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Deutscher Gleitschirm- und Drachenflugverband e.V.

DHV

Informationen zur Windennachprüfung

Nachprüfung einer stationären Winde

Nachprüfung von Schleppwinden durch DHV-Windennachprüfer

-Wichtig für alle Halter von Schleppwinden-

Diese Überschrift weckt Erinnerungen und jeder Vereinsvorsitzende und private Windenhalter denkt unwillkürlich an seine Schleppwinde und natürlich auch an die Nachprüfpflicht.

Mal die Hand auf’s Herz, wann wurde eure Winde zuletzt turnusmäßig nachgeprüft ?

Nach unserem Aktenstand werden die Nachprüfungen leider sehr oft nicht oder nicht regelmäßig durchgeführt. Der Termin wurde übersehen oder schlichtweg vergessen. Dass eine nicht durchgeführte Nachprüfung den Verlust des Versicherungsschutzes nach sich zieht, ist vielen Windenhaltern ganz offensichtlich nicht bekannt. Bei einer nicht nachgeprüften Schleppwinde besteht keine gültige Betriebserlaubnis. Dieser Zustand ist vergleichbar mit einem Auto, dessen TÜV abgelaufen ist. Es ist also kein Kavaliersdelikt, sondern eine Ordnungswidrigkeit, die im Falle eines Unfalls auch zivilrechtliche Konsequenzen für den Halter haben kann.

Nachprüfungen sind luftrechtlich vorgeschrieben.

In der Verordnung zur Prüfung von Luftfahrtgeräten (LuftGerPV ) ist die Nachprüfung auch von Luftsportgeräten und Schleppgeräten geregelt (§§ 14-20). Der turnusmäßige Nachprüfintervall für nicht-motorgetriebene Luftsportgeräte und für Schleppwinden beträgt 24 Monate. Der Beauftragte (DHV) bestimmt nach § 19 (4) LuftGerPV, ob er die Nachprüfung von Luftsportgerät selber durchführt oder sie von luftfahrttechnischen Betrieben oder von Herstellungsbetrieben durchführen läßt. In jedem Fall erhält der Halter vom Nachprüfer bei positiv durchgeführter Nachprüfung einen Nachprüfschein, der auf Anfrage der zuständigen Stelle vorzulegen ist.

Der DHV konnte durch die Neufassung der LuftGerPV dem Wunsch vieler Vereine und privater Windenhalter nachkommen und selbständige, eigenverantwortliche Windennachprüfer (WNP) ausbilden, die vor Ort die vorgeschriebenen Nachprüfungen durchführen können. Dadurch werden  die bisher langen Anfahrtswege zu Herstellern und der damit verbundene Zeitaufwand für die Halter geringer. Mit dieser Regelung konnte eine wirtschaftliche, umweltfreundliche und praktikable Lösung erreicht werden. Selbstverständlich sind die Herstellungsbetriebe auch weiterhin für ihre Schleppwinden nachprüfberechtigt.

Die Windennachprüfer sind vom DHV für die Nachprüfungen von stationären Schleppwinden anerkannt. Die Nachprüfungen von mobilen Abrollwinden und Festseilsystemen werden grundsätzlich durch den Herstellungsbetrieb vorgenommen. Die Nachprüfungen erfolgen einheitlich nach der aktuellen „Prüferanweisung für DHV-anerkannte Windennachprüfer“. Die Nachprüfer prüfen, ähnlich wie ein „Technischer Überwachungsverein“, die Schleppwinden. Bei festgestellten Mängeln, die nicht vom Halter oder dessen Windenwart repariert werden können, muss die Schleppwinde von einem Herstellungs- oder Wartungsbetrieb Instand gesetzt werden. Der Herstellungsbetrieb bestätigt die Betriebstauglichkeit und die Übereinstimmung mit dem zugehörigen Gerätekennblatt im Nachprüfschein.

 

Wissenswertes für den Halter einer nachprüfpflichtigen Schleppwinde

Vorbereitungen für die Nachprüfung
Bevor die Anmeldung bei einem Windennachprüfer erfolgt, sollten eigene Zugkraftmessungen mit einer im Regelfall mitgelieferten Federwaage durchgeführt werden. Die gemessenen Werte sind mit der Zugkraftanzeige zu vergleichen. Die Abweichungen dürfen dabei nicht größer als 100 N (10 kg) sein. Besitzt die Winde eine Zugkraftvorwahl, so ist diese ebenfalls zu überprüfen. Die Zugkraft bei eingekuppelter Seiltrommel im Standgas darf nicht mehr als 200 N (20 kg) betragen. Die maximal zugelassene Zugkraft für den Einsitzerschlepp beträgt 1000 N (100 kg), für den Doppelsitzerschlepp 1300 N (130 kg).  Wichtig für alle Messungen ist ein gut eingestellter, betriebswarmer Motor.

Die Lastspitzen, die bei Böen oder Starkwind auftreten, wenn die Seiltrommel vom Aufwickelbetrieb in den Seilausgabebetrieb regelt, dürfen nicht höher als 200 N (20 kg) sein. Diese Messung ist mit der Federwaage schwierig durchzuführen und sollte mit einer DMS-Waage durchgeführt werden.

Eine einfache Überprüfungsmethode, die der Windenführer mit einem Helfer leicht durchführen kann, ist die Belastungsprüfung mit einer 1500 N-Sollbruchstelle. Dazu befestigt man möglichst Nahe an der Anhängerkupplung des ca. 30 Meter entfernt stehenden Zugfahrzeugs eine 1500 N-Sollbruchstelle und verbindet diese dann mit dem Schleppseil (nicht Vorseil). Der Windenführer zieht nun vorsichtig das Schleppseil an und erhöht die Zugkraft auf zuerst 900 N. Dabei hält er in der anderen Hand die Bremse, um jederzeit die Seiltrommel bei einem Riss der Sollbruchstelle abbremsen zu können. Wenn nun diese Zugkraft erreicht ist, fährt der Autofahrer langsam an und zieht im Schritttempo das Schleppseil unter Last einige Meter aus (die Trommel läuft nun rückwärts und gibt Seil aus). Die Sollbruchstelle darf dabei nicht reißen. Die gleiche Prozedur wird anschließend mit 1000 N Zugkraft durchgeführt. Wenn auch dabei die Sollbruchstelle nicht reisst, liegt der Rücklaufwert sicher unter der Sollbruchstellen-Nennlast von 1500 N und die Winde regelt ab. Reißt die Sollbruchstelle allerdings bei dieser Prüfung, muss davon ausgegangen werden, dass die Zugkraftregelung nicht einwandfrei funktioniert. In diesem Fall ist es ratsam, die Winde vom Hersteller oder einem Fachmann überprüfen und einstellen zu lassen.

Die Bremsen sollten gut eingestellt sein und nicht blockieren. Die Bremsbelege sollten überprüft werden, ebenso die Bremszüge und die Bremsflüssigkeit.

Die Kappvorrichtungen müssen Einfach-Seil und Reparaturstelle sicher durchtrennen. Alle Auslösemöglichkeiten müssen einwandfrei funktionieren. Die Auslösezüge sind auf Beschädigung zu kontrollieren. Die Lochblende (Abdeckblech am Kappmesser) ebenfalls kontrollieren.

Die gelbe Rundumleuchte muss funktionieren. Wenn sie nicht abnehmbar ist, muss sie während des Transportes auf öffentlichen Straßen abdeckbar sein.

Das Vorseil (Gabelseil, Abstandsseil, Seilfallschirm, Sollbruchstelle und Reffseil) ist auf Verschleiß zu überprüfen und bei Bedarf auszuwechseln. Sind die Schutzschläuche auf dem Gabel- bzw. Abstandsseil ordentlich angebracht und ist die Sollbruchstelle in Ordnung?

Die Seiltrommel muss einwandfrei rund laufen und ein geordnetes Wickelbild aufweisen.

Das Schleppseil sollte gemäß Herstelleranweisung korrekt repariert sein und sich in gutem Zustand befinden. Auf rutschende Klemmen bei Stahlseil achten.

Die Schwingungsdämpfung der Seiltrommel sollte überprüft werden. Dies kann simuliert werden, indem die Seiltrommel einkuppelt wird und das vorher ca. 5 m ausgezogene und gut befestigte Schleppseil intervallmäßig von Standgas auf Vollgas angezogen wird. Schaukelt sich dabei die Trommel auf und kommt nicht relativ schnell in eine stationäre Lage, muss die Dämpfung überprüft und möglicherweise neu abgestimmt werden.

Den Erdungsspieß mit Kabel kontrollieren und bei dieser Gelegenheit auch die Rahmen / Deichselverbindungsschrauben mitprüfen.

Dass die Winde in gereinigtem Zustand dem Nachprüfer vorgestellt wird, sollte selbstverständlich sein.

Dokumente
An der Winde muss ein Typenschild angebracht sein, ebenso auch die Gütesiegelplakette, bzw. die Musterzulassungsplakette. Bei älteren Winden kann es vorkommen, dass die Plaketten im Laufe der Zeit unleserlich geworden oder nicht mehr vorhanden sind. Deshalb ist es wichtig, dass die Musterprüfnummer auch auf dem Typenschild vermerkt wird. 
Bei Serienwinden neuerer Baujahre ist die Neubeschaffung der Plaketten kein Problem. Sie kann direkt vom Hersteller bezogen werden. Sinnvoll ist es, die Plakette mit einer angeschraubten Plexiglasscheibe zu schützen. Das Typenschild sollte ebenfalls verschraubt oder an der Winde angenietet sein. Angeklebte Schilder oder Plaketten lösen sich beim Reinigen mit dem Dampfstrahler leicht ab und gehen verloren.

Wenn die Winde bereits nachgeprüft wurde, existiert eine Bescheinigung über die Nachprüfung. Diese ist dem Nachprüfer zusammen mit der Betriebsanleitung der Winde am Prüftag vorzulegen. In ihr sind auch alle bisher genehmigten Änderungen, wie z. B. Verwendung von Kunststoffseil oder der Einbau einer automatischen Bremse für den Stufenschlepp vermerkt.

Anmeldung zur Windennachprüfung bei einem DHV-Windennachprüfer
Wenn ihr eure Winde, wie oben beschrieben, selbst sorgfältig überprüft habt, sucht ihr aus der Windennachprüfer Liste euren Wunschprüfer aus und vereinbart Termin, Ort und Kosten mit ihm. Gebt ihm auch den genauen Windentyp mit der Gütesiegel- und Werknummer an, damit er sich im Vorfeld über etwaige technische Änderungen beim DHV-Technikreferat erkundigen kann. Dies erspart vor Ort größere Transaktionen.

Dauer und Kosten
Die Nachprüfung dauert ca. 1-2 Stunden, wenn alles gut läuft. Die Fahrtkosten und die Nachprüfgebühren werden direkt mit dem Nachprüfer abgerechnet. Das Original des Nachprüfscheins bekommt der Windenhalter, eine Kopie erhält das DHV-Informationsbüro für Schlepp und eine Kopie verbleibt beim Nachprüfer.

Damit der nächste Nachprüftermin nicht vergessen wird, klebt der Nachprüfer eine Jahresplakette (ähnl. einer TÜV-Plakette) in den Sichtbereich des Windenführers an das Instrumentenbrett.

Wiedervorführung
Sind an der Schleppwinde große Mängel festgestellt worden, die nicht vom Halter oder seinem Windenwart behoben werden können, muss die Winde zu einem Herstellungsbetrieb zur Reparatur. Dieser beseitigt die Mängel und bestätigt die erfolgreiche Nachprüfung. Ist eine Wiedervorführung angeordnet, darf die Winde erst nach Behebung der Mängel und mit abgestempeltem Nachprüfschein wieder eingesetzt werden

Achtung:  Die Winde muss im vollständigen Gütesiegelzustand vorgeführt werden. Dazu gehört auch das komplette Vorseil mit der Sollbruchstelle und die gelbe Rundumleuchte. Bitte nichts vergessen!

 

 

 

 

 

 

DHV-Windennachprüfer Liste 04/2018