eingriffe im
Sinne des BNatschG und müssen entsprechend beantragt, geprüft,
genehmigt und kompensiert werden.

Artenschutz
Die Ziele des Naturschutzes werden in Deutschland insbesondere
mit zwei verschiedenen rechtlichen Ansätzen verfolgt: dem Artenschutz
und dem Gebietsschutz. Aufgrund des massiven weltweiten
Artensterbens (man rechnet derzeit mit dem Verlust von ca. 100
Arten pro Tag) werden einzelne Pflanzen- und Tierarten speziell und
grundsätzlich gesetzlich geschützt. Damit soll dem Artensterben
entgegengewirkt werden.

Nach § 41 BNatschG (Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und
Pflanzen) müssen die Länder in ihren Landesnaturschutzgesetzen
regeln, dass „Tiere nicht mutwillig beunruhigt…“ werden dürfen. Weiterhin
ist zu regeln, „Lebensstätten nicht ohne vernünftigen Grund
zu beeinträchtigen oder zu zerstören“. Ergänzt und konkretisiert
werden diese Regelungen durch die Vorschriften des § 42 BNatschG
für besonders geschützte und bestimmte andere Tier- und Pflanzenarten.
Für so genannte streng geschützte Arten gelten ausdrücklich
Störungsverbote, wenn die Störungen so erheblich sind, dass sich
der Erhaltungszustand der lokalen Population einer solchen Art verschlechtert.
Alle Wildvögel in Deutschland, wie zum Beispiel die Zwerggans, zählen
zu den besonders geschützten Arten und sind durch die Verbote
des besonderen Artenschutzes geschützt. Luftfahrer sind daher gehalten,
beispielsweise Gebiete mit Gänseansammlungen, in denen
Zwerggänse vorkommen oder vorkommen könnten, möglichst hoch
zu überfliegen. Bei der Neuzulassung oder Erweiterung von Flugplätzen
und Fluggeländen ist eine spezielle artenschutzrechtliche
Prüfung (SAP) erforderlich.
Für gefährdete Arten werden regelmäßig internationale (durch die
Weltnaturschutzunion IUCN) und nationale (durch das Bundesamt
für Naturschutz) so genannte Rote Listen erstellt und herausgegeben.
Darin sind die Arten nach dem von Experten festgestellten Grad
ihrer Bedrohung in unterschiedliche Gefährdungskategorien eingeteilt
[Südbeck et al. 2007]. Die Roten Listen sind keine rechtlichen
Instrumente des Artenschutzes, sondern wissenschaftliche Fachgut-
achten, die beispielsweise als Argumentationshilfe bei raum- und
umweltrelevanten Planungen von Bedeutung sind.

Schutzgebiete und geschützte Landschaftsbestandteile
Es ist wenig sinnvoll, einzelne Tier- und Pflanzenarten zu schützen,
wenn deren Lebensgrundlagen verloren gehen. Flächen und Gebiete
werden auch deshalb unter Schutz gestellt, um ihre Lebensraumfunktion
für Tiere und Pflanzen zu erhalten. Je nach Funktion, Bedeutung
und Gefährdungsgrad gibt es unterschiedliche Schutzkategorien.
Neben Naturschutzgebieten gibt es viele weitere Formen von
geschützten Flächen und Gebieten, die vom Biotop bis zum Nationalpark
reichen. Ihre Zielsetzungen sind in den Naturschutzgesetzen
beschrieben.

a) Gesetzliche geschützte Biotope (§ 30 BNatschG)
Ein Biotop ist ein räumlich abgegrenzter Lebensraum wild lebender
Tiere und Pflanzen. Landläufig werden Tümpel und kleine Feuchtgebiete
als Biotope bezeichnet. Tatsächlich aber sind alle Lebensräume,
die von den verschiedenen Tieren und Pflanzen bewohnt
werden, Biotope. Dabei ist es unerheblich, ob ein Biotop künstlichen
oder natürlichen Ursprungs ist. Ein Biotop ist beispielsweise ein
Kalkmagerrasen mit den typischen Küchenschellen, Heuschreckenarten
und Bodenbrütern. Ein Biotop kann auch noch enger begrenzt
werden: Eine alte Buche ist ein hervorragendes Biotop für holzbewohnende
Insekten.
Seltene, gefährdete und wertvolle Biotope genießen nach dem Naturschutzrecht
automatisch einen gesetzlichen Schutz. Dies ist zum
Beispiel bei Mooren, Röhrichten, Nasswiesen, Block-, Schutt- und
Geröllhalden oder Binnendünen der Fall. Trocken- oder Borstgrasrasen
und Gebüsche trocken-warmer Standorte, die beispielsweise
auf Flugplätzen und Fluggeländen vorkommen können, sind ebenfalls
gesetzlich geschützt. Die Länder können den nach § 30 geschützten
Biotopen weitere Lebensraumtypen gleichstellen.

Auf Flugplätzen und Fluggeländen finden sich häufig gesetzlich geschützte
Biotope. Mehrere in den Mittelgebirgen Deutschlands liegende
Segelflugplätze sind beispielsweise großflächige Borstgrasrasen
mit einer für die Artenvielfalt sehr bedeutsamen Heckenstruktur
in den Randbereichen. Beide Biotoptypen sind gesetzlich geschützt.

b) Naturdenkmale (§ 28 BNatschG)
Zum Schutz von besonders wertvollen oder schönen Einzelschöpfungen
der Natur können Naturdenkmale ausgewiesen werden.
Dies sind zum Beispiel einzeln stehende alte Laubbäume oder ein
besonders wertvolles Landschaftselement mit geringer Flächengröße.
Mitunter können solche Naturdenkmale auch auf Flugplätzen im
Randbereich vorhanden sein. Es gilt dann ein Veränderungsverbot.
Zuständig sind die jeweiligen Unteren Naturschutzbehörden der
Landkreise.

c) Landschaftschutzgebiete (§ 26 BNatschG)

Landschaftsschutzgebiete (LSG) haben in der Regel eine große
Fläche. Knapp 30 Prozent der Fläche Deutschlands sind Landschaftsschutzgebiete.
Geschützt wird vor allem die Funktion eines
Gebietes, um seinen Erholungswert, seine Eigenart und seine
Artenvielfalt zu erhalten. Die Einschränkungen sind insgesamt
geringer als in einem Naturschutzgebiet. Zum Schutz des Landschaftsraumes
wird eine Rechtsverordnung (Landschaftschutzgebietsverordnung)
erlassen, um das Gebiet vor schädigenden
Einflüssen zu bewahren. Alle Handlungen und Eingriffe, die dem
Schutzzweck zuwiderlaufen, sind verboten. Es besteht jedoch kein
absolutes, sondern ein relatives Veränderungsverbot, das auf den
Schutzzweck bezogen ist.
Viele Flugplätze und Fluggelände liegen in Landschaftsschutzgebieten
und sind dann meist Bestandteil dieser Schutzgebiete. Die Nutzung
durch die Luftfahrt lässt sich meist gut mit dem Schutzzweck
dieser Gebiete vereinbaren.

d) Naturschutzgebiete (§ 23 BNatschG)
Naturschutzgebiete (NSG) sind rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete
in denen ein besonderer Schutz von Natur und Landschaft,
beispielsweise zur Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung
von Biotopen oder Lebensgemeinschaften wild lebender Tiere und
Pflanzen, erforderlich ist. Als Naturschutzgebiete können Flächen
auch ausgewiesen werden, wenn sie aus wissenschaftlichen oder
naturgeschichtlichen Gründen sowie wegen ihrer Seltenheit oder besonderen
Schönheit schützenswert sind. Dies können zum Beispiel
Moorlandschaften, Heideflächen, Gebirgslandschaften oder Wälder
sein. Jedes Naturschutzgebiet ist in einer Naturschutzgebietsverordnung
beschrieben. Unter anderem sind dort Schutzzweck, Größe
und erlaubte oder nicht erlaubte Handlungen aufgeführt. In Naturschutzgebieten sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung,
Beschädigung oder Veränderung des Naturschutzgebietes in
Teilen oder im Ganzen führen können.

Für Naturschutzgebiete werden in der Regel Pflegepläne aufgestellt,
mit deren Hilfe die Entwicklung der Gebiete gesteuert werden soll.
Naturschutzgebiete können und müssen mitunter im Sinne des Pflegeplans
gezielt verändert werden, um ihren Schutzzweck zu erfüllen.
In Naturschutzgebieten ist das Betreten meist streng geregelt.
Wenn es der Schutzzweck ermöglicht, kann der Allgemeinheit ein
Zugang erlaubt werden. Insbesondere zum Zweck der Erholung und
des Naturerlebens sind Naturschutzgebiete auf ausgewiesenen Wegen
betretbar. Drachen-, Gleitschirm- und Modellflug ist in manchen
Naturschutzgebieten erlaubt. Mehrere Flugplätze, vor allem
Segelfluggelände, sind Bestandteile von Naturschutzgebieten. Der
Schutzstatus schränkt den Flugbetrieb keineswegs übermäßig ein.
Im Gegenteil, viele Platzbetreiber betrachten ihn als wichtigen Beitrag
zur Bestandssicherung des Geländes.

e) EU-Vogelschutzgebiete (§§ 10, 32, 33 BNatschG)
Ziel der Vogelschutzrichtlinie (Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom
2. April 1979) sind der langfristige Schutz und die Erhaltung aller
wild lebenden Vögel und ihrer Lebensräume in Europa. Für die rund
180 Vogelarten, die aufgrund ihres geringen Bestandes beziehungsweise
ihrer begrenzten Verbreitung schutzbedürftig sind, haben sich
die Mitgliedstaaten verpflichtet, die am besten geeigneten Gebiete
als besondere Schutzgebiete auszuweisen (SPAs= Special Protection
Areas). Auch die Brut-, Mauser-, Überwinterungs- und Rastgebiete
der Zugvogelarten bei der Wanderung zählen dazu. In Deutschland
betrifft dies unter anderem Weißstorch, Kranich, Uhu, Eisvogel
oder Birkhuhn. Zu den typischen luftfahrtrelevanten Arten der Vogelschutzrichtlinie, die unter anderem auf Flugplätzen anzutreffen
sind, gehören Wachtelkönig, Neuntöter, Heidelerche, Schwarz- und
Rotmilan, Wespenbussard, Rebhuhn oder Kiebitz (Stand 2008).

In der Vogelschutzrichtlinie werden auch die Wiederherstellung und
Neuschaffung von Lebensstätten gefordert. „Unter der Bewahrung
und Wiederherstellung versteht man beispielsweise die Durchführung
von Maßnahmen wie Mahd und Entbuschung der Magerrasen
auf Fluggeländen“ [Balzer 2003, S. 66]. Gerade Flugplätze können
unter bestimmten Bedingungen wertvolle Teile von EU-Vogelschutzgebieten
sein [Albrecht, Esser 2007]. Voraussetzung dafür ist, dass
keine erheblichen Störungen durch die Luftfahrt erzeugt werden (siehe
Infokasten). Für den Schutz von EU-Vogelschutzgebieten sind
in Deutschland alle Schutzkategorien möglich, meist sind es Naturoder
Landschaftsschutzgebiets-Verordnungen.

Informationen zu den EU-Vogelschutzgebieten der Länder, über ihre
Lage und Ausdehnung, Erhaltungsziele und geschützte Arten gibt es
auf den Internetseiten der Umweltministerien. Die EU-Vogelschutzgebiete
sind Teil des Natura-2000-Netzes.

f) EU-Fauna-Flora-Habitat-Gebiete (§§ 10, 32, 33, 34, 35, 37 BNatschG)
Ziel der 1992 beschlossenen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Richtlinie
92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 über die Erhaltung der natürlichen
Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen,
kurz: FFH-Richtlinie; Fauna = Tierwelt, Flora = Pflanzenwelt, Habitat =
Lebensraum), ist es, die Erhaltung der biologischen Vielfalt zu fördern.
Hierzu wurde ein Netz besonderer Schutzgebiete mit der Bezeichnung
Natura 2000 aufgebaut und Bereiche mit seltenen oder gefährdeten
Lebensraumtypen, Tier- und Pflanzenarten unter Schutz gestellt. Dahinter
steht die Erkenntnis, dass viele Arten nicht nur von einem intakten
Lebensraum abhängig sind, sondern für ihr langfristiges Überleben
auf einen Lebensraumverbund und Austausch angewiesen sind. FFHGebiete
werden in Deutschland über eine Natur- oder Landschaftsschutzgebiets-
Verordnung geschützt, in der Schutz-, Erhaltungs- und
gegebenenfalls Entwicklungsziele festgeschrieben sind.

In den FFH-Gebieten sind die im Anhang I der FFH-Richtlinie aufgeführten
Lebensraumtypen und die in weiteren Anhängen aufge-
führten Pflanzen- und Tierarten geschützt. Unabhängig davon gilt ein
strenger Artenschutz für die in Anhang IV gelisteten Arten.
Einige der durch die Richtlinie geschützten Lebensräume (zum Beispiel
Borstgrasmagerrasen, Kalkmagerrasen, Sandmagerrasen in
bestimmten Ausprägungen) finden sich auf Flugplätzen und Fluggeländen
oder in deren unmittelbarer Nachbarschaft. Einige Flugplätze
und Fluggelände, vor allem Modellflug-, Gleitschirm- und Hängegleiterstartplätze
sowie Segelfluggelände liegen in FFH-Gebieten. Neuzulassungen
von Fluggeländen in FFH-Gebieten sind möglich. Voraussetzung
ist jedoch eine Verträglichkeitsprüfung, die je nach Vorhaben
sehr umfangreich ausfallen kann und nachweisen muss, dass durch
das Vorhaben keine erheblichen Beeinträchtigungen der Erhaltungs-,
Schutz- und gegebenenfalls Entwicklungsziele entstehen können.
Informationen zu den FFH-Gebieten der Länder, über ihre Lage und
Ausdehnung, Erhaltungsziele und geschützte Arten gibt es auf den
Internetseiten der jeweiligen Umweltministerien. Das Bundesamt für
Naturschutz bietet hierzu einen Webdienst FFH sowie eine CD-ROM
zu Natura 2000 (NaBiV 14) an. FFH-Gebiete bilden zusammen mit
den EU-Vogelschutzgebieten das Natura-2000-Netz.

g) Biosphärenreservate oder Biosphärengebiete (§ 25 BNatschG)
„Die von der UNESCO anerkannten Biosphärenreservate sind Modellregionen,
in denen das Zusammenleben von Mensch und Natur
beispielhaft entwickelt und erprobt wird. Sie schützen Kulturlandschaften
vor zerstörenden Eingriffen und erhalten und entwickeln
wertvolle Lebensräume für Mensch und Natur. Sie sorgen für ein
ausgewogenes Verhältnis von menschlicher Nutzung und natürlichen
Kreisläufen und tragen damit zur regionalen Wertschöpfung
bei. Biosphärenreservate ermöglichen exemplarische Erkenntnisse
für Forschung und Wissenschaft über die Wechselwirkungen von
natürlichen und gesellschaftlichen Prozessen.“ [www.europarcdeutschland.
de] Ein Biosphärenreservat, neuerdings auch Biosphärengebiet
genannt, ist in Kernzone, Pflegezone und Entwicklungszone
eingeteilt.

Ziel ist es, Konzepte eines harmonischen Miteinanders von Mensch
und Natur im Sinne einer ökologisch, ökonomisch und soziokulturell
tragfähigen Entwicklung zu konzipieren und dauerhaft umzusetzen.
Das weltweite Netz der Biosphärenreservate/Biosphärengebiete
setzt sich mittlerweile aus über 531 Schutzgebieten in 105 Staaten
zusammen (Stand 2008).

Beispiel: Biosphärenreservat Rhön
Luftfahrerische Aktivitäten finden in vielen Biosphärenreservaten
und -gebieten statt. Das Biosphärenreservat Rhön mit der Wasserkuppe,
dem „Berg der Flieger“, nimmt hier sicherlich eine herausragende
Bedeutung ein. Der Sonderlandeplatz Wasserkuppe ist ein
überaus attraktives Ziel für Luftfahrer verschiedenster Luftfahrzeugklassen.
Der Segelflug ist hier entstanden. Seit Langem teilen sich
die Segelflieger ihren Berg und den Luftraum über der Rhön mit
den Drachen-, Gleitschirm- und Modellfliegern – und zum Beispiel
mit dem Schwarzstorch und verschiedenen Greifvogelarten. Im gesamten
Biosphärenreservat findet sich eine große Zahl von naturschutzfachlich
geprüften Start- und Landeplätzen für diese Piloten.
Sie alle wissen um die Sensibilität des Raums, in dem sie fliegen.
Viele Piloten helfen aktiv mit, diesen Lebensraum zu erhalten, und
nehmen Rücksicht auf die Bedürfnisse der Arten.

h) Naturparks (§ 27 BNatschG)
Naturparks sind geschaffen worden, um großräumige Kulturlandschaften,
die aus Naturschutzgründen sowie wegen ihrer besonderen
Eigenart und Schönheit von herausragender Bedeutung sind, zu
erhalten, zu pflegen, zu entwickeln oder wiederherzustellen. Jeder
Naturpark repräsentiert dabei eine einzigartige Landschaft mit ih-
rem besonderen Erscheinungsbild.Ein typisches Beispiel für
einen Naturpark ist die Lüneburger Heide, die erst durch die Bewirtschaftung
so entstanden ist. Naturparks verbessern die Möglichkeiten
einer landschaftsbezogenen Erholung, insbesondere für
die Bevölkerung der Ballungsgebiete, und fördern besonders in
strukturschwachen Regionen die Entwicklung eines nachhaltigen
Tourismus. Die Erholungsmöglichkeit ist im Regelfall ausdrücklich
in der Naturparkverordnung festgeschrieben.

Auch Naturparks schließen luftfahrerische Aktivitäten keineswegs
aus, im Gegenteil. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Naturpark Nuthe-
Nieplitz [Plücken 2003, S. 84].
Informationen zu Naturparks finden sich unter www.naturparke.de
beim Verband Deutscher Naturparke (VDN).

i) Nationalparks (§ 24 BNatSchG)
Nationalparks haben in Deutschland einen sehr hohen Schutzstatus.
Sie umfassen großräumige, besonders schöne oder seltene Naturlandschaften,
die im überwiegenden Teil die Voraussetzungen für
ein Naturschutzgebiet erfüllen. Die zu schützenden Gebiete sollen
sich in einem vom Menschen nicht oder nur wenig beeinflussten
Zustand befinden oder zu einem solchen Gebiet entwickelt werden
(zum Beispiel Entwicklungszone im Nationalpark Harz). Sie dienen
der Erhaltung eines möglichst typischen, artenreichen heimischen
Tier- und Pflanzenbestandes und seiner natürlichen Dynamik. Wirtschaftliche
Nutzungen sind vor allem in den Kernzonen der Nationalparks
ausgeschlossen, in der Entwicklungszone dienen sie lediglich
zur Wiederherstellung einer guten Ausgangsbasis für eine natürliche
Entwicklung. Soweit es der Schutzzweck erlaubt, können Nationalparks
der Allgemeinheit zugänglich gemacht und für naturnahe Erholungsformen
und Bildung erschlossen werden. Außerdem dienen
sie der Forschung.

Ein großes, auf den ICAO-Karten verzeichnetes
Gebiet (als ABA gekennzeichnet) ist zum Beispiel der Nationalpark
Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, der für Luftfahrer ein faszi-
nierendes, zugleich aber auch störungssensibles Ziel darstellt. Luftfahrt
ist in Nationalparks keinesfalls grundsätzlich ausgeschlossen.
Gleitschirm- und Drachenflieger sind zum Beispiel im Nationalpark
Berchtesgaden willkommen, müssen hier jedoch spezielle Regeln
einhalten. In den Nationalparks Sächsische Schweiz und Unteres
Odertal zum Beispiel zeigen Pilotinnen und Piloten den Einheimischen
und Gästen die Schönheit der Parks aus der Luft – in ausreichender
Höhe. Hier wie auch in anderen Nationalparks gibt es
freiwillige Vereinbarungen zwischen den örtlichen Luftfahrtvereinen,
Flugplätzen und der Parkverwaltung, in denen die Regeln für die störungsarmen Flüge über den Nationalparks beschrieben sind.

Natura 2000 - Das europäische Schutzgebietsnetz
In jedem Mitgliedstaat der EU haben sich durch klimatische, geologische, topographische und landeskulturelle Unterschiede typische und einmalige Lebensräume mit einer großen Artenvielfalt entwickelt. Mit den Gemeinschaftsrichtlinien über die Erhaltung der wildlebenden
Vogelarten in Vogelschutzgebieten und die Erhaltung der natürlichen
Lebensräume und Arten in FFH-Gebieten wurden Rechtsvorschriften
für den Schutz seltener Lebensräume und Arten geschaffen. Ziel ist
es, innerhalb dieses Schutzgebietssystems „Natura 2000“ das europäische
Naturerbe mit seinen hohen biologischen, ästhetischen und
kulturhistorischen Werten zu sichern. Die Rechtsgrundlagen finden
sich in den Richtlinien 79/409/EWG und 92/43/EWG. Die Tätigkeiten
des Menschen in den ausgewiesenen Schutzgebieten dürfen die Erhaltungsziele für die Lebensräume nicht beeinträchtigen und müssen
eine Gefährdung der Arten ausschließen (Verschlechterungsverbot).
Durch die Vielfalt an Lebensformen, die Schönheit der Landschaften
und den Schutz der biologischen Vielfalt wird letztlich auch die Lebensqualität
für den Menschen gewahrt.

Zu den bekannten Schutzgebietskategorien kommt durch die Zugehörigkeit
zur Europäischen Gemeinschaft beziehungsweise Union also eine neue Schutzkonzeption hinzu. Diese basiert auf den beiden bereits behandelten Richtlinien, der Vogelschutzrichtlinie und der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie.
Diese Richtlinien bilden gemeinsam die rechtliche Grundlage für
das europäische Schutzgebietssystem „Natura 2000“. Die Mitgliedstaaten
tragen damit zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in Europa
bei. Die Richtlinien der Europäischen Gemeinschaft sind für alle
Mitgliedstaaten rechtlich verbindlich. Sie müssen zu ihrer Umsetzung
in die jeweilige nationale Gesetzgebung übernommen werden.
Für Deutschland ist dies in § 32 BNatschG erfolgt.

Rote Listen
Rote Listen sind von Experten erstellte Bewertungen der Gefährdung
von Tier- und Pflanzenarten sowie Lebensraumtypen. Gefährdet
bedeutet, dass die Arten beispielsweise durch Lebensraumverlust,
Jagd/Fang, Störungen oder Verdrängung in ihrem Bestand gefährdet
sind. Ähnliches gilt für Lebensraumtypen, die durch Flächenverluste
wie zum Beispiel landwirtschaftliche Nutzung, Nutzungsaufgabe
oder Überbauung sowie qualitative Verschlechterungen
gefährdet sind. Der Grad der Gefährdung wird durch Zuordnung in
verschiedene Kategorien dargestellt. Bei den Tieren und Pflanzen
sind dies beispielsweise:
Kat. 0: ausgestorben oder verschollen
Kat. G, 3, 2, 1: Bestand gefährdet
(Gefährdung zunehmend von 3 nach 1)
Kat. R: extrem selten
Kat. V: Vorwarnliste
Kat. D: Daten ungenügend, daher keine Einstufung
Von den untersuchten Tiergruppen wurden insgesamt 40 Prozent der
Arten in die Kategorien 1, 2, 3, G und R eingestuft. Drei Prozent aller
untersuchten Arten sind ausgestorben oder verschollen, weitere
drei Prozent der Tierarten wurden in die Vorwarnliste aufgenommen
[Bundesamt für Naturschutz April 2008: www.bfn.de/0322_
tiere.html].
Die Roten Listen werden international und für die Bundesrepublik
Deutschland sowie die Bundesländer in regelmäßigen Abständen
erstellt. Das Bundesamt für Naturschutz gibt die Roten Listen der
gefährdeten Arten und Biotope in Deutschland heraus. 2006 wurden
hier über 16.000 Arten aufgeführt, 530 mehr als zwei Jahre
zuvor. Die Rote Liste der Biotope von 2006 stuft etwa 70 Prozent
aller Biotoptypen in Deutschland als gefährdet ein. Informationen
zu den Roten Listen sind unter folgendem Link abrufbar:
www.bfn.de/0321_rote_liste.html
Die Roten Listen der Bundesländer sind bei den jeweiligen Naturschutzbehörden
erhältlich.

Agenda 21
Aktionsprogramm der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung im Juni 1992 in Rio de Janeiro.

Wörtlich übersetzt bedeutet Agenda „das, was zu tun ist“ und kann daher als Arbeitsprogramm für das 21. Jhdt. verstanden werden. Die 179 Unterzeichnerstaaten verpflichten sich auf das Ziel einer dauerhaft umweltgerechten Entwicklung. Im Rahmen einer weltweiten Partnerschaft wird angestrebt, Wirtschaft und soziale Belange mit dem dauerhaften Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen in Einklang zu bringen.

Da viele angesprochenen Probleme und Lösungen auf Aktivitäten auf der örtlichen Ebene zurückzuführen sind, ist die Beteiligung und Mitwirkung der Kommunen ein entscheidender Faktor bei der Verwirklichung der Ziele. Als Politik- und Verwaltungsebene, die den Bürgern am nächsten ist, spielen sie eine entscheidende Rolle bei der Informierung und Mobilisierung der Öffentlichkeit.

Umweltzerstörung findet trotz der unterschiedlichen globalen Formen dort statt, wo Menschen leben und wirtschaften. Ein wichtiger Kernpunkt der dauerhaft-umweltgerechten Entwicklung ist daher das Prinzip, dass Städte und Gemeinden ihre Probleme nicht in die weitere Umgebung oder in die Zukunft exportieren dürfen. Stattdessen sollen alle Ungleichgewichte und Probleme zunächst intern auf lokaler Ebene gelöst werden.