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Deutscher Hängegleiterverband e.V.

DHV

Neue Wege in der Drachen-Flugtechnik

Bericht von Peter Müller und Knut Miesner

Das Performance Training für Gleitschirmflieger wird seit vielen Jahren gern genutzt, um dazu zu lernen und einen guten Trainingsstand aufrecht zu erhalten. Das Trainingsprogramm baut auf die Ausbildung zum Luftfahrerschein auf und wird von qualifizierten Performance Centern angeboten. Wie sehr auch beim Drachenfliegen ein guter Trainingsstand erforderlich ist, machen die Unfallzahlen des Jahres 2007 bewußt, mehrere tödlich Unfälle sind auf Pilotenfehler zurückzuführen. Wie ein Performance Training für Drachenflieger aussehen könnte, zeigt Wolf Schneider. Sein Programm ist bereits erprobt, es hat positive Resonanz erzielt und mehr Freude und Erfolg beim Drachenfliegen bewirkt.


Video zum Bericht

Der Drachen- und Gleitschirmfluglehrer Wolf Schneider macht sich Gedanken über die Belebung des Drachensports, aber auch über die Verbesserung der Flugtechnik. So führt er seit Jahren erfolgreich Drachen–Performance-Kurse durch, die der Start- und Landesicherheit und der Routine des Piloten dienen. Im Rahmen einer aktuellen Umfrage unter Hunderten von Drachenpiloten ergaben sich interessante neue Aspekte. So kam zum Beispiel zum Vorschein, dass sich etliche Genussflieger bei durchschnittlich 12 Flügen pro Jahr mit Hochleistern ausrüsten. Die Folge: Überforderung durch das anspruchsvolle Gerät, insbesondere beim Landen.
Es ist äußerst problematisch für die Gesundheit der Piloten und die Wahrnehmung unseres Sportes, wenn Freizeitpiloten durch „unhappy landings“ die Lokalpresse füllen. Ob zu optimistische Einschätzung des eigenen Trainingszustandes oder Geltungsbedürfnis mitentscheidend ist, sei erst einmal noch dahin gestellt. Auch schleichen sich bei etlichen Piloten nach der Ausbildung über viele Jahre unbemerkt fehlerhafte Bewegungsmuster ein, die Fluglehrern die Haare zu Berge stehen lassen.Im Vergleich etwas besser scheint sich die Situation bei den Gleitschirmpiloten zu entwickeln. Hier beginnt sich die Überzeugung breit zu machen, das regelmäßiges Training unverzichtbar für die eigene Sicherheit ist. Auch die Gerätewahl folgt zunehmend einem neuen Grundverständnis. Seit Jahren rüsten sich sogenannte Genussflieger mit fehlerverzeihenden 1er und 1-2ern aus.

Fragestellung: Wie stufst Du Dich selber ein? Welches Fluggerät fliegst Du?

Zusammengenommen wird deutlich, dass der Anteil der Genussflieger nicht dem Anteil der Intermediate-Drachen entspricht.

Die zweite Grafik veranschaulicht, wo Piloten ihren größten Trainingsbedarf sehen.
Offensichtlich liegen die Problemschwerpunkte bei der Landung. Drachenfliegen ist ein faszinierender Sport, das Erleben traumhaft. Eher albtraumhaft kann er sich für den außenstehenden Betrachter darstellen. Oft entsteht bei der Beobachtung harter Landungen oder verunglückter Starts der Eindruck, es handele sich um einen Draufgängersport.
Missglückte Landungen hinterlassen auch beim betroffenen Piloten ein ungutes Gefühl. Unsicherheit beim nächsten Start, Angst vor der nächsten Landung sind die Folge. Eine hieraus entstehende verkrampfte Haltung erhöht das Risiko zum nächsten unguten Erlebnis. Bereits mehrere Misserfolgserlebnisse können eine Art Landetrauma entstehen lassen. Eine Art selbsterfüllende Prophezeiung, die möglicherweise in den nächsten Crash mündet oder im Unterbewusstsein den Gedanken nährt, gar nicht erst zu starten oder mit dem Drachenfliegen ganz aufzuhören.

Genau diesen Teufelskreis durchbricht das Drachen Performance Training.

Das (Wieder-)Gewinnen einer spielerischen Leichtigkeit und einer guten Flugperformance ist das Ziel. Eine genießerische, stressfreie innere Einstellung und in Folge ein positives Image sind angenehme Nebeneffekte. Im Gegensatz zu den Gleitschirmpiloten, die einen Großteil der Flugtechnik am Boden trainieren können, haben wir Drachenflieger diese attraktive Lernmethode nicht. Und so hat der erfahrene Fluglehrer Wolf Schneider dieses Bodenhandling der Gleitschirmpiloten für die Drachenflieger einfach hoch in die Luft verlegt. (Virtuelle) Bäume, Masten und andere Hindernisse werden in den Weg gestellt, die der Pilot aufgerichtet im Drachen umfliegen muss und das in ca. 500 m über Grund. Das einwöchige Training ist modular aufgebaut und beginnt mit einem kurzen Theorieblock zur Veranschaulichung alle Übungsinhalte. Auch das Einstellen der Gurte ist ein wichtiger Bestandteil zur Vorbereitung auf das Training. In vergangenen Kursen hat sich gezeigt, dass bei über 50% der Piloten das Gurtzeug nicht richtig eingestellt war (z.B. Beinschlaufen zu lang) bzw. das Gurtzeug für die Bedürfnisse des Piloten nicht geeignet war. Und dann geht es zur Flugpraxis.
Die ersten Aufgaben scheinen denkbar einfach. Der Pilot startet, rollt ein wenig, fliegt eine schnelle Acht, Landeeinteilung und Landung. Zwei anwesende Fluglehrer filmen diesen Flug lückenlos, im Anschluss geht es zur Auswertung.
Hierbei ist die Videoaufzeichnung ein präziser und gleichzeitig gnadenloser Zeuge zur Fehleranalyse. Dass dadurch Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt werden, wissen Gleitschirmpiloten seit langem.
Schnell werden für Fluglehrer und Piloten typische Fehler sichtbar: Der Pilot lässt sich in der Startphase zu sehr nach vorne kippen, die Parallelverschiebung funktioniert nicht, der Pilot verdreht sich, bei der Landung lässt der Pilot den Drachen wegsteigen oder aus der Richtung gleiten und ähnliches.

Die Erkenntnis ist klar: Es jetzt muss trainiert werden!

Es werden täglich mindestens zwei Flüge absolviert. Ein Flug ist vollgepackt mit Übungseinheiten und beim zweiten Start gibt es per Funk Anleitungen zum effizienten Fliegen in thermischen Bedingungen. Manchem Teilnehmer ist zu Beginn der Trainingseinheiten gar nicht bewusst, welchen Lernerfolg die einzelnen Übungen in sicherer Höhe haben können. Aber nach und nach entsteht das Gefühl von Sicherheit bei Start, Flug und Landung.

Im Verlauf werden die Flugübungen komplexer und anspruchsvoller. Aufgerichtetes Rollen, aufgerichtetes Halten der Richtung, schnelle Griffwechsel gehören dazu. Es folgen Delphinfiguren, Ertasten des Strömungsabrisses, Steilspirale, schnelle Acht usw.
Zum Ende des Trainings hat der Pilot das Gefühl, dass ihm der Drachen förmlich an die Hand gewachsen ist. Gerät und Pilot bilden eine Einheit. Leichtigkeit entsteht.
Die Rückmeldung der Teilnehmer am Ende der Woche ist meist einhellig: Neue Sicherheit, Routine bei Starts und Landung gewonnen. Flugdauer durch effizienteres Thermikkreisen erhöht. Die Angst vor der möglichen Außenlandung beim Streckenflug in gesunden Respekt verwandelt. Spaßfaktor gestiegen, die Leichtigkeit des Fliegens zurückgewonnen!
Kontakt zu Wolf Schneider unter www.lern-fliegen.de.

Fortbildung für Drachenfliegervereine

Der DHV erweitert sein Fortbildungsangebot für die Mitgliedsvereine um ein Start- und Landetraining für Drachenflieger.
Knut Miesner (Region Süd) und Dirk Soboll (Region Mitte) sind Fluglehrer, die sich mit Engagement und Kompetenz für den Drachenflugsport einsetzen.  Wir konnten beide dazu gewinnen, für die DHV-Drachenflugvereine praktische Start- und Landetrainings im Rahmen der DHV-Fortbildungsangebote für Vereine durchzuführen.
Der Trainer kommt ein Wochenende ins Vereinsgelände und frischt, mit ausführlicher Vorbereitung und Videoanalyse, die theoretischen und praktischen Kenntnisse der Drachenflieger bei Start und Landung auf.
Dabei werden die neuesten Erkenntnisse bei Flugtechnik und Geräteentwicklung berücksichtigt.
Start und Landung sind Unfallschwerpunkte beim Drachenfliegen. Betroffen sind auch erfahrene Piloten.
Der DHV möchte mit diesem Fortbildungsangebot mithelfen, den Trainingsstand der Drachenflieger zu verbessern und dadurch Unfälle zu vermeiden.
Diese Vereinsfortbildung wird vom DHV durch die Übernahme der Reise- und Übernachtungskosten des Trainers finanziell unterstützt. Bei Interesse bitte direkt mit Knut oder Dirk Kontakt aufnehmen.
Knut Miesner   
Milchberg 2, 82335 Berg   
E-Mail: knutm@arcor.de, Tel. 0173/2642204   
Dirk Soboll
Uerdinger Straße 311, 47800 Krefeld
E-Mail:
dirk@linkingwings.de, Tel. 0151/12147505

 

 

 

Drachen-Performance-Training