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Deutscher Hängegleiterverband e.V.

DHV

Quest Air Nationals 2018

Quest Air Nationals (15. - 21. April 2018)


Airtribune/Blog

Ergebnisse

21. April - Letzter Tag – wetterbedingt gecancelt

Der morgendliche Blick aus dem Fenster war gleich ernüchternd. Wenig Sonne und einige tiefliegende dahinwehende Schwaden über dem Lake Minnehaha, an dem unsere nette WG ihr Quartier bezogen hat. Jetzt aus einem klammen Zelt am Quest Airfield klettern zu müssen, lässt meinen frischgebrühten Kaffee mit idyllischem Seeblick noch edler erscheinen. Dennoch, Sergey gab uns ein erstes Wetterupdate und schüttelte eher nur mit dem Kopf. „No way today!“ Wir erscheinen um 10:30 Uhr zum  angesetzten Briefing und werden vom Wettermann Larry Bunner nur bestätigt. Dennoch noch kein gecancelter Tag. Eine angesetzte Wetterdiskussion verblieb wortkarg - die ersten Nordost-Böen fegten durch das Openair Briefingareal und Wolkentürme bauten sich bereits auf. Dennoch ungewohnte Stille unter den Piloten. Dann von Davis eine Meinungsbild-Abfrage, wer denn überhaupt zum jetzigen Zeitpunkt nicht aufbauen würde… Blitzartig schnellten nahezu ALLE Hände in den Himmel! Ok, das Safety Komitee zog sich kurz zur Beratung zurück, bevor Belinda den letzten Tag cancelte. Das waren sie also, die Quest Air Nationals 2018 und ich werde auch im nächsten Jahr diese schöne Florida-Reise antreten und andere deutsche Piloten von diesem mit viel Liebe zum Detail organisierten Comp zu überzeugen versuchen. Ich bin sehr froh, dass mich Corinna zu diesem Abenteuer im Sunshine-State motiviert hat! 

Im vorausgesagten Zweikampf zwischen Christian und Zac triumphierte der Amerikaner auf seinem T2C WW. Ansonsten waren alle Tophersteller wie Willswing, ICARO und AEROS auf dem Podium vertreten. John Simon (USA) erflog sich sensationell den 3. Rang.

Belinda und Davis wurden mit Standing Ovations für ihre wunderbare Organisation tosend gewürdigt. Davis mal sprachlos und mit den Tränen kämpfend zu erleben, ist schon was Besonderes!

I will be back!! Sooooon!
Cu Joerg

20. April - Task 4, 126 km - Out and return to Wales

„The returning to a typical Florida spring day“

Unterschiedlicher können für diesen Freitag die Vorhersagemodell nicht ausfallen. NAM3 sagt schwächste bis gar keine Thermik mit Basishöhen von unter 700 m bei starkem NO-Wind voraus und es sah so aus, als sei es das mit dem Comp gewesen. Dann die optimistische RAP-Modellvorhersage am Freitag Morgen, mit leichter NO-Strömung, Basis bei 1300 und steigend sowie Thermikgüte von zwischen 2,5 und 3,5 m/sek. Meetdirektor Davis versuchte es. Setzte den ersten von sechs Starts bei früh aufpoppenden Wolken bereits auf 13:30 Uhr. Und er sollte recht behalten. 

Zur ersten Startzeit formierten sich wunderschöne Wolkenstraßen gen Süden. Ein großes aber diszipliniertes Getümmel unter der ersten haarscharf am Startzylinderrand schwebenden Wolke und die Piloten legten einen Blitzstart hin.

Das ist Floridafliegerei, wie ich sie kenne. Der Pulk scannte effektiv die Landschaft  auf den ersten 50km bis zur I-4. Niemand blieb zurück, einige lösten sich kurz, wurden aber so wie ich wieder gnadenlos eingeholt, hatte man nicht „immediately“ den 3 1/2er vorweg aufgerissen. Südlich der I-4 (Interstate 4 gen Tampa) entschleunigte ein größeres blaues Loch unseren Flugstil. Hatte mich ebenfalls wieder absetzen können und überflog mit wenigen zum ersten Mal das Goal Airport Wales, mit der Hoffnung auf einen erneuten Lift. Nö… Fehlanzeige, zu euphorisch vorgeprescht. Ab in den Suchmodus in 500 m. Egal, Richtung Wende Avon Park sehen die Wolken wieder besser aus. Und hier erwartete uns auch gleich mit einem breiten Grinsen die größte Basishöhe mit 1800m. Bei einem leichten 10er Gegenwind Richtung nördliches Ziel war dieser Drop gelutscht. 16 km-Finalglide auf einen wunderschön daliegenden Airport, der in den nächsten Minuten 37 Goalis aufnehmen sollte. Zum Glück hatte man den ankommenden Schwarm dem Flughafen-Manager bereits telefonisch angekündigt. 

Ließ es mir nicht nehmen, noch einmal über dem Airfield für ein Fotoshooting aufzudrehen, um dann sicher neben den Ersten zu landen. Alle 3 Starrflügler formierten sich bereits auf der Landewiese. Patrick hatte damit die Overall-Wertung seiner Klasse im Sack! Gratulation! 

Bei den Flexis bahnte sich ein Flügel an Flügel Rennen zwischen Zac und Christian an. Ciech war zwar als Erster mit der ersten Zeit im Ziel, Majors hingegen war 15 min schneller mit der dritten Zeit unterwegs. Die Auswertung bleibt daher spannend. 

Es war wunderbar mit anzusehen, dass sich pünktlich zum Ende dieses Comps ein typischer Florida-Tag einstellte, mit jeder Menge hochbasiger Wolken, wenig Wind und immer ausreichenden Steigwerten bis in den Sonnenuntergang Floridas.

Davis Straub: „This is why we fly here.“

Liebe Grüße
Jörg

 

19. April - Task 3 – To Suzane – 67km

Es sind deutlich andere Flugbedingungen hier, als noch vor 12 Jahren. Zumindest fühlt es sich nach 2 absolvierten Tasks für mich so an. Niedrige Basis und ein Thermikpotenzial eines einzelnen Alligatorpups. Quasi nichts für schwere Jungs oder kleine Drachenflächen. Das sollte sich heute ins andere Extrem ändern. Viel Westwind, der das mit Wald umsäumte Quest Airfield unweigerlich in einen einzigen leeigen Turbolenzenkessel verwandelte. Die Tug-Piloten waren heftig gefordert, den Schleppverbund so schnell es geht – am besten aus dem Stand heraus  – aus dieser verwirbelten Luftmasse zu heben. Kein leichtes Unterfangen, so dass das Safety-Komitee arg gefordert war. Man gab am Ende nach zig Pilotenbedenken jedoch das „Go“ für den Tag und hoffte auf konzentrierte Piloten am Seil. Nicht wenige Piloten cancelten ihren Start gleich hier.

Und ja, der Start war übermäßig sportlich, die Sollbruchstellen glühten und waren stets am Limit, bis man ab knapp 200 Meter in laminare Luftmassen geriet. Eine Wohltat! 

Und dann begann das Startposition-Jojospiel mit enormen Versatz gen Osten, galt es doch am komfortabelsten gen Süden „to Suzane“ zu gleiten. Also immer schön vorhalten. Basis hob sich im Tagesverlauf, dafür zerblies es die Thermikschläche bereits ab 500 Höhenmetern. Man musste quasi JEDE angestochene Thermik mitnehmen und nicht gleich am Boden zu stehen. Das gelang im Pulk gut bis etwa zur Hälfte der 67 km ausgeschriebenen Strecke. Dann steigerte sich die Landequote. Hatte zu diesem Zeitpunkt etwas Glück, mich mit einem Nullschieber über ein riesiges Waldstück südlich der Wallaby-Ranch bis zur Hauptverkehrsader Nr. 27 zu retten. Erst da zog der Bart endlich mal kommod an und verschaffte mir mit 1300 Höhenmetern fern vom Kurs gelegen ungeahnte Möglichkeiten. War längst alleine unterwegs – glaubte ich zumindest. Das Sägezahnfliegen war nun Programm, um den US Highway 27 gen Suzane zu folgen. Das gelang mir eigentlich recht gut. Leider fehlte mir 14 km zum Goal noch ein einziger Lift, den ich mit einem weiteren Ostdrift zu finden versuchte. Keine Chance, keine Wolke mehr, nur noch flachliegende Rauchfahnen am Boden, die mir eine interessante Landung suggerierten. Pferdekoppeln, Rinderherden und Sumpfgebiete sind „bah“ … ich entschied mich bei einem 30er Wind für eine leicht abschüssige Weide in Siedlungsnähe und landete leider auch in Bienenstocknähe. Da Biene Maja und Co meine Drachenfarben so attraktiv fanden, wurd noch ein paar Meter in Eile fleißig getragen. Hier traf ich gleich den Hobbyimker – ein passionierter Piper-Pilot.

Was gestern so gar nicht klappen wollte, wurde heute durch meinen Fahrer präzisiert. Er stand nach 5 min gleich neben mir und reichte kühle Getränke. Ich bin mit der Ausbeute zufrieden, auch wenn es heute 16 Piloten schafften. 10km vor dem Goal war dann für viele Piloten bei zu großen Thermikabständen mangels Sucherfolges Schluss. Davis Straub und Carl Wallbank standen nach Airtribune-Studium auch in meiner Nähe. Schade, dass wir uns nicht zusammen gefunden haben.

Morgen lässt lt. Prognose der Wind nach und wechselt auf Nordost. Jetzt ist erst einmal Wein-o´clock :o)

Liebe Grüße Jörg



18. April -  99 km um 3 Wendepunkte

Mit Südwind konnten wir unsere Drachen direkt vor dem Headquarter-Zelt aufbauen und in aller Ruhe zum Briefing schlendern. Die Steigwerte und Basishöhen waren offensichtlich deutlich besser als am Vortag - es ging bis auf 1500m hoch! - viele Geier markierten uns die Bärte schon am Vormittag.

Mit neuer Funkfrequenz ausgestattet, starteten Patrick, Jörg und ich mit der ersten Zeit in die Aufgabe. Mir schien das sicherer, da am frühen Abend die Seabreeze einsetzen sollte und meistens die Thermik sehr schnell beendet.

Wir flogen bis zur zweiten Wende fast zeitgleich zusammen um den Kurs, doch dann gab es unterschiedliche Routen zur 40km entfernten dritten Wende. Ich hatte zunächst einen guten Lauf und flog wacker voraus, als ich leider kurz nach dem Quest-Airfield tief kam und einparken musste. In dem Augenblick holten mich die Piloten mit der zweiten Zeit ein. Alle großen Namen waren plötzlich zusammen in einem Pulk. Die Thermik schwächelte auf den letzten 30km zurück von der letzten Wende, so dass Geduld angesagt war. Ich landete nur wenige Minuten nach dem Tagessieger Christian Ciech im Ziel und bekam zur Belohnung die meisten Leading Points des Tages, weil alle anderen in den Top 10 die zweite Zeit genommen hatten! Das ist mir auch noch nie passiert. 

Jörg wendete mit 800m, allerdings mit kleinem Rückstand auf unseren Pulk. Er erreichte unsere kleine Blase zu spät und ging in den Suchmodus über. Leider landete er 22km vorm Ziel. 

Ein gutes Ergebnis hatte Starrflügelpilot Patrick Ruber. Er gewann die Starrflügelwertung mit satten 1000 Punkten und holte bis knapp hinter den 1. James Yocom auf in der Gesamtwertung.
Viele Grüße von Corinna


17. April - 50 km Zickzack um 3 Wendepunkte mit Ziel Wallaby Ranch

Am ersten fliegbaren Tag der Quest Air Nationals hatten wir blauen Himmel und eine starke Inversion, die und nur auf 750 m über Grund steigen liess. Der Nordwindeinschlag war deutlich, Steigwerte nur sehr moderat, weshalb eine kleine Aufgabe Richtung Süden gestellt wurde. Ich habe noch nie so häufig so sehr geschwitzt, weil man ständig wieder in Landeposition ging, falls die kleine Blase doch nichts wäre… Wir sind mit individueller Startzeit losgezogen, und da ich früh in der Startreihenfolge war, bin ich auch recht früh auf Strecke gegangen. Spätere Piloten hatten etwas stärkere Thermik und der Tagessieger, Christian Ciech, flog fast doppelt so schnell wie ich. 

Wir hatten Funkfrequenzen zugeteilt bekommen, doch auf unserer war leider ein Repeater, so dass Jörg und ich entnervt den Stecker gezogen haben. Leider hatte ich somit keinen Kontakt zu meinem Team und flog ganz alleine relativ langsam durch die Pampa. Als ich das Ziel erreichte und niemanden sehen konnte, dachte ich zunächst, vielleicht hatte ich eine falsche Koordinate? Wenig später jedoch kam Christian ins Ziel geschossen - danke seiner langen Beine hat er sogar die Rückenwindlandung vergleichsweise elegant aussehen lassen! 

19 Piloten landeten in Wallaby Ranch, und Besitzer Malcolm hiess uns herzlich willkommen - er versorgte uns mit Bier und Wasser, wir liessen unsere Füsse im Swimming Pool baumeln, und ich bekam sogar ein Wallaby T-Shirt geschenkt! Es sollte mir Glück bringen.
Corinna 

14. April - Testflüge

Testflight bei den Quest Air Nationals auf dem Groveland Airfield. Ein Aufbauplatz im Schatten unter dem großen Campingbaum war heißbegehrt. Der Wind fegte ab der Mittagszeit schon ordentlich über den Platz, so dass man die ersten Schlepps mit den Dragonflies nur visuell mit Unbehagen erlitt. Suchte mir dann eine spätere Zeit aus und es wurde in allem deutlich ruhiger. Basis lag gut bei 1800 und die Luft wirkte richtig schön klar. Mit 2-3 anderen Piloten ging es dann auf Sightseeing-Tour über die Seenlandschaft rund um das Airfield. Es war alles noch da, genau wie vor 10 Jahren, als ich hier das letzte Mal flog. Wunderschöner Abendflug pünktlich zum 19 Uhr Briefing der Teilnehmer, inklusive eines live zu verfolgenden Raketenstarts von der ca. 80 km entfernten Airbase in Cape Canaveral, grandios! Freue mich sehr auf diesen Comp mit so vielen bekannten Gesichtern aus meiner Quest Air-Sturm- und Drangzeit :)

LG Jörg

12. April - Anreise nach Florida

Weil der Winter in Europa eindeutig zu lange dauerte dieses Jahr, haben Jörg und ich beschlossen, uns in Florida bei den Quest Nationals anzumelden. Der Schleppwettbewerb findet in Groveland bei Orlando statt. Wir haben mit Drachen direkt in Frankfurt auf Lufthansa eingecheckt, denn der Drachentransport ist auf der B747 kein Problem, solange der Drachen kurzgepackt ist und maximal 32kg wiegt. Erfreut haben wir vom Gate aus beobachtet, wie alles mit größter Sorgfalt verladen wird!

Im Flugzeug trafen wir dann die Briten Malcom Brown und Andy Hollidge, die leider nicht soviel Glück hatten wie wir. Sie haben versucht, ihre Drachen schon in Manchester einzuchecken, aber leider wurden die Drachen nicht im A321 verladen, so dass sie einen weiteren Tag auf ihre Drachen warten mussten, ihre Kollegen sogar drei Tage! 

Wegen möglicher Wetterkapriolen und vieler Feuerameisen haben Jörg und ich beschlossen, diesmal nicht auf dem Flugplatz zu campen, sondern ein Haus  in der Nähe des Flugplatzes zu suchen, das wir mit zwei Amerikanern und einem Russen teilen. Angenehm ruhig ist es dort, mit einzigartigem Blick auf den Minnehaha See. Kayaks stehen zur Verfügung, und trotz möglicher Alligatoren im See bin ich tapfer rausgepaddelt! Alle anderen Dinge sind hier nur mit Auto zu erledigen, wie fast überall in den USA. Für Vorbereitungen und Besorgungen blieb durch die Wetterkapriolen zum Glück genug Zeit.
Liebe Grüße
Regina