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Deutscher Hängegleiterverband e.V.

DHV
Je öfter man den Clip mit Gewalt öffnet, ohne die Sicherung vollständig herunter zu drücken, desto schlechter für den Mechanismus - links N, unten Anzahl der Öffnungen
4 Flaschen hängen schon dran
Neuer Clip ohne Sicherung mit 8 kg Belastung
Mit Sicherung hält auch ein 5 Jahre alter Clip zuverlässig über 8 kg
Der Test mit einer 8 kg Hantelscheibe
Clip geöffnet
Clip verschlossen und gesichert (Schnursicherung)
Clip geöffnet
Clip verschlossen und gesichert

Drachen-Clips im Test

Text und Fotos Mario Bregulla/Christof Kratzner/Robert Schroll


Sie sind praktisch, leicht und viele Hersteller verwenden sie:
Die Clips, welche die Segellatten im Achterliek des Segels fest verspannen oder halt auch nicht, wie ich selbst vor einem halben Jahr mit einem Einfachsegler bei einem Wingover feststellen musste.

Viele Piloten in verschiedenen Vereinen berichteten auf Nachfrage von aufgegangenen Klemmen, dabei geht die Bandbreite der Geräte vom Tandemdrachen über Einfachsegler bis zu Hochleistern mit und ohne Turm.

Aufgrund einiger Vorkommnisse in den letzten Wochen und Monaten (siehe auch DHV Info 188, Seite 6 sowie Sicherheitsmitteilung Steilspirale Hängegleiter MastR - M DHV 01-0444-09 vom 12.03.2015) rückte das Thema wieder mehr in den Focus. Ein Kausalzusammenhang mit der Clips-Problematik kann zum jetzigen Stand nicht hergestellt, aber eben auch nicht ausgeschlossen werden. Zur Erklärung der Unfälle aufgrund nicht ausgeleiteter Steilspiralen gibt es sehr unterschiedliche Ansichten. Der pragmatischen Aussage von Christof Kratzner „Es kann zumindest nicht schaden, wenn die Clips während des Fluges zu bleiben,“ werden die meisten Beteiligten zustimmen.

Daher dieser Artikel zum Thema.

Um besser einzuschätzen, in welchem Zustand die eigenen Clips sind und ein Gefühl dafür zu entwickeln, wann ein Austausch sinnvoll ist, haben wir diverse Versuche gemacht.

Clips werden von Airborne und Moyes hergestellt, wobei die Airborne Clips auch von vielen anderen Drachenherstellern verwendet werden.
Der Hersteller Airborne hat einen Richtwert für die Öffnungskraft vorgegeben: Senkrechte Krafteinwirkung am Clip-Ende Minimum 8,6 kg. Dies gilt für fabrikneue Clips.

Wir haben daher mit einem Zug und Druckkraftmessgerät eine Messreihe mit 10 neuen Airborne Clips durchgeführt. Dabei wurden die Clips belastet, bis sie aufsprangen und der Peakwert erfasst. Die Prüfung fand bei Raumtemperatur 20°C statt.
Als Faustregel gilt: 1 kg entspricht auf der Erdoberfläche etwa 10 N, die Einheiten sind natürlich grundverschieden, das ist hier aber nicht Thema.

Ergebnisse der Tests:

Bester Clip:
1. Öffnung: 91 N
30. Öffnung: 61.5 N

Schlechtester Clip:
1. Öffnung: 68,0 N
30. Öffnung: 50.3 N

Erkenntnis: Schon nach der ersten Gewaltöffnung verlieren die Clips bis zu 20 N an Haltekraft.

Das bedeutet, bei nur einer einzigen unsachgemäßen Öffnung hält der Clip bis zu 2 kg weniger Krafteinwirkung am Clip-Ende aus. Also z.B. statt 8,6 kg nur noch 6,6 kg.
Auch die Temperatur spielt eine Rolle. Bei etwa 45-55°C, je nach Alter der Clips, ist die Haltekraft nahezu 0. Bei -15°C hält der Clip hingegen bis zu 12 kg, bevor er zerbricht. Dreck und Sand beeinträchtigen die Haltekraft stark. Bei neuen Clips sind evtl. auch noch Spritzgrade vorhanden, die im Bereich der Haken entfernt werden sollten.
Die von uns getesteten älteren Clips, die bereits 5 oder mehr Jahre im Einsatz waren, hielten im Durchschnitt noch 5 kg aus.
In der Praxis bedeutet das: An einem heißen, sonnigen Sommertag bei 35° hält ein 5 Jahre alter Clip noch etwa 2-3 kg. Wir mussten allerdings auch starke Abweichungen nach unten feststellen.
Einige hielten nicht einmal mehr 1,2 kg sicher aus. Ein solches Exemplar hatte sich auch bei mir im Flug geöffnet. Je nach Fertigungscharge waren auch bei neu gekauften Clips (siehe Test am Anfang) bessere und schlechtere Vertreter dabei. Leider gibt es auf Clips, wie sonst bei Spritzgussteilen üblich, weder Datum noch sonstige Angaben, so dass man über die Gründe der Abweichungen und die betroffenen Stückzahlen nur spekulieren kann.

Wer Zweifel hat, kann sehr einfach überprüfen, ob ein Austausch anzuraten ist:

5 Wasserflaschen sollte ein Clip in jedem Fall aushalten, eine wiegt etwa 1,3 kg.

Um den Clips ein längeres Leben zu bescheren und die Haltekraft gerade auch bei heißen Temperaturen oder sonstigen Einflüssen zu erhöhen, sind uns folgende Möglichkeiten zugetragen worden:

Möglichkeit 1

Ein Stück Schnur oder Gummischnur wird mit einem Knoten zusammengebunden und in den Clips eingehängt. Am Knoten kann man so ganz entspannt den Clip verriegeln oder wieder freigeben. Schnur-Durchmesser und Materialart ist relevant, etwa 1,2 mm sollten es mindestens sein, um den Clip zuverlässig zu verklemmen.


Möglichkeit 2

Ein handelsüblicher Kabelbinder wird straff um den Clip gespannt und nach dem Zuziehen abgeschnitten. Der so entstandene Ring kann über beide Haken der Clipse geschoben werden und arretiert den Clip. Nach der Landung kann man den Kabelbinder wieder herunter schieben und den Clip normal einklappen. Ein Kabelbinder mit den Abmessungen 1,2 mm x 4,7 mm hat sich als ideal erwiesen, er sollte so stark zugezogen sein, dass er sich gerade noch über die Haken schieben lässt und in der Endstellung regelrecht einrastet.

 

Der DHV bittet Herstellerbetriebe, Checkbetriebe und Piloten auf die Clips zu achten, damit defekte Clips ausgetauscht und aus dem Verkehr gezogen werden.