Stellungnahme des Deutschen Hängegleiterverbandes zu den Gewitterflügen bei dem Vorbereitungswettkampf zur Gleitschirm-Weltmeisterschaft in Manilla/Australien
Gewitter sind grundsätzlich für alle Luftfahrzeuge eine große Gefahr, sogar für Passagiermaschinen. Gleitschirmflieger begeben sich bei Gewittergefahr gar nicht erst in die Luft. Zieht ein Gewitter während des Fluges auf, kann der Pilot, durch Manöver, die einen schnellen Höhenabbau ermöglichen, rasch den sicheren Boden erreichen.
In Manilla/Australien findet zur Zeit ein Vorbereitungswettbewerb für die Weltmeisterschaft im Gleitschirmfliegen statt. Dabei sind die besten 150 Piloten aus 25 Nationen am Start. Bei einem Wertungsdurchgang kam es zu einem überraschend schnellen Gewitteraufzug. Für diesen Tag und dieses Fluggebiet galt bereits eine Gewitterwarnung. Zwei Piloten, darunter die deutsche Ewa Wisnierska, versuchten zunächst für ihre Notlandung besiedeltes Gelände zu erreichen. Dabei hat sie das Gewitter eingeholt. Beide wurden von den starken Aufwinden in der Gewitterwolke in große Höhe emporgezogen. Die deutsche Piloten konnte sich aus dieser gefährlichen Situation mit Erfrierungen fast unbeschadet retten. Ein chinesischer Wettkampfteilnehmer kam dabei jedoch ums Leben. Die genaue Ursache für seinen Tod ist bisher nicht bekannt.
Gleitschirmflieger lernen bereits bei ihrer Ausbildung zum Luftfahrerschein Gewittergefahren zu vermeiden. Bei Wettbewerben gehen einzelne Piloten jedoch bewusst ein größeres Risiko ein um das Ziel noch zu erreichen und den Wettbewerbsdurchgang erfolgreich zu beenden.
Persönliche Stellungnahme der Pilotin der Deutschen Nationalmannschaft Ewa Wisnierska:
"Als wir an den Schauerwolken vorbei waren und diese im sicheren Abstand hinter uns waren, sah der Weg Richtung Norden sehr gut aus. Ich hatte völlig unterschätzt, dass sich vor uns und vor allem so schnell eine CB aufbauen könnte. Dies stellte sich leider als folgenschwere Fehleinschätzung heraus. Vom sanften "Nullschieber" änderten sich die Steigwerte in Sekunden auf 15 bis 20 m/s. Nach drei Versuchen ab zu spiralen gab ich auf und habe versucht aus dem unglaublichen Steigen raus zu kommen. Doch es hörte nicht auf und schleuderte mich in kürzester Zeit bis auf knapp 10.000 m. Dabei verlor ich das Bewusstsein. Als ich wieder zu mir kam, befand ich mich immer noch auf 6.900 m. Dabei stellte ich fest, dass mein Gleitschirm immer noch am Fliegen ist. Es dauerte noch einige Zeit, bis ich auf 5.000 m realisierte, dass ich nicht mehr steige. Also entschloss ich mich, noch mal zu versuchen ab zu spiralen. Mit moderaten Sinkwerten gelang es mir in einem Zug weit unter die Wolkenbasis runter zu kommen. Nach der Ausleitung der Spirale auf etwa 1.500 m schaute ich nach einer Spur von Zivilisation. Und ich fand eine Farm, die ich mit Rückenwind fast erreicht habe. 500 m vorher drehte ich nur vorsichtig gegen den Wind und landete sanft vor dem Zaun. Zum Glück hatte ich Handyempfang und konnte Stefan meine Koordinaten durchgeben. Nach kurzer Zeit waren meine Retter bei mir.
Wir fuhren direkt ins Krankenhaus, doch die Untersuchung ergab normale Sauerstoffwerte. Ich erlitt nur Erfrierungen an den Ohren und am Unterschenkel, wo der Hagel die exponierte Stelle verletzte. Ich konnte aber gleich wieder Heim fahren und gehe nur noch zur täglichen Visite. Nach Meinung des Arztes macht der Heilungsprozess sehr gute Vorschritte und ich kann realistisch mit der Teilname an der WM rechnen."
Kontakte:
Stefan Mast, Teamchef Nationalmannschaft: 0061/429784255
Benedikt Liebermeister, PR-Referent DHV: 0171/2429973








