News of the Day
22.04.2006
Last Day cancelt! Der Wetterbericht warnt vor starken Gewittern mit Hagel und Tornados. Damit steht das Endergebnis fest. Oleg Bondarchuk aus der Ukraine gewinnt bei den Flexis und Johann Posch (A) bei den Starren. Corinna Schwiegershausen ist beste Dame und belegt einen ausgezeichneten 15. Platz in der Gesamtwertung. Jörg Bajewski fällt nach dem letzten Durchgang auf den 19. Rang zurück.
Viele Grüße vom Tegernsee
Regina
21.04.2006
105 km Zielrück standen heute auf dem Programm, und angesichts früher Wolken erscheint die Aufgabe fast ein wenig kurz. Sie war zu lang, wie sich ein wenig später herausstellen sollte... Die Basis mal wieder so tief, daß man sich keine falsche Entscheidung erlauben konnte. Wir beobachten die ganze Zeit die Wolken, welche sich bilden und welche zerfallen, um bloß die richtige anzufliegen. Auf Startschuß gehts los, bis auf Jörg fliegen alle anderen Teilnehmer Richtung Norden auf Kurs, während Jörg auf die zweite Startzeit wartet.
Als wir mit dem Führungspulk von der ersten Wende zurückkamen, flog Jörg
gerade draufzu. Im Westen wurde es immer dunkler, die Wolken schossen nur so in die Höhe, so daß ich froh war, einfach davor wegfliegen zu können.
Irgendwann hatte uns der Schatten aber eingeholt und wir glitten einfach
alle aus. 17km vorm Ziel drehte ich um, denn ich wollte nicht in den Sümpfen
landen, sondern lieber an einer Straße. Das sahen außer mir weitere 7
Piloten ebenso, und wir teilten uns gemeinsam ein wunderbar großes
Landefeld. Schnell gepackt, und kurz nachdem mein Rückholer, Tim Ettridge- von dem übrigens auch die meisten Fotos in diesem Bericht sind, wenn nicht von Jörg- mich eingesammelt hatte, ging eine leichte Böenwalze durch und es regnete etwas. Oleg hat den Last Glide Contest gewonnen, obwohl das umstritten ist, denn Jonny, der mit ihm im letzten Bart war, und ein weiterer Pilot haben Oleg mal wieder in die Wolke steigen sehen, was beim Ausgleiten natürlich einen großen Vorteil gibt. Dennoch- den Durchgang hat ein amerikanischer Pilot gewonnen, der lange Zeit nach meiner Landung über unsere Köpfe segelte, von der Böenwalze ins Ziel gepusht. Der Flug seines Lebens, 1000 Punkte, was ihn vom 62. auf den 44. Platz hochbeamte!
Für Samstag sind noch stärkere Gewitter vorhergesagt, und war gestern die
Wahrscheinlichkeit bei 20% vorhergesagt, ist sie heute bei 40%, auch Hagel
ist angekündigt. Könnte sein, daß der Wettbewerb schon zuende ist. Nicht
schlecht, mit Jörg auf Platz 19 und ich auf Platz 15 insgesamt, und beste
Frau!
Ich muß meinen Drachen leider hierlassen für die WM, also wenn jemand
Mitleid mit mir hat und einen Drachen leihen könnte für nächste Woche, wäre
ich total dankbar!!! Bei dem Wetter am Boden zu sein geht nicht ;)
Bis bald,
Corinna.
21.04.2006
Heute sind wir einen 5. Task geflogen. Beim morgendlichen Briefing verkündete Davis Straub als Wettermann, dass es möglicherweise
am Nachmittag Gewitter geben könnte. Zudem sollte die Konvergenz-Zone sich schneller gen Osten, also in unsere Route hinein bewegen. So weit so gut!
In der Startphase einige kleine Cumuli am Himmel, Wolkenbasis liegt bei 1100m - nicht gerade hoch, so herrscht bis zur 1. Startzeit wieder derbes Gedränge am Startgate unter einer dunklen Wolke. Einige Piloten können es einfach nicht lassen, sich ihre Bonus-Abflughöhe in der Wolke zu holen. Unfairer gehtZ<caron>s nimmer und gefählich ist es obendrein noch!
14.15 Uhr der Startschuss und viele Piloten machen sich auf den Weg gen Nordwesten. Ich bleibe allerdings zurück, da meine Abflug-Position nicht die beste war und auch hoffte, dass einige gute Piloten auch die 2. Startzeit nehmen würden. Ergo, ich hatte 15 Minuten Zeit, über meinen ersten Fehler des Tages nachdenken zu können, ich war nämlich alleine und 69 Piloten "on their way".
Gut, so hieß es "Gas geben" und die langsamen Piloten erreichen. Das gelang erst sehr spät nach ca. 30km. Hatte sogar die wesentlich stärkere Thermik auf meiner eigens gesuchte Route zur Verfügung und konnte direkt vor der Wende "Dallas" die etwas besseren Piloten überholen. Der Führungspulk kam mir 4km vor der Wende schon sehr tief entgegen. Ein gutes Gefühl, denn ich hatte offensichtlich wirklich aufgeholt. Kurz danach auch Corinna und dann ... ja dann traute ich meinen Augen nicht. Ein Blick gen Westen ließ mir die Sprache verschlagen. Eine pechschwarze Wolkenwand näherte sich mit enormer Geschwindigkeit der Wende. Und kurz darauf zuckten schon die ersten Blitze.
Über Funk hörte ich Kevin Carter, USA Nationalpilot, dass die Geschichte zu gefährlich wird und er den Flug sofort abbrechen und landen gehen werde. Ich versuchte unterdessen meine "Funkkollegen" zu erreichen, dass ein Kontakt zum Veranstalter wegen eines sofortigen Stopps der Aufgabe hergestellt werden sollte. Immerhin bin ich ein Mitglied des Safety Commitees und sollte meine Aufgabe schon ernst nehmen. Dies war so ein Ernstfall und nichts passierte, kein Stopp der Aufgabe. Die Piloten um mich herum drehten einfach munter weiter, hoch hinauf zu den pechschwarzen Wolken. Weitere Blitze! Für 2 Franzosen und mich zuviel und wir glitten unsere Höhe in den noch sicher zu scheinenden Osten ab, um schleunigst zu landen. Kaum am Boden setzte schon die Boenwalze der Gewitterfront ein und wir hatten Mühe die Drachen am Boden zu halten.
Hoch über uns - kaum zu erkennen - noch ein Starrflügel. Ich weiß nicht, wieviel Nerven man haben muss, um das zu bringen.
Ich stehe am Boden und bin einfach nur wütend und enttäuscht über die Art und Weise des Veranstalters, wie hier mit der Sicherheit der Piloten umgegangen wurde. Es ist nichts passiert - zum Glück - und genau DAS ist es, was die Gefährlichkeit abends herunterspielt und sich der Veranstalter auf die Schulter klopft.
Ich bin ehrlich, das sind die wirklich schlechten Momente in der Wettbewerbsfliegerei, wenn Punkte und mit Ach und Krach durchgebrachte Durchgänge mehr zählen, als die Gesundheit der Piloten. Ich habe meinen Flug abgebrochen, weil ich auch in 20 Jahren noch gerne fliegen möchte. Mein Safety-Commitee-Mandat haben ich zudem grad abgegeben.
Nun noch ein paar Fakten: Es gab einen amerikanischen, mir nicht bekannten Piloten im Ziel. Corinna fliegt heut 54 Meilen weit und verbessert sich auf Platz 15. Ich falle zurück auf 19, was mir in diesem Moment aber auch völlig egal ist.
Im Zelt spielt grad eine Band zünftige Rockmusik, da kommt man auf andere Gedanken :o)
One more Day, hoffentlich ein fairer Wertungstag.
Bis denne
Jörg
20.04.2006
Team Germany ist schon wieder geschlossen unter den Top 15 im Ziel gelandet! Eine 127km Aufgabe führte uns über drei Wenden (und zwei riesige
Sumpfgebiete) in weniger als drei Stunden wieder zurück nach Quest ins Ziel. Zum Glück waren die Wolken endlich mal auf erträgliche Höhe gestiegen, mit
2000m Arbeitshöhe kann man heizen! Und das taten Jörg und ich, brannten, was die VG hergab. Jörgs Höchstgeschwindigkeit bei 120km/h, meine bei 109 km/h! Der Grund unseres breiten Grinsens im Ziel war eine Konvergenz, die an manchen Tagen hier in der Mitte von Florida entsteht, da sich die Seewinde von Ost-und Westküste hier treffen. Im Delphinflug ging es von der 2. zur 3. Wende, ein Traum! Haben wir uns auch verdient, nach wahrhaft turbulenten Schlepps. Erst ab 13.15 Uhr wurde gestartet, da vorher der Himmer blau war. Also mitten in die aktivste Thermikzeit hinein. So mancher Dust Devil machte den Dragonfly-Piloten und uns selbst noch viel mehr das Leben schwer. Aber alles ging gut, und bei 700m ausgeklinkt fand jeder ganz einfach Anschluß an die wunderbare Florida-Thermik. Dann gings von Wolke zu Wolke, ein Traum!
Ach so, ich war tatsächlich wieder erste Frau im Ziel, Kari ist ein paar
Minuten später gelandet. Es läuft sehr gut, also haltet Jörg und mir weiter
die Daumen!
Herzliche Grüße,
Eure Corinna.
19.04.2006
Endlich richtiges Florida-Wetter! Wolken, deren Basis im Laufe des Tages auf
1500m gestiegen ist, und die tun, was sie sollen- mich zu ihnen heraufziehen! Und wenig Wind. So macht es Spaß, die etwas über 100 km über drei Wenden herunterzubrennen. Von vielen Seiten bekomme ich Komplimente über meine Steigraten. Das Handling von meinem Litespeed ist traumhaft, deshalb kann ich ihn wunderbar im Zentrum jeder Themik plazieren. Auch Jörg ist aus dem Winterschlaf aufgewacht. Er schoß mit dem Führungspulk als 8. über die Ziellinie, in 2 Std 13min, nur drei Minuten hinter dem Tagessieger Oleg!!! Dafür hat Jörg 900 Punkte kassiert und gut aufgeholt. Ich hab fast eine halbe Stunde länger gebraucht und landete als 17. im Ziel, immerhin als erste der sechs teilnehmenden Frauen. Ich bin wohl noch etwas vorsichtig und konservativ, weil ich dem Wind nicht traue und mich nicht gerne tief über den Sümpfen wiederfinde. Keine schöne Vorstellung, wenn man plötzlich merkt, daß die Baumstämme im Wasser lebendig sind...
Noch drei Tage, und es soll zunehmend labiler werden.
Grüße
Corinna.
17.04.2006
Florida, Quest Air Competition im April - ein Luxus, aber auch eine
aufwändige Angelegenheit. Für eine optimale Vorbereitung auf die kommende WM jedoch unverzichtbar. Also haben Jörg und ich mal wieder unsere Sachen gepackt und sind in endlosen 10 Stunden 50 nach Orlando geflogen. Diese ungewöhnlich lange Flugzeit hat mich stutzig gemacht. Die Jets sind zur Zeit außergewöhnlich stark, auch die damit verbundenen Turbulenzen...!
Ich schleppe ein- oder zweimal im Jahr auf Wettbewerben, so daß ich mich
immer erst wieder eingewöhnen muß. Nicht so angenehm bei dem starken Wind.
Der erste Wettbewerbstag war ein einziges Jojofliegen, vor und zurück, immer
auf der Stelle. Jörg kämpfte sich tapfer bis zur ersten Wende vor, doch ich
mußte nach zwei Stunden schon am Startzylinder landen. Mit mir noch jede
Menge anderer namhafter Piloten, Kari Castle und Raymond Caux waren auch darunter.
Viele Grüße aus Quest
Corinna