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Deutscher Hängegleiterverband e.V.

DHV
Fränkische Idylle
DHV-Vorstand
DHV-Vorsitzender Charlie Jöst
2. Vorsitzender Frank Herr
DHV-Sicherheitsvorstand Uli Schmottermeyer
DHV-Finanzvorstand Dr. Dirk Aue
DHV-Technikvorstand Dieter Münchmeyer
DHV-Ausbildungsvorstand Peter Cröninger
neu gewählt: Sportvorstand Yvonne Dathe
Positive Fusion (Foto Christian Müller)
DHV-Geschäftsführer Klaus Tänzler
Karl Slezak zeigt einen "modernen" Protektor
Die drei besten Flugschulen (v.l. Airtouch, Freiraum, Luftikus)

Jahrestagung 2012 in Gunzenhausen

Text und Fotos Benedikt Liebermeister

Zum Sportlertag

Photogallery am Ende des Textes

Konstruktive Tagung im Herzen der fränkischen Seenplatte

„Wo, bitte schön, liegt Gunzenhausen“, fragten sich die Delegierten vor sechs Jahren, als dort die DHV-Jahrestagung stattfand. Diesmal war es einfacher, ein paar konnten sich noch vage erinnern, die anderen tippten in ihr I-phone oder Android Smartphone. Der Ort hat Charme, malerisch liegt er inmitten der fränkischen Seenplatte. Berühmt ist er für das stärkste Bier der Welt. Der Schorschbock 57 bringt es auf satte 57,5 % Alkohol. 

Afrikanische Rhythmen von Positive Fusion begleiteten die Delegierten auf ihre Plätze. Der DHV-Vorsitzende Charlie Jöst eröffnete die Versammlung und gab das Wort an Claus Gerhard weiter. Ein besonderes Geschenk bekamen die Delegierten überreicht. „Ganz einfach Fliegen“ ein Buch von Stephan Nitsch. Stephan war Flugpionier in der DDR, konstruierte einen Drachen aus Weidenruten und handelte sich einen Haufen Ärger wegen angeblicher Fluchtgefahr ein. Nach der Wende arbeitete er jahrelang als Fluglehrer in Magdeburg. Vor vier Jahren starb er an Krebs und hinterließ ein Manuskript über die Geschichte des Gleitschirm- und Drachenfliegens. Claus Gerhard kannte ihn gut, hat das Buch ergänzt und zur Druckreife gebracht. 

Der offizielle Teil begann mit der Feststellung der Regularien. Die Versammlung war beschlussfähig, die Tagesordnung wurde angenommen, das Protokoll 2011 genehmigt und Petra Aichele zum Protokollführer gewählt. Da die Delegierten im Vorfeld schriftliche Tätigkeitsberichte erhalten hatten, hoben die Vorstände nur die Besonderheiten hervor.

Den Anfang machte der Vorsitzende Charlie Jöst. „Durch die Pitch-Messung haben wir große Fortschritte bei der Sicherheit im Drachen-Wettkampfsport erzielt, bei den Gleitschirmen dürfen auch im Wettkampf nur noch mustergeprüfte Geräte fliegen“, stellte er erfreut fest. Bedauerlich sei der Qualitätsverlust bei der Prüfung von Gleitschirmen. Grund dafür sei die Konkurrenz der drei Prüfstellen. Der DHV hat deshalb die Sicherheitstests von A- und B-Schirmen, die weit über die Prüfvorschriften hinausgehenden, fortgeführt. Die Szene nennt ihn Windenpapst, 2012 ging Horst Barthelmes in Ruhestand. Doch wird er dem DHV freiberuflich erhalten bleiben. Ein herzliches Dankeschön für die professionelle Arbeit. Dafür überreichten ihm Henry Maek, Uwe Krenz und Eberhard Dengler die „Goldene Sollbruchstelle“.

„Der DHV hat 35.562 Mitglieder, ist damit der weltweitgrößte Gleitschirm- und Drachenfliegerverband“, zieht DHV-Geschäftsführer Klaus Tänzler zufrieden Bilanz. Drängendes Problem sind die gestiegenen Unfallzahlen im Gleitschirmfliegen. Der DHV setzt auf Maßnahmen in der Verbesserung der Gerätesicherheit, Ausbildung und Pilotenfortbildung. Das LBA wird ab 1.März nicht mehr für die Prüfstellen zuständig sein. Der DHV hätte gern diese zentrale Überwachungsinstanz behalten. Doch das BMV verwies auf die Problematik, dass das Deutsche LBA schwerlich ausländische Prüfstellen überwachen kann. Wenn zukünftig im europäischen Ausland eine Prüfstelle die LTF bestätigen möchte, dann muss vor ihrer nationalen Akkreditierungsstelle akkreditiert sein.

Der zweite Vorsitzende Frank Herr dankte DHV-Jugendmanager Nikolaus Kurcz für seine engagierte Arbeit, neun Veranstaltungen für junge Pilotinnen und Piloten über 49 Tage sind ein erfreuliches Ergebnis.

Technik-Vorstand Dieter Münchmeyer: „Die Prüfung durch den DHV muss ein Qualitätsmerkmal sein, dafür braucht der DHV eine topausgestattete Prüfstelle,“ fordert der Vorstand, „dafür ist ein Defizit zu akzeptieren“.

Karl Slezak, Referent für Sicherheit und Technik, weist auf die besorgniserregende Entwicklung bei den Protektoren hin. Er zeigt zwei Bespiele, daran wird deutlich: Ein aktueller Protektor ist vielleicht das bessere Sitzkissen, massiven Schutz vom Nacken bis unters Steißbein bietet der 10 Jahre alte. Die Arbeit wächst, zur Unterstützung kam Gleitschirm- und Drachenfluglehrerin Diana David ins Team.

Fluglehrer müssen immer auf dem aktuellen Stand der Lehrmeinung sein. 170 Fluglehrer haben 2012 an der Praxisfortbildung bei Ausbildungsvorstand Peter Cröniger teilgenommen. Frischgebackene A-Scheinpiloten werden nach der Qualität ihrer Flugschule befragt. Am besten abgeschnitten haben Luftikus, die Flugschule Freiraum und Airtouch. „Motivation ist der Schlüssel zum unserem Erfolg,“ freut sich Achim Joos über die hervorragende Platzierung seiner jungen Flugschule.

Der E-Aufstieg hat es in den nicht motorgetriebenen Bereich geschafft. „Ein Verdienst des DHV“, sagte Sicherheitsvorstand Uli Schmottermeyer. Er bedanke sich für die hartnäckige und positive Arbeit der Vereine bei Zulassung und Erhalt der Gelände. „Doch ich warne davor, dass manche Vereine wie die Henne auf dem Ei auf ihren Geländen sitzen.“ Besitzstandsdenken verhindere die Aufnahme von Piloten in den Verein, oder lasse Gleitschirmflieger an Drachenfluggeländen nicht fliegen. „Das ist nicht zeitgemäß. Nutzt gemeinsam die Gelände“, so sein Appell.

Richtig Schwung brachten die B-Town Allstars. Breakdance (Video) auf Topniveau zauberten die drei Jungs aus Berlin, die Halle tobte.

Der DHV-XC boomt. 2013 wird es zum ersten Mal einen Deutschen Meister im Flachlandfliegen geben. „Sport ist ein wichtiges Standbein des DHV“, stellte Sportvorstand Ralf Schöffel fest. Bei der EM im Gleitschirm- sowie im Drachenfliegen haben die Nationalteams denkbar knapp das Podium verpasst. Mit den Teamchefs Regina Glas, Harry Buntz und Klaus Tretter als Ligachef sei der Wettbewerbssport im Aufwind.

Die DHV-Geschäftstelle hat das Wirtschaftsjahr 2011 positiv abgeschlossen. Resümee des Finanzvorstands Dirk Aue: „Der Pilotenverband DHV hat ein wirtschaftlich solides Fundament und nimmt seine Aufgaben in der Piloten-Interessenvertretung, der Flugsicherheit, dem Mitgliederservice sowie in den ministeriellen Beauftragungen hinsichtlich Ausbildung und Geländezulassung vollumfänglich und unabhängig wahr.“ 

Die Kassenprüfer Andrea Vogel und Lothar Schweizer gaben einen ausführlichen Prüfbericht ab. Uneingeschränkt empfahlen sie die Entlastung des Vorstands. Die Delegierten leisteten einstimmig Folge. Die Kasse 2012 prüft Andrea Vogel, unterstützt von Engelbert Kohler. Charlie Jöst wurde mit stehenden Ovationen einstimmig im Amt als Vorsitzender bestätigt. Spannend war das Kopf an Kopf Rennen von Ralf Schöffel und Yvonne Dathe um den Sportvorstand. Mit drei Stimmen Vorsprung gewann Yvonne im zweiten Wahlgang, damit ist sie die erste Frau im DHV-Vorstand.

Die beiden Anträge von Mike Füllgraebe – Fortführung des Schleppbüros und qualifizierte Beratungskapazitäten für Drachenanfragen – nahmen die Delegierten an. Ohne Gegenstimme genehmigten die Delegierten den Wirtschaftplan 2013. Der Gleitschirmverein Bayerwald bewarb sich um die JHV 2012, Bewerbung angenommen. Konstruktiv und intensiv tagten der Vorstand und die Delegierten, verdient war der Sturm aufs reichhaltige Buffet. Gestärkt waren sie bereit für die DHV-Party mit Open End. 

Die Jahrestagung in Bildern

Volles Haus (Foto Christian Müller)
Sitzungsbeginn (Foto Christian Müller)
B-Town Allstars
Breakdance aus Berlin
Six Packs
Synchron in Perfektion
Charlie Jöst dankt Windenpapst Horst Barthelmes für die professionelle Arbeit
Dank der Vereine: Die Goldene Sollbruchstelle
Kassenprüfer Andrea Vogel und Lothar Schweizer
Der Vorstand ist einstimmig entlastet (Foto Christian Müller)
Kassenprüfer für 2013, Engelbert Kohler
DHV-Jugend, Nikolaus Kurcz
Positive Fusion (Foto Christian Müller)
Für Breakdance ist es nie zu spät
Das Ziel des DHV in der Ausbildung (Foto Christian Müller)
Wir sind einverstanden
Intensive Tagung (Foto Christian Müller)
Ja!