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Deutscher Hängegleiterverband e.V.

DHV
karge Vulkanlandschaft
Startplatz Mala
55 aufgebaute Drachen
Bob Baier über Lanzarote
Bob unterwegs ins Ziel
ganz schön windig
Die Sieger

Canarian Open - Lanzarote 2011

Lanzarote 04. – 10. Dezember 2011
25. Open de Canarias 2011

 Text: Katharina Dressel

 Fotos: Bob Baier, Mike Füllgraebe, Katharina Dressel, Carlos Gonzales

Deutsche Piloten: Katharina Dressel, Bob Baier, Martin Ackermann, Thomas Schreck, Mike Füllgraebe, Leander Modersohn

Filme, Fotos und die Wettkampfergebnisse unter: www.vuelolibrezonzamas.com

1. Tag – Anreise, 03.12.2011

Wären wir nicht so scharf auf`s Fliegen gewesen, hätten uns die Vorbereitungen der Reise abgeschreckt. Nur 1 Drachen durfte laut Air-Berlin noch mit - die Wahl fiel auf mich und den Sunrise, da ich vom Gewicht her die meisten Schwierigkeiten bekommen würde, auf Lanzarote einen Drachen zu leihen. Am Flughafen die Hiobsbotschaft: "Ihr Kanu (mein Drachen war offiziell ein Kanu, da Drachen nicht als Sportgepäck zählen) ist zu lang und passt nicht in die Container des Transportraums.“ Mit vereintem Protest erreichten wir den Tausch der Maschinen und mit halbstündiger Verspätung ging es samt Drachen Richtung Afrika. Ab hier lief alles wie "geschmiert". Mietauto, Hotel in Costa Tequise, ein herzliches Willkommen, die Einschreibmodalitäten und das Aufspielen der Wendepunkte  - alles super organisiert.

1ª manga 04.12.2011 (Der erste Task)

A
lle treffen sich erst mal im Lolita in San Bartholome - Die nächsten Wettkampftage  wird es unsere Anlaufstelle für Wettkampfnews, Startplatzwahl und den ersten richtig guten Cortado des Tages. Aber zuerst brauchen wir Drachen für Leander und Mike. Bei Willi und Dietrich können wir zwei samt Leiter ausleihen. Das Wetter sieht gut aus, Wind NO und mit ca. 25-30 km/h moderat kräftig. Also Startplatz Mala. Das Geraffel zum Startplatz tragen ist mühsam, mit Vorfreude auf`s Fliegen aber erträglich. 55 Drachen aufgebaut am Start - ein eindrucksvolles Bild! Briefing gegen 13 Uhr auf Spanisch und Englisch, 14 Uhr hebt mein Drachen ab. Keinen einzigen Schritt muss ich gehen. Die Starthelfer lassen los und ich schieß nach oben. Ich versuche noch Höhe zu machen, da arbeiten die Konkurrenten schon die ersten Wendepunkte ab. Die "Bojen" der Route liegen alle im Umkreis, aber mit der geringen Basishöhe (max. 700 m) sind selbst 3 km gegen den starken Wind hin und dann zurück, ein große Hürde. Einige landen recht schnell unterhalb des Startplatzes. An diesem Tag schaffen es 11 Piloten bis zum Ziel San Bartholomes, insgesamt 31,6 km Strecke. Tagessieger wird Günter Tschurnig aus Österreich.

Am Abend gönnen wir uns mit Markus, Volkmar und Willi im Fischrestaurant von Arieta die ersten Gambas. Einfach köstlich und runden so unseren Wettkampftag perfekt ab.

2ª manga 05.12.2011 (Der zweite Task)

Auf alle Fälle ist der Task besser für mich gelaufen. Zwar gibt es wieder Probleme mit meinem GPS (ein doch schon ziemlich altes MLR), aber ich habe diesmal alle Wendepunkte in der Nähe Malas abfliegen können. Der zweite Task läuft ähnlich wie der erste. Wieder geht nur Mala, der Wind ist stark aus NO, Basis 800 m. Abwechslung bietet die geänderte Reihenfolge der Wendepunkte und auch die Entfernung. Diesmal geht`s zum Startzylinder-Startplatz-Kreuzung vor Arieta-Startplatz-Rotunde-Startplatz als letzten Wendepunkt müssen die Antennen in 5 km Entfernung umflogen werden und dann zurück zum Start. Auf dem Rückflug verliert man kräftig an Höhe. Glücklich wer es schafft, den Aufwind am Startberg wieder zu nutzen. Mit 100 m Ankunftshöhe kann man nur noch landen gehen. Für den letzten Zielpunkt Playa Quemada muss "gezaubert" werden. 7 Piloten von 55 schaffen es. Tagessieger wird Christian Tiefenbacher aus Österreich in einer Zeit von 1 Stunde 21 Minuten.

3ª manga 06.12.2011 (Der dritte Task)

Ich lerne jeden Tag dazu. Der dritte Tag wird persönlich der beste für mich, obwohl es an dem Tag nicht einfach ist. Wind wieder NO, 25 km/h und Basis 800m. Eigentlich geht alles prima, alle Wendepunkte absoviert, jetzt warte ich auf eine Wolke, die mich Richtung Ziel mitnehmen kann. Dann die Chance. 4 Drachen schaffen es am fortgeschrittenen Nachmittag als letzte Ausbrecher unter einer der wenigen Wolken aufzudrehen. Fast hätte ich sie erreicht, fast. Neidvoll schau ich hinterher. Und muss feststellen, dass es tatsächlich die letzte Chance war aus der Gegend wegzufliegen. Ich bin noch ziemlich aufgedreht vom bisher guten Flug und flieg aus Spaß einfach noch 2 Stunden in der Nähe Malas. Insgesamt fast 4 Stunden. Landen gehe ich nur, weil irgendwann die Arme schmerzen und das Soaren und Zentrieren nicht mehr richtig gelingt. Aber das Toplanden zieh ich vorbildlich durch und belohne mich mit einem Landebier, was Markus spendiert. Ins Ziel Playa Quemada schafft es diesmal niemand. Bis 4 km vors Ziel kämpft sich Seppi Salvenmoser heran. Martin auf Platz 14 mit 27,10 km. Mike und Leander haben mit ihren alten Turmdrachen arg zu kämpfen. Ich komme auf Platz 29 und bin wahnsinnig stolz :-).
Am Abend treffen wir uns wieder mit Volkmar und Markus und testen wie schon die Tage zuvor ein neues Restaurant aus. Gampas y aljilo wird unsere Vergleichsspeise. Natürlich mit dem lanzarotischen Wein dazu, Brot und den herrlichen Soßen.

Der 4. und 5. Tag sind für den Wettkampf nicht nutzbar. Starker Wind aus Ost und keine Thermik. Wir treffen uns zwar alle in Asomada, aber dort bleibt es beim freien Fliegen. Wir schauen uns die Feuerberge an und sind fasziniert von der erstarrten Lava und der riesigen, in lebloser Stille liegenden Vulkanlandschaft.
Am Donnerstag wagen wir den Starkwindstart bei 45-50 km/h. Den Drachen zum Start zu bringen ist für mich Leichtgewicht nicht einfach. Das Fliegen ist turbulent und anstrengend. Höhe gewinnt man kaum. 500m -  Zum Toplanden muss man schauen, dass man genügend Höhe erreicht. Dreimal starte ich wieder durch bis die Landung gelingt.

Am Abend zusammen mit der spanischen Truppe, Mike, Leander und Martin in der "Grotten-Bar" zu Livemusik, Bier und unterm freien Himmel bis früh um 3.00 Uhr getanzt.

 

6. Tag, 09.12.2011

Es sieht anfangs sehr gut aus. NO, ein bisschen wenig Wind, aber in der Hoffnung, dass er noch zulegt. Die Gleitschirmflieger versenken sich sofort. Überhaupt, dass sie so früh am Tag schon fliegen, sollte uns stutzig machen. Der erste Testpilot hält sich 3 Minuten in der Luft. Trotzdem bauen wir alle auf. Leander und ich sind da noch optimistisch (Mike, der Arme liegt mit einem Magen-Darm-Infekt im Hotelbett).

13 Uhr Briefing - Der Task wird abgesagt. Wie soll man sich jetzt entscheiden? Nullwind, der Drachen ist aufgebaut und das Auto steht schon am Landeplatz. Die meisten Piloten gleiten ab. Ich auch. Im Nachhinein ärgere ich mich über den Blödsinn, guter Start, aber schlechte Landung. Ein Vulkan-Stein legt sich mir in den Weg. Den Drachen kann ich noch recht sanft absetzen, der Fuß knickt am Stein aber um. Bänderriss und das nach einem 2-minütigen Abgleiter. Nun ist der Wettbewerb für mich vorbei. Verdammt!

4ª manga 10.12.2011 (Der vierte Task)

Und zum 4. mal Wettkampf in Mala. Der Wind hat uns Famara leider bis jetzt nicht ermöglicht. Ich schau mir die Drachen auf Krücken vom Startplatz an. Die Wettkampfluft muss ich einfach noch mal schnuppern. Die Aufgabe ist die gleiche wie am ersten Tag, da die Verhältnisse mäßig sind. 27 km Strecke, Bob Baier schafft es fast bis zum Ziel, aber nicht ganz. Die meisten landen direkt nach den Wendepunktumrundungen am Landeplatz. Mike und ich sind mit dem Auto in den Norden gefahren. In Haria den Kunstmarkt angeschaut, dann zur Famara, Mirador del Rio und Orzola. Am Abend gibt es ein gemeinsames Essen (Danke an die Veranstalter!!!) in Puerta de la Carmen und die Siegerehrung. Tolle Trophäen eines Heimatkünstlers und viel Begeisterung für die Sieger. 

Auf dem Siegertreppchen steht Seppi Salvenmoser, ein Platz darunter Dietmar Tschabrun, auch ein Österreicher, den 3. Platz gewinnt Lucio Nelli aus Spanien. Auf Platz 4 landet Bob Baier als bester Deutscher Pilot. 

Meine Platzierung rutscht durch den fehlenden Wettkampftag leider nach unten. Nun ja Platz 43 ist doch für den Anfang nicht schlecht. Riesigen Spaß hat`s jedenfalls gemacht und wir sind uns sicher, wir, jedenfalls Leander und ich, kommen im nächsten Jahr wieder!